In der aktuellen EMMA

Hier haben Frauen was zu lachen!

(V.l.n.r.) Die Mitinitiatiorinnen Carmela de Feo, Patrizia Moresco & Dagmar Schönleber. - Foto: Stefan Mager
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In der Regel tauschen die „komischen Frauen“, wie die Kölner Kabarettistin Dagmar Schönleber sich und ihre Kolleginnen nennt, sich in ihrer Facebook-Gruppe über Fragen wie diese aus: Welchen Techniker könnt ihr empfehlen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Veranstalter XY gemacht? Oder auch: Das wollte ich auf der Bühne anziehen, geht das?

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Doch im Herbst 2017 brach #MeToo über die Welt herein und nun postete eine komische Frau eine ganz andere Frage: „Habt ihr eigentlich auch Erfahrungen mit Übergriffen?“ Gemeint waren nicht nur Handgreiflichkeiten, sondern jede Form von Alltagssexismus.

„Darauf gab es wahnsinnig viele Rückmeldungen“, erzählt Dagmar Schönleber. Das Spektrum war breit. Es reichte vom blöden Spruch des Kollegen („Bevor du gleich auf die Bühne gehst, ziehst du dir aber noch was Schönes an, oder?“) über Anmache („Du machst doch auf der Bühne immer einen auf locker, da kannst du doch auch mit mir aufs Hotelzimmer kommen …“) bis Absagen („Wir nehmen nicht mehr als eine Frau pro Show!“). Plus natürlich die auch im 21. Jahrhundert immer noch unverwüstliche Behauptung: „Es gibt halt keine komischen Frauen.“

"Wir nehmen nicht mehr als eine Frau pro Show..."

„Da kam so viel zusammen, dass es uns erschreckt hat“, sagt Schönleber. Und so kam es, dass die Kabarettistinnen, beflügelt von #MeToo, Women’s March und One Billion Rising, beschlossen: „Wir wollen mit einer Show ein Zeichen gegen Sexismus setzen!“

Nun gibt es, entgegen dem Klischee von der zum komischen Auftritt unfähigen Frau, im deutschsprachigen Raum inzwischen so viele lustige Frauen, dass klar war: Eine Show in einer Stadt reicht nicht. Es müssen viele Shows in vielen Städten sein! Das Datum war schnell fest­gelegt: der 12. November 2018 – das 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts.

Das Orgateam, bestehend aus der Rheinländerin Dagmar Schönleber, der Schwäbin Patrizia Moresco und der Ruhrpottlerin Carmela de Feo (bekannt als „La Signora“) schritt zur Tat.

„Wir haben ein paar alte Häsinnen angerufen, um uns Rat zu holen“, erzählt Carmela de Feo. „Aber die rieten alle ab.“ Schafft ihr nicht, bringt nichts, lasst sein.

Aber der (inzwischen auch schon ziemlich erfahrene) Nachwuchs ließ sich nicht entmutigen und trommelte weiter. Und so kam es, dass am Abend des 12. November 2018 eine feministisch-kabarettistische Deutschland-Premiere stattfand: Auf 28 (!) Bühnen spielten 163 (!!) Kabarettistinnen, bekannte von Jilet Ayşe bis Anka Zink, und (noch) nicht ganz so bekannte. Einen Teil des Erlöses spendeten die Performerinnen jeweils einem lokalen Frauenprojekt, fast 53.000 Euro Spendengelder kamen zusammen.

Ein neues Frauen-Netzwerk wider den Sexismus

Es war die Geburtsstunde eines neuen Netzwerks komischer Frauen: der „Sisters of Comedy“. Motto: „Humor ist die Reinform des Widerstands!“ Und weiblicher Widerstand ist nötig, verkünden die Schwestern auf ihrer Homepage: „In Zeiten, in denen man wieder über Frauenrechte und Meinungsfreiheit diskutieren muss, der Wind von rechts weltweit schärfer bläst und auch in west­lichen Kulturen wieder ein sehr konservatives Frauenbild propagiert wird, gehen die Komikerinnen in die Offensive!“

Und da bleiben sie auch: Am 12. November 2019 werden die „Sisters of Comedy“ zum zweiten Mal zu einer Mega-Show antreten. Diesmal sind auf 41 (!) Bühnen 258 (!!) komische Frauen am Start.

„Bühnen mailen uns an und sagen: ‚Es ist uns peinlich, dass wir noch nicht dabei sind’“, erzählt Carmela de Feo.

Frau muss dazu wissen, dass Carmela mit einer spektakulären Aktion auf die Ignoranz vieler Veranstalter aufmerksam gemacht hatte. Als sie die „Internationale Kulturbörse Freiburg“ moderierte – eine Art Comedy-Messe, bei der sich von einer Jury ausgewählte KünstlerInnen den Veranstaltern präsentieren – stellte sie fest: „Es ist kein einziger weiblicher Künstler dabei!“ Begründung: Es gebe halt keine komischen Frauen. Das wollte ­Carmela de Feo so nicht stehenlassen. Sie entrollte auf der Bühne eine Tapete mit den Namen von 147 komischen Frauen: Comedians, Kabarettistinnen, Sängerinnen, Poetry-Slammerinnen, Puppenspielerinnen. „Es herrschte Totenstille.“ Etliche Kleinkunstbühnenbetreiber hatten verstanden.

Es gibt keine komischen Frauen? Von wegen!

Ein Ende der „Sisters of Comedy“ ist nicht in Sicht, die Shows für den 12. November 2020 und die folgenden Jahre sind schon in Planung. Was die Schwestern sich für die Zukunft wünschen? „Dass es irgendwann den Begriff ‚Frauenkabarett‘ nicht mehr gibt“, sagt Dagmar Schönleber. „Was wir machen, ist Kabarett und Schluss.“

„Ein Traum von mir wäre, dass es eines Tages am 12. November keine andere Veranstaltung mehr gibt außer den Sisters of Comedy“, sagt Carmela de Feo. „Das müsste sein wie Heiligabend oder das WM-Finale. Die FIFA müsste sagen: ‚Wir können das Endspiel nicht auf den Tag legen, denn da ist Sisters of Comedy.“

Am 12. November auf 41 Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz: sisters-of-comedy-­nachgelacht.de

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Alice Schwarzer schreibt

Frauen lachen über sich selbst

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Alice Schwarzer Ihr seid Komikerinnen von Beruf, Humorproduzentinnen. Ist, nach eurer persönlichen Erfahrung, der Humor von Frauen und Männern unterschiedlich?

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Hella von Sinnen Ich habe den Eindruck, dass Frauen lieber und besser über sich selbst lachen. Über die eigenen Schwächen und Unvollkommenheiten. Während Männer lieber über andere lachen.

Maren Kroymann Ich frage mich: Warum müssen Frauen immer selbstironisch sein, während Männer einfach ironisch sein dürfen? Wenn wir Frauen ironisch sind, wird geächzt. Man erwartet von einer Frau, dass sie über sich lacht. Zum Beispiel wenn sie nicht schlank ist, soll sie sich lustig machen über das Schönheitsideal des Dünnseins.

Franziska Becker Wir relativieren die ‚Anmaßung', Humorproduzentinnen zu sein, indem wir es selber ironisieren. Denn es ist für Frauen ja eine ungeheure Anmaßung ...

Kroymann Stimmt!

