So machen Frauen Filme!

Christia Visser spielt "Tess".
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Was 1987 in Dortmund als kleines Festival unter dem Titel „Femme Totale“ begann, ist heute eines der größten und renommiertesten Frauenfilmfestivals der Welt. 123 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 31 Ländern zeigt das Festival, das heute „Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln“ heißt, nachdem 2006 die Dortmunder „Femme Totale“ und die Kölner „Feminale“ fusionierten. Wie immer hat das Festival verschiedene Themenschwerpunkte. So fragt es in „Bodies of Oz“: „Wie kann inmitten sexistisch-pornografischer Bilderfluten eine beglückende Sexualität gelebt werden?" Auch diesmal gibt es neben klassischen Filmvorführungen auch Experimentelles. So die Fahrradtour „Shorts on Wheels“, bei der Dortmunder Hauswände zur Leinwand umfunktioniert werden. Zur Niki de Saint Phalle-Ausstellung im Museum Ostwall „Ich bin eine Kämpferin“ (bis 23.4.) organisiert das Festival ein Symposium zum Thema „Trauma, Subjekt- und Körperprojekte“ über die Künstlerin, die stets auch ihren sexuellen Missbrauch thematisierte.

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Außerdem vergibt das „Internationale Frauenfilmfestival“ wie jedes Jahr wieder den mit 15.000 Euro dotierten Spielfilmpreis für Regisseurinnen.

Einer der acht Filme, die in dieser Kategorie ins Rennen gehen, ist „Tess“ der südafrikanischen Regisseurin Meg Rickards. Die junge Tess prostituiert sich in Kapstadt und überlebt, indem sie Schmerzmittel einwirft. Als sie schwanger wird, muss sie sich mit dem Schmerz ihrer Kindheit auseinandersetzen. 

Auch die polnische Regisseurin Agnieszka Holland nimmt mit ihrem Film „Pokot“ (Spur) am Wettbewerb teil. In einem polnischen Dorf sterben mehrere Männer, alle sind Jäger. Es scheint so, als ob sie von wilden Tieren getötet wurden. Die pensionierte Ingenieurin Janina forscht nach. Für ihren Ökothriller gewann Holland den Alfred Bauer Preis der Berlinale 2017.

Nicht im Wettbewerb, aber ein herausragender Dokumentarfilm: Sonita, eine illegal im Iran lebende 19-jährige Afghanin, hat nur einen Traum: eine berühmte Rapperin werden. Die Widerstände sind groß. Die iranische Filmemacherin Rokhsareh Ghaem Maghami hat Sonita drei Jahre mit der Kamera begleitet. Ihr Film zeigt das Schicksal tausender namenloser Kinderbräute.

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www.frauenfilmfestival.eu

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Sonita rappt in Teheran

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Die Afghanin Sonita ist 19 Jahre alt und lebt mit ihren Geschwistern illegal im Iran. Ihr Traum: eine berühmte Rapperin zu werden. Sonita putzt, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Bei einer Flüchtlings-Initiative lernt sie Lesen und Schreiben. Rap-Songs schreiben. Aber: Frauen dürfen im Iran nicht öffentlich als Sängerinnen auftreten, schon gar nicht mit provokanten Rap-Texten.

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Und dann reist auch noch ihre Mutter aus dem afghanischen Herat an, sie will Sonita in Afghanistan für 9.000 Dollar als Braut verkaufen. Sonitas Antwort: Sie schreibt einen Song gegen Zwangsverheiratung, „Brides for sale“, und stellt das Musik-Video dazu auf YouTube.

Die iranische Filmemacherin Rokhsareh Ghaem Maghami hat Sonita drei Jahre lang mit der Kamera begleitet und erzählt in ihrem berührenden Dokumentarfilm nicht nur die Geschichte eines talentierten, mutigen Mädchens – sondern auch die von hunderttausenden namenlosen verkauften Bräuten.

„Sonita“, heute um 22.40 Uhrauf arte.

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