„In jeder Klasse plötzlich drei Mädchen trans!“
Matthias, du hast dich bei der Lesung von Alice Schwarzer in Köln zu Wort gemeldet. Dabei ist Alice ja angeblich „transphob“.
Es war mir wichtig, mich zu positionieren, weil Alice Schwarzer und die EMMA häufig so fertiggemacht werden. Und mich als betroffene Person dahinzustellen und zu sagen: Ich stelle mich auf die Seite von Alice Schwarzer. Weil ich ihre Kritik teile, obwohl ich selber trans bin.
Was siehst du denn kritisch?
Es ging nach der Corona-Pandemie los. Ich war vorher in der Schule die einzige Transperson. Als nach der Pandemie dann alle wieder in die Schule kamen, waren plötzlich in jeder Klasse zwei oder drei Leute, die gesagt haben: Ich bin trans! Komischerweise waren das alles Mädchen. Die Schulsozialarbeiter haben mich dann angesprochen und gefragt, ob ich mit diesen Mädchen sprechen würde. Da habe ich gesagt: Klar! Das hätte ich mir früher auch gewünscht.
Wie alt waren die Mädchen?
In der fünften oder sechsten Klasse.
Also erst zehn, elf, zwölf?
Ja. Und ich hab mir das angehört und dann zu der Sozialarbeiterin gesagt: Tut mir leid, aber die sind nicht trans. Die sind in der Pubertät, die haben Probleme mit sich selbst und mit ihrem Körper. Und das angebliche Trans ist bei denen von jetzt auf gleich aufgetaucht. Wenn da eine gesagt hätte: Ich hab das schon total früh gemerkt und jetzt in der Pubertät wird es noch deutlicher. Dann hätte ich gesagt: Okay, wir gucken da hin und reden drüber. Aber die sahen auch alle noch total aus wie Mädchen und haben sich absurde Namen gegeben wie „Galaxy“ oder so. So dass ich den Eindruck hatte: Die wollen einfach Aufmerksamkeit.
Warum glaubten diese Mädchen denn, trans zu sein?
Die sagten sowas wie: Ich will nie Kinder haben und sehe mich auch nicht als Hausfrau. Sodass man das Gefühl hatte, es geht ihnen nur um die Frauenrolle und nicht um den Körper. Ich habe ihnen dann ganz klar gesagt, dass sie kein Junge werden müssen, um zu tun, was sie wollen. Dass sie auch als Frauen Karriere machen können und sich keinem Mann unterordnen müssen.
Und wie haben sie darauf reagiert?
Komischerweise haben sie mich gar nichts gefragt, obwohl sie ja wussten, dass ich trans bin. Wenn ich damals jemanden gehabt hätte, der in seiner Transition schon so weit gewesen wäre wie ich – ich hätte den mit Fragen durchlöchert! Aber da kam nichts. Interessanterweise war dann das Ganze nach ungefähr einem Jahr wieder vorbei. Da war das Thema wieder durch. Und man kann wirklich froh sein, dass keins der Mädchen angefangen hat, Hormone zu nehmen oder irgendwas anderes Unumkehrbares gemacht hat. Die sind da also ganz gut rausgekommen. Aber andere fallen halt so tief in dieses Gefühl rein, dass sie Medikamente nehmen und sich die Brüste entfernen lassen. Und dann hast du den Salat.
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