Becker ... sich über die Welt zu erheben und ihren Senf dazu abzugeben. Für euch Kabarettistinnen und Comedians noch mehr, da ihr ja präsent seid auf der Bühne. Ich als Cartoonistin verstecke mich hinter meiner Zeichnerei.

Kroymann Wer sagt, worüber gelacht wird, hat Macht in dieser Gesellschaft. Und das ist ein Grund, warum sie uns immer weghalten von diesem Bereich: Weil sie damit Macht abgeben müssten. Das hat man bei Harald Schmidt sehr gut beobachten können. Der hatte eine Machtposition, der hat das Feuilleton beherrscht. Selbstironie aber signalisiert: Ich bin gar nicht so ernst zu nehmen; ich muss auch selber über mich lachen; ich weiß, dass ich meine Grenzen habe.

von Sinnen Neulich hat Alice im Interview mit der Bild-Zeitung gesagt: Männer streiten direkter, Frauen sind zu harmoniebedürftig. Ist nicht genau das eine der Ursachen? In dem Moment, in dem ich mich über mich selber lustig mache, dürfen alle über mich lachen. Wenn ich aber anfange, die große Keule zu schwingen, da halten alle die Luft an und denken: Oh, was nimmt die sich denn raus?!

Becker Im Grunde ist die Selbstironie dasselbe wie das ständige Lächeln von Frauen während eines Gespräches. Ein Thema, über das es ja auch diese herrliche Analyse des TV-Gesprächs zwischen Alice und Augstein gibt. Selbst Alice lächelt immerzu verbindlich, um ihn ins Gespräch zu ziehen und zu befrieden.

Kroymann Wann sind die Männer eigentlich selbstironisch? Ist Bruno Jonas jemals selbstironisch? Oder Dieter Hildebrandt? Oder Harald Schmidt?

Becker und von Sinnen Nee!

Schwarzer Würdet ihr sagen, die Selbstironie ist zwar eine Qualität, aber für Frauen auch Pflicht? Wir haben gar nicht die Wahl?

Kroymann Es hängt mit dem zusammen, was von uns in der Gesellschaft gefordert wird. Schon als kleine Mädchen kriegen wir mitgeteilt, was die Gesellschaft von uns erwartet: Wir sollen niedlich sein, hübsch, warmherzig, sozial, wir sollen Menschen verbinden und für andere da sein. Mädchen sollen gut sein. Das steht im absoluten Gegensatz zu dem Beruf eines Satirikers oder einer Satirikerin, denn die müssen böse sein. Für eine Satirikerin bedeutet das: Sie muss dieses weibliche Gut-Sein, dass sie gelernt hat, irgendwie überwinden.

Schwarzer Genau das ist doch auch der Konflikt von Anke Engelke.

von Sinnen Ich finde, Selbstironie zeugt von Intelligenz und auch von Erwachsensein. Und Selbstironie von Komikerinnen gibt Frauen die Möglichkeit der Identifikation. Wenn Komikerinnen über ihre Tage oder ihre Beziehungsprobleme witzeln, denkst du: Genau wie bei mir! Du musst ja auch als Komikerin versuchen, mit Humor eine größtmögliche gemeinsame Ebene zu schaffen: So, dass alle mit dir lachen können und nicht nur drei in der ersten Reihe ...

Becker Die Komikerin tritt in Dialog. Komik funktioniert nur, wenn das Gegenüber es auch versteht, aufnimmt und zurück reflektiert an die Komikerin. Darum denke ich, dass Frauen vielleicht doch eine andere Art haben, Humor zu genießen. Männer machen das mehr im Konsens, indem sie Klischees bestätigen, am liebsten Klischees über Frauen. Sie finden sich in der ‚Haltung gegen' wieder. Frauen aber finden sich eher im Lachen über sich selbst oder über die Situation, in der sie sich befinden.

von Sinnen Das beste Beispiel sind ‚Golden Girls' und ‚Sex and the City'. Wo einfach vier Weiber zusammen den ganzen Tag nur am Ablachen sind über sich und das, was ihnen widerfährt. Auch ich persönlich, wenn ich zum Beispiel in der Kneipe bin - und wie wir wissen, bin ich oft in der Kneipe - schrei mich vor allem mit Frauen weg. Ich habe auch schon mal einen schönen Abend mit Männern, aber lache mit denen nicht halb so viel.

Schwarzer Das Problem ist: Auch die Männer scheinen über uns Frauen nur halb so viel zu lachen wie über ihr eigenes Geschlecht. Und da diese Männer auf ihren Chefsesseln in den Medien, Sendern und Werbeagenturen - Stichwort: Werbevolumen! - immer noch bestimmen, wer hier öffentlich komisch sein darf und wer nicht ... Kurzum: Was sagen wir zu dem abrupten Ende von Ankes Late Night Show?

Becker Ich denke, dass man eine Anke scheitern lassen wollte. Sie hatte keine Chance. Das Konzept war aufgepfropft, dieselbe Chose wie Harald Schmidt. Aber der Zynismus, in dem Männer sich ja auch gerne suhlen, ist gar nicht Ankes Ding. Man hat nur gelauert, was sie alles nicht macht und das genüsslich in den Medien ausgeschlachtet. Man hat nie mit ihren Pfunden gewuchert und die besonders hervorgehoben und ausgebaut. So hat sie verunsichert und eigenartig verstellt gewirkt. Unüberzeugt - und nicht überzeugend. Als dann im Herbst auch noch ein ‚weiblicheres Studio' ins Gespräch kam, war klar, dass die Sache zum Untergang verurteilt ist.

Kroymann Ich finde, sie ist ehrenhaft gescheitert. Die Harald-Schmidt-Nachfolge war der ausgewiesenste Schleuderplatz, den das deutsche Fernsehen zu vergeben hatte. Ich kann mir niemanden vorstellen, der da nicht gescheitert wäre. Auch Harald Schmidt selbst wäre auf diesem Platz gescheitert. Er hat ja nicht umsonst gekündigt, als sein Kumpel in der Chefetage, Martin Hofmann, gehen musste. Man braucht eben ganz oben im Sender jemanden, der einen begreift und der eine schützende Hand über einen hält. Eine Männerfreundschaft eben. Dass die Autoren immer noch zu 90 Prozent Männer sind, sei nur nebenbei bemerkt. Erst wenn in diesem Bereich Frauen an die Spitze kommen, wird's uns strukturell besser gehen.

von Sinnen Ich denke, sie selbst hatte auch keinen Bock mehr, bei all der Häme. Andererseits hätte es mich noch mehr überrascht, wenn der Privatsender noch länger eine Frau seine Werbe-Einnahmen hätte verprassen lassen. Ungeheuerlich fand ich mal wieder das Feuilleton, namentlich die Süddeutsche Zeitung, die tatsächlich 2004 noch schreibt: "Wir wollen uns am Abend die Welt nicht von einer Frau erklären lassen!" Ihr seht mich fassungslos.

Schwarzer Ihr habt selber auch alle die Erfahrung gemacht: Die Luft ist beim Humor für Frauen so dünn wie bei Formel 1 oder im Kanzleramt. Und nur ein halbes Dutzend HumorforscherInnen in der Welt hat sich in den letzten 20 Jahren überhaupt unter dem Gesichtspunkt mit der Frage beschäftigt. Sie kommen zu dem Schluss: Der Humor von Männern ist ein Machtinstrument - gegen Frauen und andere ‚Minderheiten'. Stichwort: Schwulenwitze, Türkenwitze, Judenwitze.

