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Todesursache gebrochenes Herz

Illustration: Franziska Becker
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Der Körper ist im Ausnahmezustand. Luftnot kommt auf, kalter Schweiß bricht aus, in der Brust macht sich Vernichtungs­schmerz breit. Verdacht auf Herzinfarkt, da sind sich die ÄrztInnen der Notaufnahme sicher. Doch die Herzkammern funktionieren, die Kranzgefäße sind nicht verengt, das Blut zirkuliert. Trotzdem zerbricht gerade ein Herz. Diagnose: Das Broken Heart Syndrom. Eine Krankheit, die tödlich enden kann. Vor allem für Frauen.

„Er war mein Leben.“ Das glaubte Antonia Beermann (Name geändert) bis zu ihrem Tod. Er, das war Klaus. Für ihn hatte Antonia vor 37 Jahren ihren Ehemann verlassen. Für ihn hat sie ihren so geliebten Job als Spielwarenverkäuferin gekündigt und war von Freiburg nach Aurich gezogen. Ihm hatte sie sogar vor 13 Jahren eine Niere gespendet. Und als vor sieben Jahren bei Klaus eine bipolare Störung diagnostiziert wurde, ist Antonia nicht von seiner Seite gewichen, obwohl die Stimmungsschwankungen, die manischen Depressionen, seine Selbstmordgedanken auch sie schwer mitnahmen.

Durch dick und dünn sei sie mit ihm gegangen. Klaus hingegen ging noch woanders hin. Zu seiner 35 Jahre jüngeren Psychotherapeutin – und nicht nur als Patient. Zwei Jahre lang hat er Antonia mit ihr betrogen und währenddessen das gemeinsame Vermögen auf die Seite geschafft. Eines Tages fand Antonia eine halbleere Wohnung vor und auf dem Küchentisch einen Abschiedsbrief. Darin das Geständnis der neuen Liebe, der Wunsch nach einem „totalen Neuanfang“. Da war Klaus 73 Jahre alt. Noch wenige Tage zuvor hatten sie gemeinsam Antonias 68. Geburtstag gefeiert. Klaus hat Antonia wortwörtlich das Herz gebrochen. Sechs Monate nach der Trennung erlitt sie einen Herzstillstand: hervorgerufen durch das Broken Heart Syndrom. Der Notarzt kam zu spät, er konnte nichts mehr für sie tun.

Das Syndrom ist als medizinische Diagnose relativ neu. Dabei ist das Bild vom gebrochenen Herzen im Volksmund uralt. Aus Trauer um ihren geliebten Tristan erleidet zum Beispiel Isolde in der Legende den plötzlichen Herztod. Auch in Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ stirbt das Mädchen Mignon an Herzeleid.

Doch erst seit Beginn der 1990er-Jahre ist auch medizinisch anerkannt, was der Volksmund seit Jahrhunderten weiß: Unser Herz kann durch psychischen Kummer erkranken, ja sogar „brechen“. Japanische Forscher haben das Syndrom 1990 entdeckt. Sie hatten ihr Augenmerk bei erkrankten Patientinnen auf Körperregionen gelegt, die wichtig sind, um Gefühle zu verarbeiten, und solche, die unbewusste Körperfunktionen steuern – wie der Herzschlag. Die ForscherInnen, stellten fest, dass bei einigen dieser Patientinnen die Pumpfunktion des Herzens stark beeinträchtigt war, ein Herzstillstand drohte. Auch die linke Herzkammer war manchmal wie ein Ballon aufgebläht. Die Wissenschaftler fühlten sich beim Anblick dieser Form des Herzens an eine landestypische Tintenfisch­falle aus Ton erinnert, Takotsubo genannt. Das brachte der Krankheit ihren fachlichen Namen ein: das Takotsubo Syndrom.

Natürlich reißt der Herzmuskel normalerweise nicht wirklich entzwei, doch der psychisch verursachte Herzinfarkt kommt dem physischen sehr nahe. Statistisch sind es zu 90 Prozent Frauen zwischen 50 und 70 Jahren, die Opfer des Broken Heart Syndroms werden. Sie haben die Wechseljahre meist schon hinter sich. Die schützenden Östrogene verschwinden, was sie anfälliger macht für ein Stressherz. Meist sind seelische Extrembelastungen der Auslöser, zum Beispiel das Zerbrechen einer Beziehung, ein Todesfall in der Familie, eine Krebsdiagnose.

