Kinderwunschmesse wackelt!

Seit 2023 demonstrieren die "Frauenheldinnen" gegen die Leihmutter-Messe. Foto: Annika Ross
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Warum dürfen in Deutschland Menschen offen dafür angeworben werden, etwas im Ausland zu tun, was in Deutschland verboten ist? – Das ist die Kernfrage, die sich auf der sogenannten Kinderwunschmesse „Wish for a Baby“ stellt.

Das Hauptgeschäft dieser Messe, die seit fünf Jahren jeweils im Herbst in Köln und im Frühling in Berlin gastiert, ist die Leihmutterschaft. Dafür wird auf der Messe nicht nur offen geworben, sondern auch direkt ins Ausland vermittelt, ja Verhandlungen für eine Leihmutter gemacht.

„Dann könnten wir in Deutschland doch auch Messen für Organhandel veranstalten. Der ist zum Beispiel im Iran erlaubt“, spottet Eva Engelken, Vorsitzende des Vereins „Frauenheldinnen“. Seit einem Jahr kämpfen die „Frauenheldinnen“ und das Bündnis „Lasst Frauen sprechen“ sowie weitere Initiativen gegen Menschenhandel auf dem Rechtsweg für das Verbot der Leihmutter-Messe, flankiert von EMMA. (Hier zur Messe-Reportage von EMMA)

Die Aktivistinnen haben konkrete Beweise gesammelt, Kataloge, Verträge, Adressen

Der erste Antrag beim Kölner Ordnungsamt lief zunächst ins Leere. Auch die Berichterstattung in EMMA und weiteren Medien ließen die Behörden kalt. Es sei hypothetisch, dass auf der Messe für Leihmutterschaftsvereinbarungen geworben werde, erklärte das Rechtsamt 2025. Die Auflage gewährleiste, dass alle Aussteller ausschließlich neutrale und sachliche Informationen bereitstellen. „Vollkommen lebensfremd“, konterte der Verein und machte sich daran, das Gegenteil zu beweisen. 

In Köln und Berlin wurden von den Aktivistinnen Beweise gesammelt: Flyer, Kataloge, Verträge, Adressen. Sie haben Verkaufsgespräche aufgezeichnet und Gedächtnisprotokolle angefertigt. Und sie erstatteten Strafanzeigen. Im Juli beantragte der Verein erneut, die Veranstaltung zu überprüfen. Diesmal reagierte das Ordnungsamt. Mit Folgen.

Zwar öffnen am 17. und 18. Oktober die Sartory-Säle wieder ihre Hallen für die Anbahnung von Menschenhandel, doch der erste Aussteller kann bereits nach Hause fahren, bevor er seine „Leihmutter-Kataloge“ ausgepackt hat. Das erste Verbot richtet sich gegen „Nordic Surrogacy“, eine führende skandinavische Leihmutterschaftsagentur. Auf der Messe sind allerdings noch weitere Leihmutterschaftsagenturen vertreten, allein fünf aus den USA, zwei aus der Ukraine sowie einzelne aus Spanien, Zypern und Georgien. Georgien entwickelt sich aktuell zum Discounter für den Kinderhandel. Ein Baby kann dort zum „Spartarif“ ab 25.000 Euro bestellt werden.

Um die Werbung für Leihmutterschaft nachzuweisen, reicht eigentlich schon der Blick auf das Messe-Programm auf der Homepage von „Wish for a Baby“. Hier können sich KäuferInnen über Dinge informieren wie „Hybride Leihmutterschaft“, „Gute Zutaten für starke Embryonen“ oder „Bezahlbare Möglichkeiten in Lateinamerika“. Wenn das keine Werbung ist.

„Wir werden den Ausstellern genau auf die Finger schauen“, sagt Engelken. Über Spenden finanziert der Verein anwaltliche Hilfe.

Die Stadt Köln hat ein Zwangsgeld für den Veranstalter angedroht

Nach diesem Prinzip haben Aktivistinnen in Paris das Ende der dortigen Kinderwunschmesse erkämpft. „Die Agenturen für Leihmutterschaft wollen keine Negativ-Schlagzeilen. Sie wollen hinter verschlossenen Türen ihre Geschäfte machen. In Paris wurde der Widerstand gegen die Messe zu groß“, sagt Marie-Josèphe Devillers, führende französische Frauenrechtsaktivistin des Netzwerks CIAMS (Coalition Internationale pour l'Abolition de la Maternité de Substitution) gegen Leihmutterschaft.

Mehr EMMA lesen! Die September/Oktober-Ausgabe als Printheft oder eMagazin im www.emma.de/shop
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Auch dem Veranstalter wurde die Messe in Paris trotz lukrativer Geschäfte zu heiß. Menschenhandel ist kein Kavaliersdelikt. Der Kölner Veranstalter, die altehrwürdigen Sartory-Säle, hat allerdings bisher keine Probleme damit. Geschäftsführer Marcus Sartory erklärte den Medien jüngst vollmundig, „demonstrative Anfeindungen gegenüber den Hilfesuchenden halten wir in diesem Zusammenhang für besonders pietätlos“. Mit "Hilfesuchenden" sind die Kindkäufer gemeint, nicht die Leihmütter, die so prekär leben, dass sie ihr Kind verkaufen müssen.

Laut der Stadt Köln wurde dem Veranstalter ein Zwangsgeld angedroht für den Fall, dass auf der Messe für Leihmutterschaft geworben oder vermittelt werden sollte. Die Stadt plant Kontrollen.

Unterstützung bekommen die Aktivistinnen in diesem Jahr auch von der amerikanischen Aktivistin Olivia Maurel, selbst ein Kind von einer Leihmutter, und als Betroffene auch Mitantragstellerin der Frauenheldinnen. „Ich kenne die Hochglanzbroschüren und die Versprechungen der Leihmutter-Industrie. Und ich kenne die Realität, die Knebelverträge, die Maschinerie, die Frauen unerbittlich ausbeutet und ein Kind zur Ware macht, bevor es überhaupt existiert!“, sagt Maurel.

Diese Realität ist in Deutschland vor allem durch den Fall Jens Spahn in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Und die sagt eindeutig Nein zum Frauen- und Kinderhandel. Eine politische Mehrheit, die sich für eine Legalisierung einsetzen könnte, ist nicht in Sicht. Auch wenn eine libertäre Oberschicht, die vollkommen blind ist für das Ausmaß an Ausbeutung von Frauen, das immer wieder versucht. Was nun her muss, ist das globale Verbot.

Und dazu gehört auch ihr Umschlagplatz, die Kinderwunschmesse. 

Demo gegen Kinderwunschmesse: Samstag, 17.10.26, 13-16 Uhr, vor den Sartory Sälen, Friesenstraße 44-48, Köln

Spenden: Frauenheldinnen e.V., IBAN: DE02 3106 0181 5311 3990 06, Betreff: Leihmutterschaftsmesse

Hier zum EMMA-Dossier über Leihmutterschaft!

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