Kroymann Es ist, als ob Männer sich ihres Mehrheitsstatus versichern wollten über die Witze.

Becker Während es die Frauen gerade umgekehrt machen: Die arbeiten ihren Minderheitsstatus heraus und machen sich darüber auch noch sehr lustig.

Kroymann Wir leben eben im Patriarchat. Die Männer festigen das durch ihre Witze, die Frauen versuchen es zu unterlaufen, indem sie ihre Rolle ironisieren.

Schwarzer Nennt mal ein Beispiel dafür aus eurer eigenen Humorproduktion.

von Sinnen Ich kann einfach über Witze mehr lachen, die die menschlichen Sachen betreffen: Über mein Dicksein kann ich persönlich mehr lachen als zum Beispiel über einen Schröder-Witz. Frauen interessieren sich weniger für die große Weltpolitik, weil die eben unter Männern ausgekaspert wird.

Kroymann Männer haben ja im Kabarett eine bestimmte Art, die Politik zu behandeln. Wir behandeln sie auch, aber anders. Das heißt nicht, dass wir unpolitisch sind. Aber genau das wird oft behauptet, weil wir nicht dem ‚Scheibenwischer-Schema' entsprechen. Da heißt es: Die ist ja nicht politisch. So wie sie auf mein Programm ‚Auf du und du mit dem Stöckelschuh' reagiert haben, vor allem so bestimmte Kollegen aus der Linken: Maren ist ja unpolitisch, die macht ja Schlager. Die haben gar nicht kapiert, dass ich damals ein neues Genre erfunden habe, nämlich ein Entertainment-Programm, das gleichzeitig über Entertainment reflektiert. Das hat nicht nur mit Singen und Lustigsein zu tun. Aber so was wird abgewertet, weil es nicht in dieses Politkabarett-Schema passt, ja es wird einfach nicht wahrgenommen. Frauen sind eben keine Kabarettisten, Frauen singen ein bisschen und haben eine rote Stola an ... Einer, der damals positiv reagiert hat, war übrigens Dieter Hildebrandt: Der hat mich zum ‚Scheibenwischer!' eingeladen.

von Sinnen Es gab Lore Lorentz, über die ich gelacht habe.

Kroymann Ja, die fand ich auch klasse. Aber sie hat eben nicht selber geschrieben. Sie war eine intellektuelle, messerscharf analysierende Frau, die hat sich gute Texte schreiben lassen. Und sie hatte die Infrastruktur durch ihren Ehemann, der ihr das schöne Kabarett hingestellt, alles organisiert und jede Verhandlung geführt hat. Und es gab damals noch so wenige Frauen. Da hat man gesagt: Endlich eine Frau, die Kabarett macht! Sie war eine Ausnahme - keine Konkurrenz. Uns Frauen gesteht man einfach nicht zu, Subjekt zu sein - wir bleiben auch als Komikerinnen Objekt. Ottfried Fischer zum Beispiel macht seine Komik nicht dadurch, dass ...

Becker ... er sein Dicksein thematisiert ...

Kroymann ... und selbstironisch ist und sagt: Ich bin ja sooo dick. Er ist einfach dick und guckt immer gleich - und det kommt jut an. Er kann für Schweinebraten werben und Möbelmarkt, macht er auch alles. Er ist so beliebt wie Sedlmayr nie war. Da ist nix mit Selbstironie.

von Sinnen Ich habe immer darauf geachtet, vermeintliche Schwächen oder Dinge, die dich schwächen könnten, frontal rauszuhauen. Ich mache das sehr offensiv: Lesbisch-Sein! Dick-Sein! Angriff ist die beste Verteidigung. Und die Frauen der Nation mögen mich dafür, weil die wissen, dass Konfektionsgrößen ab 46 eher Usus sind in diesem Lande. Die lieben mich dafür, wie ich da satt und breit sitze und das immer wieder thematisiere und damit kokettiere. Sie freuen sich darüber, dass ich nicht sage: Ich muss aber dringend abnehmen. Sondern: Lecker! Her damit!

Kroymann Du kriegst sowieso ein Dreifachdenkmal: als erste Lesbe, erste Komikerin und erste Dicke.

von Sinnen Zuviel der Ehre. Die erste Komikerin war ich ja nicht.

Kroymann Aber in unserer Generation, ich rede vom Fernsehen. Mit ‚Weiber von Sinnen' und ‚Alles nichts, oder?', deiner RTL-Sendung Ende der 80er Jahre.

Schwarzer Ich würde auch sagen, Hella, damit hast du ja eine Solostellung: Mit der Dreistigkeit, mit der du Ich sagst. Das ist ja reine Provokation.

von Sinnen Ja, das stimmt ... Hehe...

Schwarzer Die Menschen mögen dich dafür. Aber die Medien haben versucht, dich dafür abzustrafen und dich auszubooten. Oder?

von Sinnen Naja ... Aber ich habe Schule gemacht. Wenn du dir jetzt die ganzen Mädels auf Viva anguckst, die da rotzfrech sitzen, denke ich: Für euch habe ich schon einen kleinen Trampelpfad geschlagen.

Schwarzer Absolut! Wie würdest du das für deine Arbeit als Cartoonistin sehen, Franziska?

Becker Da ich soviel Selbstironisches über die Frauenbewegung und die alternative Szene gemacht habe, haben sich die Frauen dadurch auch zum Subjekt gemacht gefühlt, zum lachenden Subjekt. Was sie ja vorher ganz wenig waren. Und es gibt natürlich ein paar jüngere Cartoonistinnen, die in meine Fußstapfen getreten sind. Vielleicht nicht so viele wie in der Comedian-Branche, weil der Kunstbereich vielleicht noch stärker männlich dominiert ist als der Medienbereich.

Schwarzer Du bist natürlich ein Kind dieses Aufbruchs, Franziska. Diese Unbefangenheit, mit der du ab der ersten EMMA losgelegt hast.

Becker Ohne dich hätte ich das nie geschafft.

von Sinnen Ich säß' hier och nich ohne dich, Alice.

Kroymann ... und ich nicht ohne dich und dich ... (deutet auf Becker und von Sinnen)

Schwarzer Klar: Euch alle drei gäbe es nicht ohne unseren Aufbruch in den 70ern. Keine von euch hätte einzeln existieren können in Zeiten, in denen nicht Frauen sagen: Hey Jungs, uns gibt's auch noch. Rückt mal ein bisschen. Wir wollen jetzt hier mitspielen.

Kroymann Wir Frauen lachen zwar immer noch vor allem über uns selber - aber wir entscheiden heute, worüber. Früher kannte ich nur die Kategorie der Nonnenwitze, die eigentlich mit Männern vögeln wollen. Denselben Tenor haben auch die Lesbenwitze ...

Schwarzer ... und die Witze über alte Frauen, die sich gerne mal junge Männer schnappen würden. Oder die Schwiegermutterwitze ...

Kroymann ... und Jungfrauenwitze wie der: 'Was steht auf ihrem Grab? Ungelocht zurück.' Und die Vergewaltigungswitze. Von denen gibt es viele in der Kombination mit Nonnen, die davon träumen, vergewaltigt zu werden.

Becker Mit diesen sexistischen Witzen sind wir ja aufgewachsen.