Die betroffenen Frauen landen in der Regel mit den Symptomen eines akuten Herzinfarkts auf der Intensivstation. Wie die vorwiegend männ­lichen Infarkt-Patienten werden sie dann mit Blutverdünnern und Betablockern behandelt, was erstmal hilft.

Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied zum körperlich ausgelösten Herzinfarkt: Die Durchblutung des Broken Heart ist oft ganz normal; die Herzkranzgefäße sehen unauffällig aus. Viele KardiologInnen stecken dann in einem Dilemma: Wie einen Herzinfarkt behandeln, der keiner ist?

„Die Symptome, das EKG, alles sieht nach Herzinfarkt aus. Doch die Herzkranzgefäße sind nicht verengt“, erklärt Professorin Sandra Eifert. Die 49-Jährige ist Oberärztin in der Herztransplanta­tionsambulanz des Herzzentrums Leipzig. „Wir machen eine spezielle Herzkatheterunter­suchung, dazu einen Herzultraschall, ein langes EKG. Dann erkennen wir ein Broken Heart.“ Danach gehe es an die genaue Überwachung der Patientin für mindestens drei Tage. Anders als beim normalen Herzinfarkt, erholt sich ein Herz beim Broken Heart schnell und muss nicht mit den Medikamenten für einen tatsächlichen Infarkt behandelt werden.

Es haben zwar deutlich weniger Frauen einen Herzinfarkt als Männer, doch wenn sie ihn haben, endet er doppelt so oft tödlich. Das macht den Herzinfarkt zur Todesursache Nummer 1 bei Frauen, nicht Krebs. „Denn Frauen kommen mit ihren Herzbeschwerden im Schnitt nicht nur zehn Jahre später zum Arzt als Männer; die Herzbeschwerden werden oft auch nicht als solche erkannt“, weiß die Herzchirurgin.

Und wenn schon eine „normale“ Herzerkrankung bei Frauen nicht erkannt würde, sei die Chance, ein Broken Heart richtig zu diagnostizieren, noch viel kleiner. Ein Kardinalfehler, der für Frauen tödlich enden kann. Die hohe Sterblichkeitsrate von weib­lichen im Vergleich zu männlichen Herzpatienten war es, über die ­Sandra Eifert zu ihrem medizinischen Schwerpunkt, der Herzchirurgie, gefunden hat. Ihr damaliger Chef an der LMU München hatte die Medizinerin auf die unterschiedlichen Sterblichkeitsraten bei Herz­erkrankungen von Männern und Frauen aufmerksam gemacht.

„Ich fand das damals unglaublich“, erinnert sich Eifert. „Die erste Frage, die gestellt wird, wenn ein Kind zur Welt kommt, ist, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.“ Im Laufe des Lebens spielen die Geschlechtsunterschiede eine mehr oder weniger große Rolle. Aber dann, wenn es um die Gesundheit, um unser Leben geht, werden sie negiert?“

Also hat Sandra Eifert mit Unterstützung eines Konzerns am Herzzentrum Leipzig eine „Frauenherz-Sprechstunde“ ins Leben gerufen. Es ist die erste in Mitteldeutschland.

Die Patientinnen, die sie dort täglich sieht, haben ganz unterschiedliche Herzerkrankungen. Und manchmal sei eben auch das Broken Heart dabei. In diesen Fällen sind es „tendenziell eher Frauen über 50, die etwas Schlimmes mitgemacht haben. Es sind Frauen mit großem emotionalem Stress, mit großem Kummer. Möglicherweise sind es sehr empfindsame Frauen. Medizinisch lässt sich eine Überempfindlichkeit der Beta-­Rezeptoren am Broken Heart feststellen.“ Rezeptoren sind Eiweiße, die Signale empfangen und vermitteln und damit Prozesse im Zellinneren auslösen können.

Sandra Eifert musste um die Frauenherz-­Sprechstunde kämpfen. „Krankheiten unter dem Geschlechteraspekt zu betrachten, wurde in der Vergangenheit in Klinik und Forschung vernachlässigt“.

Diese Diagnose gilt offenbar immer noch. Und das, obwohl die Gleichung Mann = Mensch auch medizinisch gesehen nun seit über vier Jahrzehnten widerlegt ist. Begonnen hatte es mit der Frauen­bewegung. Die Feministinnen erforschten den eigenen Körper zunächst mit ihren legen­dären Selbstuntersuchungen in den neugegründeten Frau­en­­zentren. Damals waren weibliche Ärzte noch die Ausnahme, es herrschte der Halbgott in Weiß.

Ab Mitte der 1970er-Jahre gründen sich in ganz Deutschland Frauengesundheitszentren. Sie beklagen, dass der männliche Blick auf Frauenkörper für Patientinnen fatale Folgen hatte: einerseits Überbehandlung (so werden Tausende Gebärmütter leichtfertig überflüssigerweise entfernt), andererseits Unterversorgung (so wird die Brustkrebs-Früherkennung jahrzehntelang sträflich vernachlässigt).

Die Frauen fordern eine ganzheitliche Medizin, die auch die Lebensumstände der Patientin berücksichtigt; und sie prangern an, dass der Männerkörper in der Medizin als Norm gilt, die Frau hingegen als Ausnahme. Das gilt für Medikamententests, aber auch für unterschiedliche Symp­tome, die Frauen und Männer bei gleicher Krankheit ausbilden können. Zum Beispiel beim Herzinfarkt.

Langsam, aber sicher finden diese Erkenntnisse ihren Weg in die Medizin und die Institutionen. 1994 erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Der Gesundheit von Frauen muss ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Dringlichkeit zugemessen werden.“ Denn: „Sogar in den reichsten Ländern Europas gibt es Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung von Männern und Frauen, die nicht zur Kenntnis genommen werden.“

Im Jahr 2001 erscheint in Deutschland der erste Frauengesundheitsbericht von Frauenministerin Christine Bergmann. Sie fordert Konsequenzen: „Wir brauchen eine Neuorientierung im Gesundheitswesen, die den geschlechtsspezifischen Unterschieden Rechnung trägt.“ Ein Jahr später tut die Berliner Charité einen in Deutschland bis dato einmaligen Schritt: Gemeinsam mit dem Deutschen Herzzentrum richtet die Klinik den Lehrstuhl „Frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ ein. Leiterin ist die Kardiologin Prof. Dr. Vera Regitz-­Zagrosek, die erklärt: „Man kann eben nicht so tun, als ob Frauen eine Art kleine Männer wären.“

Wiederum ein Jahr später wird der Gender-­Lehrstuhl für Herzensangelegenheiten auf andere medizinische Gebiete ausgedehnt. Das „Institut für Geschlechterforschung in der Medizin“ (GiM) arbeitet konstant daran, die Erkenntnisse der Gender-Medizin in ÄrztInnen-Ausbildung und Behandlungs-Leitlinien zu verankern. Laut Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, „sieht es in der Pharmakologie und in der Kardiologie schon ziemlich gut aus“.

Dennoch wird das Broken Heart Syndrom von großen Teilen der Fachwelt immer noch nicht ernst genommen. Und da es ein recht neues Krankheitsbild ist, hinkt die Diagnostik hinterher. Noch immer gibt es keine Studien, mit denen die Behandlung spezifiziert, eine adäquate Therapie angewendet werden kann.

Immerhin existiert in Deutschland inzwischen das weltweit größte Register zur Erforschung dieser Erkrankung. Aufgebaut wurde es an einer Lübecker Klinik. Seit 2006 werden dort über die Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer KrankenhausärztInnen die Daten von 37 Krankenhäusern in Deutschland und Österreich gesammelt. Inzwischen sind die Krankengeschichten von mehr als 400 PatientInnen, (darunter 91 Prozent Frauen, neun Prozent Männer) katalogisiert.