Kroymann Ja, das wurde in den 50er Jahren bei uns am Mittagstisch erzählt. Und zwar nicht, weil meine Brüder so besonders sexistisch waren, sondern weil die erzählt haben, was erzählt wurde. Und das war Humor.

Schwarzer Zum Beispiel?

Kroymann Einer kam mal, es muss Ende der 50er Jahre gewesen sein, mit folgendem Spruch aus der Jura-Vorlesung nach Hause: 'Den Tatbestand der Vergewaltigung gibt es ja gar nicht. - Warum nicht? - Weil ne Frau mit 'nem hochgeschlagenen Rock schneller rennen kann als ein Mann mit 'ner runtergelassenen Hose.' Hahaha.

von Sinnen Der Brüller.

Kroymann Oder: Die Nonne wird im Wald vergewaltigt. Der Vergewaltiger steht auf, knöpft sich die Hose zu und sagt: Tut mir ja leid, was erzählen sie denn jetzt in Ihrem Kloster? - Ach ganz einfach. Ich sag, wie es war: Ich bin durch den Wald gegangen und habe Sie getroffen und Sie haben mich zweimal vergewaltigt. - Wieso denn zweimal? - Ja, Sie werden doch wohl noch einen Moment Zeit haben.

Alle Stöhn ...

von Sinnen Mich würde interessieren, ob ihr den komisch findet: Eine Frau ist beim Gynäkologen und der sitzt vor ihr und sagt: Das glaube ich jetzt nicht, das gibt es ja nicht! - Was ist denn? - Auf ihrem Gebärmuttermund klebt eine blaue Mauritius! - Das ist ja unfassbar, Herr Doktor! - Der Arzt guckt noch mal genauer und sagt: Entwarnung, ist doch nur ein Chiquita-Papperle. Darüber könnte ich mich wegschmeißen!

Kroymann Der Witz ist gar nicht zu vergleichen mit den Witzen, die ich grade erzählt habe.

Schwarzer Na ja, ich finde den Witz schon obszön ... Wer darüber lacht, identifiziert sich mit den Jungs, Hella.

von Sinnen Mmm... Finde ich nicht, denn sie hat es sich ja mit der Banane selbst gemacht. Und der erste Witz von meinem großen Bruder? Das war dieser berühmte Katzenwitz. Alle Kater wandern durch die Stadt und fragen den kleinen Fritz: Kommste mit, die Susi bumsen?! - Klar, cool. Ich komm mit, die Susi bumsen. - Und die sehen dann die Susi, aber die gibt Fersengeld und läuft immer um die Kirche rum. Die Kater hinterher. Eine Runde, zwei Runden. Und dann sagt der kleine Kater irgendwann: Eine Runde bums ich noch mit, dann muss ich aber nach Hause.

Alle Hehehe. Süüüß!

Schwarzer Bei dem Witz hatte die Frauenbewegung sich schon ausgewirkt. Wie viele Jahre liegen zwischen Maren und dir, Hella?

Kroymann Ich bin Jahrgang 1949.

Becker ... ich auch ...

von Sinnen Ich bin Jahrgang '59.

Schwarzer Diese zehn Jahre machen auch in Sachen Humor was aus. Jetzt möchte ich mal von Franziska frühe Witze hören.

Becker Ich weiß gar keine Witze. Denn in meiner Familie wurden keine Witze erzählt, meine Eltern waren extrem schamhaft.

Kroymann Aber du hast doch trotzdem welche wahrgenommen! Auf der letzten Seite von der Fleischerzeitung Lukullus, von der Bäckerblume, und alle Sonntagszeitungen hatten die Graf-Bobby-Witze.

Becker Ich kann mich jetzt an keinen konkret erinnern. Aber da war immer der Tenor: Alle Frauen wollen doch genommen werden.

von Sinnen Diese Art von Witzen kamen bei meiner Mutter nicht gut an und deshalb hat mein Vater die auch nicht erzählt. Aber er war ein wunderbarer Witze-Erzähler.

Kroymann Bei uns waren es vier Jungs und ein Vater gegen meine Mutter und mich.

Schwarzer Wie seid ihr drei ganz persönlich eigentlich auf den Humor als Beruf gekommen?

Becker Ich durch meine Mutter! Sie war ja ein bisschen aus der Welt gefallen, hatte sich aber eine irrsinnige Spottlust bewahrt. Ihre ironische Sicht der Dinge, ihr Anarchismus, das hat mich geprägt. Zum Beispiel ist sie mit mir ins Museum gegangen, nicht etwa um die Bilder anzusehen, sondern um über die Leute zu lästern. Und auch sprachlich war sie sehr genau. Sie konnte unheimlich gut Erlebnisse wiedergeben. Mein Vater hatte auch Sinn für Humor - aber keinen aktiven.

von Sinnen Mein Papa hatte neun Geschwister und es gab viele Familienfeiern. Er hat immer Verse auf Platt für zwei seiner Schwestern geschrieben, ‚Minchen und Jettchen'. Die stellten sich dann im Putzfrauen-Outfit hin und tratschten über die Familie. Das war der Höhepunkt eines jeden Familienfestes. Das habe ich von ihm, dass ich schreiben und auf den Punkt kommen kann. Verschärfend hinzu kommt natürlich mein Außenseiterstatus als dicke Pubertierende und homosexuelles Mädchen. Ich habe festgestellt, dass kräftige Mädchen den besseren Humor haben. Nicht nur die Komikerinnen, ich rede jetzt auch von der dicken Beamtin auf dem Ordnungsamt. Denn wenn du nicht der Schuss bist auf der Tanzfläche, dann musst du was anderes kultivieren - und das ist gerne der Humor.

Kroymann Wie bei hässlichen, unscheinbaren Jungs!

Schwarzer Alle Outcasts haben mehr Humor. Für Humor muss man ja immer daneben stehen - und von unten kommen.

von Sinnen Es gibt ja auch diesen speziellen jüdischen Humor und auch einen speziellen Schwulenhumor. Die meisten Tunten sind brüllkomisch.

Kroymann ... oder haben das pointierte Alltags-Aperçu, so Max-Goldt-mäßig ...

Schwarzer Ich habe ja auch zu einem wie Harald Schmidt eine Theorie. Das sind diese Männer, die als Jungs Pickel hatten und keine mitgekriegt haben. Dann haben die sich irrsinnig angestrengt, so dass sie heute jede haben könnten. Natürlich können sie es trotzdem bis heute nicht glauben - das ist die Rache der Frauen.

Alle Hahaha!

Schwarzer Aber der Unterschied zu den Frauen ist: Diese männlichen Mauerblümchen kommen zwar auch von unten, landen aber ganz schnell ganz oben im Mainstream. Das ist das Problem.

Kroymann Mein Vater lachte gerne und konnte gut erzählen. Aber meine Mutter war prägender, weil die Leute nachmachen konnte. Das war für sie auch ein Mittel sich zu wehren, als Berliner Außenseiterin in Schwaben: Was die für eine unmögliche Sprache hatten! Und alle lagen auf dem Boden. Dieses Parodieren ist auch eine reine Männerdomäne. Ich glaube, ich war eine der ersten Frauen, die gezielt Leute wie Claudia Schiffer, Sabine Christiansen oder auch Steffi Graf parodiert hat.

Schwarzer Steffi, da wüsste ich nicht, was es da zu parodieren gibt ...