Die Dokumentation ist müßig – zu oft wird das Broken Heart noch übersehen. Wenn bei einer vermeintlichen Herzinfarktspatientin keine Darstellung der Herzkammer gemacht wird, dann bleibt die Erkrankung unentdeckt. Die aufgeblähte Form des Herzens verschwindet nach einiger Zeit wieder. Für die Erforschung des Syndroms spielen aber auch die Stresshormone eine große Rolle. Durch die akute Stressattacke schüttet der Körper Stresshormone aus. Die Konzen­tration dieser freigesetzten Katecholamine, zu denen Adrenalin zählt, steigt sprunghaft auf das Sechsfache des Normalwertes an. In großer Menge können diese Stoffe die Herzmuskelzellen schädigen und den Blutfluss in den kleinsten Gefäßen, den Kapillaren, stören. Die Folge: Die betroffenen Areale am Herzen werden außer Gefecht gesetzt, zumindest kurzzeitig. Lange Zeit wurden HerzinfarktpatientInnen im Schock mit Stresshormonen behandelt. Wenn dann ein Takotsubo Syndrom die tatsächliche Ursache war, war dies natürlich die denkbar schlechteste Behandlungsweise.

Generell halten Broken-Heart-ExpertInnen die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenherzen für in der Fachwelt angekommen, doch wirklich verfestigt seien sie nicht. Es kommt immer darauf an, an welchen Arzt man gerät. Interessiert er sich dafür? Sieht er genauer hin? Es gibt Studien, die zeigen, dass Ärztinnen bei einem akuten Herzinfarkt sehr viel besser diagnostizieren und therapieren als männliche Kollegen und Patientinnen dadurch eine viel höhere Überlebenschance haben.

Und auch in der Nachbehandlung muss sich noch einiges tun.

Daran arbeitet der Traumatologe Günther ­Seidler. Auch in seiner Praxis spielt das Herz die Hauptrolle. Es waren Sol­daten, Feuerwehrleute, Polizisten, Menschen, die Kata­strophen, Kriege oder Ter­ror­anschläge überlebt hatten, die Seidler in seiner 40-jährigen Laufbahn als Psychotraumatologe behandelt hat. Der heute 68-Jährige ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Psychoanalytiker. Ab 1989 arbeitete er an der ersten Trauma-Ambulanz Deutschlands, an der Psychosomatischen Universitätsklinik Heidelberg. Dort behandelte er Menschen, die mit Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kamen.

Doch in Seidlers Ambulanz landeten auch Menschen, die keine derartigen Erlebnisse zu verarbeiten hatten, aber die gleichen Symptome zeigten, vor allem Frauen. Ihr Trauma: Sie waren schlicht von ihren Männern verlassen worden. Das Broken Heart Syndrom ist für Seidler eine von vielen Varianten des Herzschmerzes – und ein Beispiel dafür, welche Wucht dieser Schmerz haben kann. „Herzschmerz ist nahezu eine Volkskrankheit“, sagt der Spezialist für Körper und Seele.

Seidlers Auffassung nach liege so manchem Trauma eine Art „Verrat“ zugrunde. Jemand, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen hatte, begeht Verrat. So wie im Fall von Antonia und Klaus. Er hat sie verlassen.

Während Männer das Verlassenwerden oft als eine Art der Entmachtung erleben und häufig mit Aggression oder gar Gewalt reagieren, tragen Frauen die Verletzung in ihr Innerstes. Seidler berichtet von Patienten, die Opfer einer Natur­katastrophe geworden waren, und ihr Trauma mit der Vergewaltigung von Frauen bekämpft hätten. „Potenz ist für Männer immer das Antidot gegen Entmachtung, für Frauen jedoch so gut wie nie – sie haben kein Gegenmittel.“

Der Traumatologe konstatierte das Broken Heart Syndrom vor allem an Patientinnen, die sich in einer Beziehung so stark auf den anderen eingelassen hätten, dass sie sich selbst aufgegeben haben. Das seien Frauen, die wenig Eigenes in die Beziehung eingebracht hätten und sich voll und ganz auf die Bedürfnisse des anderen ausrichteten. Seidler: „Wer dann verlassen wird, der wird seiner Persönlichkeit beraubt. Die Welt bricht zusammen, manchmal sogar das Herz.“

Diese Erkenntnis widerspricht der landläufigen Vorstellung von Liebe. Folge: „Dein ist mein ganzes Herz“ – ist nicht nur Kitsch, sondern kreuzgefährlich. Seidler: „Gerade Frauen sollten sich genau anschauen, wer ihr Herz bekommt. Nur, wer in einer Beziehung auf seinen Freiraum achtet, sein Leben nicht für den anderen auf­opfert, wird bei einer Trennung nicht den Boden unter den Füßen verlieren.“