Kroymann Am Finanzamt links vorbei, am Finanzamt rechts vorbei ... Ja, eben nicht immer politisch korrekt! Das Witze-Erzählen in einer großen Runde ist auch ein Mittel, zur Geltung zu kommen. Bei vier älteren Brüdern - und die ganze Familie sehr verbal, alle reden am Mittagstisch durcheinander, einer lauter als der andere. Meine einzige Chance war, eine Pause abzuwarten und da schnell die Pointe reinzusetzen.

von Sinnen Ob ihr es mir glaubt oder nicht: Ich bin auch keine Witze-Erzählerin. Ich kann einen Witz gut erzählen, wenn ich ihn frisch gehört habe und superkomisch finde - doch nach einer Woche ist der weg.

Kroymann Aber was du kannst: Du stellst dich hin und sagst: 'Ich erzähle jetzt mal was!' Das würde ich mich zum Beispiel nie trauen. Ich war beim Studium eine, die sich nie gemeldet hat, ich war extrem schüchtern. Ich bin es eigentlich immer noch. Und dieses Hinstellen und sagen: 'Ich bin ...' und 'Ich weiß ...' und 'Ich sage ...' das fällt mir immer noch irrsinnig schwer. Ich singe oder erzähle was.

Becker Das stimmt, dass das etwas ganz Spezielles von dir ist, Hella, dieses: Hier stehe ICH ...

von Sinnen Du hast ja auch einen köstlichen Humor, Franziska. Wäre das für dich nicht auch eine Möglichkeit gewesen, auf die Bühne zu gehen?

Becker Nein, gar nicht! Ich kann mich überhaupt nicht darstellen.

Schwarzer Was ich bei Franziska interessant finde: Wir arbeiten ja seit 27 Jahren zusammen und im Großen und Ganzen sehen wir ja ähnliche Dinge kritisch und haben uns über ähnliche Entwicklungen und Tendenzen ätzend geäußert. Aber eine Cartoonistin darf alles machen. Sie darf Tabus brechen, ohne dass es ihr jemand übel nimmt. Im Gegenteil. Ich als Schreiberin kriege für dieselben Positionen Beschimpfungsbriefe.

Becker Esoterik, Mütterlichkeitswahn, Weiblichkeitswahn, Männlichkeitswahn, Friedensbewegung, die Grünen - alles habe ich verarscht. Dass ich es in komische Bilder verpacken kann, ist mein Vorteil. Bildern kann man sich so wahnsinnig schwer entziehen, weil sie stimmen, so genau hingeguckt sind. Das ist, wie wenn ihr auf der Bühne parodiert - da muss man sogar wider Willen lachen, gerade wenn man sich selber erkennt. Deswegen wird der Bildsatire eben doch viel verziehen, weil Humor befreiend ist. Es hat etwas unheimlich Befreiendes, zu lachen.

Kroymann Deine Cartoons waren so wahnsinnig wichtig, weil Feminismus ja als humorlos galt. Und es auch stellenweise war.

Alle Zustimmendes Gemurmel

Kroymann Du warst die, die den Humor für den Feminismus erschlossen hat.

Becker Ich habe ihn dargestellt. Er war ja da, sonst hätte es mich in der Art ja nicht gegeben.

Kroymann Mit dem Humor wird dieser didaktische Impuls, den wir alle als Feministinnen ganz stark haben, gebrochen, in angenehmer, befreiender Weise.

von Sinnen Bei mir geht, auch bei ‚Genial daneben', keine sexistische Nummer ab, ohne dass die mit dem Eierlöffel einen draufkriegen. Auch bei Balder. Da bin ich immer sehr tapfer gewesen.

Kroymann Bist du auch. Allein in der Runde und dann immer direkt ... Auch bei ‚Blond am Freitag'.

von Sinnen Immer.

Schwarzer Wobei beide Domänen - sowohl der Humor in der Darstellenden Kunst wie der Humor in der Bildenden Kunst, wo Franziska ist - doch gleich schwer zugänglich sind für Humoristinnen. Du, Franziska, bist ja nun unter den Cartoonisten eine in der ersten Reihe im europäischen Raum. Aber du stehst dennoch abseits, wirst von deinen Kollegen nicht angemessen akzeptiert.

Becker Das ist so, absolut. Das können wir Frauen in unserer Generation individuell auch nicht durchbrechen. Zum Beispiel war ich mal in Ankara eingeladen im Goethe-Institut, zusammen mit Marie Marcks und zwei Typen, Rauschenbach und Hurzelmeier. Die Typen sind fast ausgerastet. Weil ich einerseits nicht ihrem Klischee entsprach, weil ich wirklich lustig war und alles mitgemacht habe - aber andererseits die feministischen Themen drauf und darauf beharrt habe. Die waren außer sich, die konnten ihre Schubladen nicht mehr einordnen und haben dann gesagt: "Als Frau bist du ja nett, aber deine Themen, die sind ja total von gestern."

Alle Hehehe.

Schwarzer Es gibt ja diese Frankfurter Clique von Cartoonisten.

Kroymann Titanic. Wie ist deren Verbindung zu dir? Das ist ja ein Humorbollwerk, von dem auch Harald Schmidt immer wieder sehr stark gezehrt hat. Ich hatte auch meine Autoren daher, erst Simone Borowiak und dann Hans Zippert, großartig. Da kommt auch guter Humor her, finde ich; aber auch total machistisch und sexistisch. Aber wie stehen die zu dir?

Becker Ich habe am Anfang mitgearbeitet, noch mit der alten Riege. Aber auch da war ich marginalisiert. Ich sollte zum Beispiel, das war ja damals noch im Trend, die ganzen Frauenthemen beackern. Und dann habe ich mir mal die Leseranalyse angeguckt, wer überhaupt die Titanic liest und das waren meist junge Männer. Und da habe ich gesagt, ich möchte lieber die durch den Kakao ziehen, die das lesen. Über andere lachen ist ja leicht, selber einen Spiegel vorgehalten bekommen, das ist doch viel interessanter! Das habe ich dann auch eine Zeit lang gemacht, aber ich war immer außen vor.

Schwarzer Titanic ist ja das Nachfolgeblatt von Pardon, wo ich 1969 Reporterin war. Und ich durfte bei Titanic mal lesen: "Alice Schwarzer war ja mal Sekretärin bei Pardon." Ich habe überhaupt nichts dagegen, Sekretärin zu sein, ich war ja in meinem früheren Leben durchaus etwas Sekretärinnenähnliches. Aber ich war nun mal Reporterin bei Pardon, und zwar der erste und letzte weibliche Reporter, was ja eine kleine Revolution war. Doch es ist kein Zufall, dass die Jungmänner von Titanic sich gar nicht vorstellen können, dass eine Frauen bei Pardon was anderes gewesen sein könnte als Sekretärin. Und in der Tat war ich damals ein ziemlicher Fremdkörper bei Pardon und so ging es auch nicht lange gut. Nicht nur, weil es nicht zu meinen Gewohnheiten gehörte, jedes lockere 68er-Angebot zu einem Quickie begeistert anzunehmen. Auch, weil ich Titelbilder, auf denen man "ein bisschen mehr von den Titten" sah oder "nen prallen Arsch" nicht so scharf fand wie meine so fortschrittlichen Kollegen. Die freien Zeichner waren ja zum Teil wirklich gute Typen, Persönlichkeiten: von Gernhardt über Traxler bis Poth. Aber sie waren eben dennoch sehr selbstverständlich Patriarchen, wenn auch verunsicherte Patriarchen. Gernhardt, mit dem ich gut befreundet war, war sich vor einigen Jahren doch nicht zu blöd zu sagen: Die ist eigentlich ganz nett und hatte früher auch Humor ... Wie ist es denn heute in der Comicwelt, Franziska?