Doch eines sollte laut Seidler niemand vergessen: „Herzschmerz ist heilbar! Er geht vorüber! Frauen dürfen nicht in der Trauerphase steckenbleiben. Es gibt Strategien zur Bewältigung. Und am Ende einer jeden steht Selbstliebe.“

Ein Herz, das kann man sehr wohl reparieren, sind sich MedizinerInnen und PsychologInnen einig. Nach der Diagnose des Broken Heart erholt sich das Herz meist innerhalb von zehn Tagen bis 20 Tagen ohne große Folgeschäden und schlägt wieder wie vor dem Schock. Es ist nicht mehr gebrochen.

*Name von der Redaktion geändert

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Gesundheit: Wie Frauen länger leben!

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Wie ich dahinter gekommen bin? Weil ich verantwortlich bin für "die Gesundheit" bei EMMA und damit auch für das aktuelle Dossier. Darin geht es um die Gesundheit von Frauen. Ich beschäftige mich nicht zum ersten Mal mit dem Thema und weiß: Frauen werden oft anders krank als Männer. Ursachen und Symptome unterscheiden sich. Wer die Zeichen erkennen und behandeln will, muss das wissen. Beim Herzinfarkt zum Beispiel oder bei der Osteoporose.

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Doch gerade im Bereich der Medizinforschung zur Frauengesundheit hat sich rasant viel getan in den letzten Jahren. Und auf dem neuesten Stand sein, heißt länger leben. Lohnt sich doch, oder? Und zum Beispiel auch der Frage nachzugehen, ob das Brustkrebs-Screening wirklich ein Fehler ist, wie jüngst der Spiegel behauptet hat.

Für mich ganz persönlich aber war der größte Augenöffner mein Gespräch mit der Gynäkologin Dr. Maria Beckermann, über die ich schon viel Gutes von Freundinnen gehört hatte. Sie hat für Stiftung Warentest die so genannten IGeL-Leistungen unter die Lupe genommen, also die "Individuellen Gesundheitsleistungen". Die bezahlt nicht die Kasse, sondern dafür muss frau selber Geld auf den Tisch legen. Das fand ich immer ungerecht, weil Frauen mit kleinem Geldbeutel dabei unter die Räder kommen. Umso überraschter war ich, als nun die Expertin erklärte: Die meisten IGeL-Leistungen sind überflüssig, reine Geldschneiderei ihrer KollegInnen!

Frauen werden oft anders krank als Männer

Na, die braucht sich ja erstmal nicht mehr sehen zu lassen bei diesen KollegInnen. Muss sie auch nicht. Sie ist nämlich neuerdings im Ruhestand und praktiziert nicht mehr. Aber sie forscht weiter.

Berührt hat mich auch, was eine Chirurgin und eine Krankenschwester schonungslos über ihren Alltag im Krankenhaus berichtet haben. Daraus kann ich nur schließen: Lieber zuhause krank sein! Ganz neu und überraschend waren die ersten Resultate der Forschung zur "Männergesundheit" auch für mich. Denn siehe da: Auch Indianer kennen Schmerz.

22 Seiten in der aktuellen EMMA über den "kleinen Unterschied" in Sachen Gesundheit von Frauen und Männern. Lasst mich wissen, was ihr davon haltet.

Chantal Louis

Im Dossier:

Der kleine Unterschied
Kaum beachtet: Frauen sind anders krank als Männer.

Ist Screening wirklich falsch? 
Mammografie-Programm in der Kritik – was jetzt?

Sind IGeL-Leistungen Abzocke? 
Eine Ärztin über das Geschäft mit Zusatzleistungen. 

Auch Indianer kennen Schmerz
Bericht aus dem Wiener Männergesundheitszentrum.

Die Tochter gegen HPV impfen?
Ja. Aber was ist eigentlich mit den Jungs?

Eine Chirurgin sagt, wie es ist
Immer weniger Ärzte tun sich das an: Notaufnahme.

Eine Krankenschwester redet
Über den Stress, der eine Zumutung für alle ist. 

Frauen pupsen anders
Giulia Enders über den Darm von Frauen & Männern. 

Franziska Becker: Sprechstunde
Total relaxt, dieser Berufsalltag einer Ärztin. Oder?

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