Becker Leichter, was das Publikum betrifft und das Bedürfnis nach Lachen. Schwerer, weil man die Einsamkeit mehr spürt. Man wird älter und steht immer noch relativ allein auf weiter Flur. Das finde ich schwer auszuhalten. Wenn man jünger ist, denkt man ja, gut, dann wachsen ganz viele mit und da kommen ganz viele nach, das ist eine richtige Super-Bewegung. Und du merkst dann, dass du eigentlich immer noch auf so einer Kriechspur bist. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist?

von Sinnen Du meinst jetzt als Feministin? Beruflich oder persönlich, menschlich, fraulich?

Becker Beruflich.

von Sinnen Das ist ja bei dir wirklich dramatisch, da kommt ja wirklich niemand nach.

Kroymann Ich gebe dir recht, Franziska. Leichter ist es geworden, weil es mehr weibliches Publikum gibt. Wir haben das ja mit angeschoben. Es gibt ein öffentlich formuliertes Bewusstsein, dass Frauen lachen wollen. Das kommt übrigens auch durchs Fernsehen, weil sie dort die Quote beobachten und sehr wohl wissen, dass die Mehrheit des Publikums weiblich ist, dass sie uns also auch was zum Lachen geben müssen. Deswegen trägt ironischerweise das Fernsehen gegen seinen Willen dazu bei, dass es mehr Komikerinnen gibt. Da gab es ja nur Helga Feddersen in meiner Jugend als komische Frau, die übrigens auch selber geschrieben hat ...

von Sinnen ... Trude Herr ...

Schwarzer ... die solide frauenfeindlich war. Sie hat diesen weiblichen Masochismus, gemein über Frauen zu lachen, voll bedient. Leider.

Kroymann ... und Lore Lorentz. Dann haben sie gemerkt, sie brauchen weibliche Protagonistinnen. Und was ist dann passiert? Es kamen Frauen im Fernsehen wie Gaby Köster oder April Hailer oder später Anke Engelke, die eine hohe Quote haben - naja, manchmal auch nicht - und irgendwie lustig sind. Das sind aber Frauen, die nicht unbedingt selber schreiben. Zum Teil schon - bei Gaby - aber nicht zwingend. Autorenschaft und Darstellung wurden zwei getrennte Dinge.

Schwarzer Hella, hast du je im Leben ein Wort gesagt, das für dich geschrieben worden ist?

von Sinnen Natürlich, dauernd! Ich muss dazu sagen, dass für ‚Blond am Freitag' Cornelia Scheel alle Pointen macht, auf dem Flug von Köln nach Berlin. Die Pointen von ‚Blond am Freitag' sind zu 98 Prozent von Conny. Nur bei ‚Genial daneben' muss ich ganz alleine komisch sein. Das mache ich zum Glück ganz gut, weil ich schlagfertig bin und so gerne spiele.

Kroymann Und weil du gebildet und politisch bist. Das ist die Sendung, wo man die Hosen auszieht.

von Sinnen Was ich ganz aufschlussreich fand: Für mein Solo ‚Ich bremse auch für Männer', was ja zweieinhalb Jahre erfolgreich gelaufen ist, habe ich mir auch von männlichen Kollegen sehr viele Sketche schreiben lassen. Conny und ich haben drei alleine geschrieben. Und dann kam plötzlich folgende Situation: Ich musste mich zwischen zwei Sketchen hinter einem Paravent umziehen und konnte die Leute jetzt nicht nur mit Musik berieseln. Ich habe also spontan was erzählt - Geschichten aus meinem Leben. Und ich habe dann festgestellt: Das waren die Brüller des ganzen Programms.

Kroymann Weil du da am authentischsten warst. Dieses Frauen-an-die-Stelle-Setzen, die Männer schreiben, die Männer entworfen haben, ist eine Art Scheinfeminismus. Es sind Scheinfrauen. Denn das ist von Männern konzipiert und sie spielen die lustige Frau. Und das ist etwas ganz anderes.

Schwarzer Das ist natürlich ein gewaltiger Unterschied. Eine Frau, die eine Frau darstellt - und eine Frau, die eine Frau ist.

von Sinnen Zum Glück gibt es dann Frauen wie dich. Alice bei Jauch!

Alle Hehehe.

von Sinnen Aber es gibt auch Desiree Nick, die manchmal so brüllend komisch ist und manchmal so daneben und sexistisch, dass man weinen möchte - aber sie ist zumindest eine Frau und sehr authentisch und das finde ich sehr erfrischend.

Kroymann Sie hat ihre Karriere darüber gemacht, dass man eigentlich denkt, es ist ein Transvestit, der spricht. Und es gab ja eine Zeit, da waren Transvestiten beliebter im Fernsehen als richtige Frauen ...

Schwarzer Weil Transvestiten die letzten wirklichen Frauen sind im 21. Jahrhundert. Nur Transvestiten können noch ‚echte' Frauen spielen.

Kroymann Genau. Welche Frau will sich heutzutage noch so zeigen?

von Sinnen Aber was meinst du denn jetzt mit ‚echte Frauen'? Das Klischee der Frau?

Schwarzer Klar meine ich die Frauenrolle! Wir sind doch alle Menschen: Morgens stehen wir auf, abends schlafen wir ein. Und tagsüber werden wir daran erinnert: Wir sind eine Frau. Hella, du erlaubst dir ja nun, ihn raushängen zu lassen - das erlauben wir uns in dem Maße alle nicht, obwohl wir ja auch nicht impotent sind. Wir alle spielen auch die Frau, weil die Welt von uns erwartet, dass wir Frauen sind. Aber wir tun das manchmal irritiert und unwillig, denn wir möchten uns einfach in dieser Frauenecke nicht einschließen lassen. Nur der Transvestit ist ja noch aus vollem Herzen eine Frau.

von Sinnen Hahaha! Nur der Transvestit kann auf zehn Zentimeter hohen Stöckelschuhen laufen.

Schwarzer Und tut es auch noch gerne!

Kroymann Das kann ich voll unterschreiben! Und das ist die Basis des Erfolgs von Mary: eine echte Frau minus Feminismus. Wie ich das bei heterosexuellen Männern - auch im Fernsehbereich - immer wieder gehört habe: "Ah, diese Beine ... Und dann das Dekolleté ... Und diese Haare!" Wir Frauen haben denen das ja nicht mehr ungebrochen geliefert. Da musste erst wieder eine Verona Feldbusch kommen! Aber Anfang der 90er machte das eben Mary. Es gab keine Frau zu der Zeit, die eine eigene Show hatte, außer Carolin Reiber. Aber es gab Mary.

Schwarzer Frauendarsteller.

Kroymann ... und Dame Edna. Oder Lilo Wanders ...

Schwarzer (stöhnt) Der ist wirklich obszön. Mädels, lasst uns zu den echten Frauen zurückkehren.

von Sinnen Ich bin Komikerin geworden wegen Heidi Kabel. Ich habe früher diese Übertragung aus dem Ohnsorg-Theater gesehen und gedacht: Das glaube ich nicht! Wie witzig ist das denn?! Ich habe auch Millowitsch-Übertragungen gesehen, aber wegen Elsa Scholten. Eine dicke wundervolle Person, die in den frühen Millowitsch-Übertragungen immer die schlecht gelaunte Gattin von Willy gespielt hat. Ich habe auch Heinz-Erhardt-Filme gesehen, aber wegen Grethe Weiser.

Schwarzer Grethe Weiser war ja der Knaller!

von Sinnen Ich will einfach nur sagen, um auch mal die historische Klammer zu ziehen: Scheiß auf die Männer. Ich bin geprägt durch Komikerinnen! Heidi Kabels ‚Tratsch im Treppenhaus', diese Mimik, das habe ich alles für die Putzfrau Schmitz übernommen. Diese ganze Palette an Süffisanz. Und schon am Schülertheater mit 16 habe ich die komische Alte gegeben, weil das mein Rollenfach war. Ich freue mich drauf, wenn ich 60 werde: Dass ich dann eine echte komische Alte bin!

Schwarzer Schließt sich für eine Frau komisch sein und attraktiv sein aus?

von Sinnen Nicht mehr. Seit Ellen de Generes nicht mehr. Oder Bette Midler. Gut, Roseanne Barr ... Also für mich ist ja immer schon Intelligenz und Humor das einzige Kriterium für Erotik gewesen.

Kroymann Es gibt so was wie Marilyn Monroe. Es gibt so was wie Ingrid Steeger.

von Sinnen Aber Ingrid Steeger war nie komisch!

Schwarzer Aber Marilyn war komisch! Wenn auch in erster Linie sexy. Und nur wir Mädels haben gesehen, dass sie auch komisch war.

Kroymann Nein, nein, die Männer haben das auch gesehen. Sie war komisch, weil sie dusselig war. Und der wunderbare Billy Wilder hat sie ja göttlich eingesetzt. Das hat sie nicht alleine gemacht, das muss man sagen, das ist von Männern inszeniert.

Schwarzer Aber Billy Wilder hat das auch nicht alleine gemacht: Sie hat es verkörpert.

von Sinnen Lasst uns im Hier und Jetzt bleiben. Goldie Hawn war eine der ersten Hollywood-Komikerinnen, die auch ein Schuss waren: groß, blond, blauäugig. Sie entsprachen dem typischen Schönheitsideal und waren komisch.

Kroymann Mae West!

von Sinnen Darf ich mal ganz kurz mein Lieblingszitat von Mae West sagen? "When I'm good, I'm very good. When I'm bad, I'm better."

Alle Hahaha!

von Sinnen Mae West ist die Größte! Und ‚Sex and the City!' Superattraktive Weiber ...

Schwarzer Du findest das komisch?

von Sinnen ‚Sex and the City?' Ist das Komischste! Genial. Ich liebe es, wie sie über Sex reden, wie frech sie sind, wie sie sich alles nehmen, was sie brauchen.

Schwarzer Also, ich halte ‚Sex and the City' für eine Schwulenfantasie. Ich glaube überhaupt nicht, dass Frauen so vom ‚Ficken' reden. Auch junge Frauen nicht.

Kroymann Ich liebe ‚Absolutely fabulous' ... Ich finde, dass es eine andere Sache ist, ob eine Frau, die im wirklichen Leben den männlichen Fantasien entspricht, eine Hässliche spielt; oder eine, die durchschnittlich aussieht. Das wird viel weniger akzeptiert. Die Dicke, die Prollfrau, die Schlampe, die sie spielt, wird verziehen, wenn sie süß ist, schlank ist ...

Schwarzer ... und das auch zeigt.

Kroymann Beispiel: Iris Berben bei ‚Sketchup'. Es hätte sicher viele Komikerinnen gegeben, die das gerne gespielt hätten. Sie haben aber die als notorisch erotisch bekannte Iris Berben genommen, weil dann genau dieser Effekt entsteht, dass man sagt ...

Becker Die traut sich was!

Kroymann Ja! Sooo eine dicke Brille aufzusetzen, das ist ja fabelhaft!

Becker Aber Helga Feddersen sah auch im Leben so aus ...

Kroymann Und die hätte nie diese Rolle gekriegt.

Schwarzer Hella, du hättest früher ja auch die süße Praline geben können. Du warst ja eine klassisch hübsche Blondine.

von Sinnen Das ist ja das Schöne! Ich habe ja gerade die Sketchreihe mit Dirk Bach gedreht und da kann ich auch durchaus hübsch aussehen. Und ich habe zwar immer mit meinem Dicksein kokettiert, aber ich habe mich ja nie als unattraktiv empfunden - außer in der Pubertät, wo wir alle unsere Krisen hatten. Ich finde mich ja auch heute noch einen attraktiven Schuss!

Schwarzer Aber du hast nie auf süß gemacht.

von Sinnen Ich war ja auch im Leben nie die Süße. Ich hatte nie diese weibliche Identifikation. Ich wollte wirklich immer ein Kerl sein. Mit Äußerlichkeiten zu dealen, stand für mich nie zur Debatte. Die Leute sollten immer nur wissen, dass ich komisch bin und intelligent.

Schwarzer Erst die Übertreibung ist lustig, wie in den Zeichnungen von Franziska.

Becker Die Übertreibung! Und, was völlig unweiblich ist, die Hemmungslosigkeit. Das verzeiht man Frauen auch nicht. Zum Beispiel: Wenn jemand beim Pinkeln gleich einen ganzen See macht. In einem Bild kannst du ja noch viel mehr darstellen als auf der Bühne. Die Hemmungslosigkeit macht gute Komik aus. Und die Verknappung. Im Bild muss Komik schnell erkannt, lesbar sein.

Kroymann Wobei das bei uns oft in den Nuancen liegt. Das ist auch eine ganz starke Detailarbeit. Als ich Christiane Herzog oder die Regine Hildebrandt, die zusammen kochen, gemacht habe, war das relativ minimalistisch.
von Sinnen Ich finde das Leben so brüllend komisch. Und das machst du ja auch mit deinen Comics, Franziska; den Alltag karikieren, überspitzen oder auf den Punkt bringen.

Schwarzer Was reizt dich denn im Alltag so zum Lachen?

von Sinnen Wenn etwas plötzlich eskaliert und außer Kontrolle gerät. Die Penetranz der Menschen. Wenn die Leute sich zu wichtig nehmen. Wenn Leute gar nicht wissen, wie sie wirken.

Becker Und was Loriot schon gesagt hat: Diese wahnsinnige Komik zwischen dem Anspruch an Ernsthaftigkeit und wenn dann alles daneben geht. Das Scheitern. Da hat man den Rock auf dem Klo aus Versehen in die Unterhose gesteckt und läuft mit dem Handtäschchen etepetete in die vorderste Reihe. Oder du erziehst dein Kind und hältst irrsinnige Moralpredigten und dann wirst du deinen eigenen Ansprüchen überhaupt nicht gerecht. Und da schließt sich wieder der Kreis: Männer sehen das zum Teil gar nicht, weil sie darin gefangen sind und auch mitmachen wollen: In der ersten Reihe stehen und Pinkeln. Frauen sind marginaler, stehen daneben, sehen auch die Komik des alltäglichen Scheiterns.

Schwarzer Das ist vielleicht das, was den späten Harald Schmidt geknickt hat. Weil er angekommen war, dazugehörte. Es gab den Luftzug zwischen Anspruch und Realität nicht mehr.

von Sinnen Ich muss dir da widersprechen. Er hat sich zwar zum Schluss wirklich überhaupt keine Mühe mehr gegeben, der saß im Studio und die haben nur geplappert. Aber das hatte eine Genialität, die mich mehr beeindruckt hat als der frühe oder mittlere Harald Schmidt.

Becker Das hatte auch eine Art von Hemmungslosigkeit, sich das zu trauen.

von Sinnen Ja, das fand ich anarchistisch.

Schwarzer Aber das kann man alles nur einmal machen. Man kann nur einmal ein dunkles Studio machen, nur einmal Französisch reden ... und dann ist es durch.
von Sinnen Ich fand es wunderbar. Wir haben jeden Abend Harald Schmidt gesehen oder aufgezeichnet, wenn wir nicht zu Hause waren. Ich stelle nur zu meiner großen Überraschung fest, dass ich ihn nicht vermisse. Als er aufgehört hat, ist das Feuilleton ja bald zusammengebrochen vor Grabreden.

Schwarzer Das war ja ein Boys-Gegreine. Die Spanne zwischen Harald Schmidt und Anke Engelke kann ja größer nicht sein. Oder?

Kroymann Sie können beide viel. Wobei ich finde, dass Anke Engelke die benennbaren Dinge zum Teil besser kann. Nämlich Spielen, Singen ...

Becker ... Parodieren. Harald Schmidt war ja eher immer nur Harald Schmidt.

Kroymann Aber sie ist eben keine Intellektuelle, das ist der Hauptunterschied. Er ist einer, der klar vorgibt. Der hat gesagt, was witzig ist - und das war auch über weite Strecken witzig. Sie ist mehr eine Humorarbeiterin, die sehr viel kann. Aber sie ist keine Inspiration für die vom Feuilleton, denn das ist natürlich ein Kerle-Konglomerat. Die Männer vom Feuilleton haben zu Harald Schmidt ein ähnliches Verhältnis wie 13-jährige Mädchen zu Britney Spears. Weil er ihnen einen Lebenszweck gegeben hat: Auf einmal durfte man fernsehen und intellektuell sein. Es war großes E. Und das andere war ja der U-Schrott. Damit hat er ihnen ein anderes Selbstwertgefühl gegeben. Die Redakteure kriegten fast einen Orgasmus, wenn der zum Interview da war. Und man ahnt, wie die in der Kantine dann gesagt haben (flüstert): "Du, ich hatte den Schmidt ... War wieder genial ..." Die haben sich einfach hochgezogen an diesem Mann.

Schwarzer An diesem alten Jungen, der spielen durfte - was sie nicht dürfen. Sie mussten ja immer vernünftig sein in ihren Redaktionen, aber er konnte die Sau rauslassen. Hat er nicht stellvertretend für sie gespielt?

Kroymann Ich glaube, er hat Fernsehen und Intellekt vereint. Die Hauptlüge des Bildungsbürgertums ist ja: Ich gucke nie fern. Man hat Deutschunterricht gehabt, man hat Germanistik studiert und man macht E und als vernünftiger Journalist landet man im Feuilleton oder in der Politik. Man durfte endlich Fernsehen und man durfte es sagen. Das ist das Erfolgsgeheimnis von Harald Schmidt.

Schwarzer Mit Schmidt identifizieren sich Männer; mit Anke, die ja auch ein Mädchenstar ist, identifizieren sich die Frauen. Beim Start der Sendung waren nur elf Prozent weibliche Zuschauer. Das hatte auch mit den Sendezeiten zu tun. Aber vielleicht sollte sie als Frau auch weniger frauenfeindliche Witze machen - und auch mal auf Kosten von Männern lachen. Macht ja auch Spaß. Sie hat natürlich nur eine Zukunft beim Frauenpublikum. Die Männer lassen sie nicht durch.

von Sinnen Ich weiß, dass wir bei ‚Genial daneben' zweimal die höchsten Quoten - einmal knapp über vier Millionen, einmal knapp unter vier Millionen - erreicht haben mit Anke Engelke und Barbara Schöneberger. Ich glaube, dass die Zuschauer gerne Frauen sehen. Wenn du die Position der Frauen und für Frauen beziehst, dann haben Frauen Spaß an dir und Männer haben Angst vor dir. Und dann kommen sie halt wirklich nur hintenrum mit ‚Respekt, Respekt'. Ist zwar dick und lesbisch, aber hat Abitur ...

Kroymann Mir ging das bei ‚Nachtschwester Kroymann' auch so, dass der Respekt kam so nach dem Motto: viel Feind, viel Ehr. Die Leute waren zum Teil einfach erstaunt, dass von so 'ner an sich doch ganz netten Fernseh-Blondine und Ex-Frau-Pfarrer so böse Sachen kommen; Sketche wie ‚Frauen, die sich hochgevögelt haben' oder die ‚Urologin des Herzens'. Da haben auch immer so anderthalb Millionen zugeguckt. Der Respekt scheint für diese Art von Humor-Rezeption, für den selber gemachten Humor, eine Voraussetzung zu sein.

von Sinnen Die ‚Nachtschwester Kroymann' lief aber auch mitten in der Nacht. Das ist etwas, was ich wirklich hasse bei dem ganzen Gerede über Quoten. Dass es auch Kriterien gibt wie eine beschissene Sendezeit oder ein bombiges Konkurrenzprogramm, das wird nicht thematisiert. Sie wollen dich runterschreiben, sie wollen dich kleinkochen, also werden die Ergebnisse auch daraufhin interpretiert.

Schwarzer Welchen Rat gebt ihr Anke Engelke nach dem Scheitern der ‚Late Night Show'? Was soll sie jetzt tun - und vielleicht auch lassen?

Becker Sie ist saugut und muss kein zweiter Harald Schmidt sein. Sie sollte selber ihre Konzepte machen, so wie es ihr entspricht. Und sich nicht auf eine tägliche Sendung kaprizieren. Ich finde Daily Shows ruinös, für jeden und jede. Aber ... es steht so viel dagegen.

Kroymann Ich finde, es gibt auch etwas Positives an dem Debakel von ‚Anke Late Night'. Trotz der Niederlage der Sendung wurde Anke Engelkes persönliches Image nicht beschädigt. Das wäre wohl nur der Fall gewesen, wenn man bei ihr statt des ‚Intellekts' die üblicherweise geforderte Erotik vermisst hätte.

von Sinnen Was wird sie schon tun? Sie wird ihre Wunden lecken, ‚Ladykracher' machen und ihr ‚Danke-Anke-Weihnachtsspecial'. Wie gehabt. Und mittwochs und donnerstags Schmidt auf der ARD gucken.

Franziska Becker ist seit der ersten EMMA 1977 die Hauscartoonistin von EMMA. Sie veröffentlichte seither 16 Comic-Bücher. - Maren Kroymann arbeitet seit 1971 als Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin. - www.marenkroymann.com - Hella von Sinnen wurde 1988 mit ‚Alles Nichts Oder?' bekannt. Im Oktober 2011 erhielt sie als erste Frau den "Ehrenpreis des deutschen Comedypreises".

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