Annette Frier & die Wechseljahre
Annette, in deiner Serie spielst du die Schauspielerin Annette Frier in einer veritablen Lebenskrise: Die Tochter schwanger, die Mutter dement, der Mann auf Abwegen mit der Fitness-Trainerin. Die Rollenangebote bleiben aus, die Produktionsfirma schickt Botox-Gutscheine. Wie ging das bei dir wirklich los mit den Wechseljahren?
Bei den Dreharbeiten zum neuen Film von „Merz gegen Merz“ hatte Ralf Husmann (der Erfinder von „Stromberg“, Anm. d. Red.) mir eine Hitzewallung ins Drehbuch geschrieben. Da hab ich ihn gefragt: „Hast du sie noch alle? Wie früh soll die Scheiße denn losgehen? Such dir doch eine Schauspielerin, die im passenden Alter ist!“ Alle räusperten sich und sagten: „Annette, du bist Mitte 40 …“ Gut, ich habe das dann gespielt. Und einen Tag nach den Dreharbeiten habe ich die erste klassische Hitzewallung gekriegt!
Und dann?
Ich habe das zunächst für ein Missverständnis gehalten. Dann habe ich aber gedacht: Es könnte sinnvoll sein, sich mal durchzulesen, was hier gerade alles so passiert, und habe mich intensiv mit der Menopause beschäftigt. Ganz nebenbei hat das eine Räumungsaktion in meinem eigenen Leben ausgelöst. Und offensichtlich machen das ganz viele Frauen in den Wechseljahren. Ich sehe nur noch Frauen um die fünfzig im Aufbruch!
Und was sagen deren Männer dazu?
Verschiedenes. Die meisten Männer agieren sehr reaktiv. Ich sehe selten, dass ein Mann von sich aus zu seiner Frau sagt: „Hör mal, wir müssen mal richtig ran an unsere Ehe!“ Die Männer hauen entweder ab, oder sie zucken mit den Schultern oder tun so, als ob sie das Thema gar nicht bemerken. Ich glaube nicht, dass Männer generell zu doof sind. Sie haben einfach selber einen Riesenschiss, mit ihren gelernten Mustern nicht weiterzukommen. Wenn die Männer ihre eigenen Unsicherheiten wirklich preisgäben, würde echte Kommunikation entstehen. Eigenverantwortung. So weit kommt es leider nur selten. Stattdessen hört man dann oft von Frauen: „Ich hab mich die letzten zwanzig Jahre um unsere Kinder gekümmert, den Haushalt gemacht, unsere Freundschaften aufrecht erhalten und überhaupt alles am Laufen gehalten – und jetzt sagst du mir, du hast ne Lebenskrise? Und wie heißt die? Astrid? Leck mich am Arsch!“
Die Wechseljahre bedeuten immer noch eine krasse Abwertung von Frauen.
Ja, natürlich! Deshalb bedeuten die Wechseljahre ja für viele Frauen eine Identitätskrise. Und gesellschaftlich sind wir überhaupt nicht an dem Punkt, dass sich da viel verbessert hätte.
Und dann hast du dir gesagt: Das ist doch ein Thema, daraus mache ich eine Serie!
Mit der Autorin Sonja Schönemann war ich gerade zu einem anderen Projekt im Gespräch, aber irgendwie kamen wir immer wieder auf diese, wie wir sagten, „dusseligen Wechseljahre“ zu sprechen. Und dabei hatten wir den Spaß unseres Lebens! Denn wenn man einen Schritt zurücktritt, sind ja gerade die schlimmen Dinge furchtbar lustig. Man kann ja auch kreativ mit einer Krise umgehen und bei mir führt das natürlich zwingend zu Humor.
Diese Waffe hast du schon früh gezogen. Als junge Schauspielerin hast du sehr schnell Comedy gemacht. Zuerst warst du bei „Switch“, dann bei der „Wochenshow“.
Ich habe das mit der Comedy zunächst für ein Riesen-Missverständnis gehalten. Ich wollte ja ans Theater und habe mich als große Tragödin am Schauspielhaus gesehen...
Das ganze Gespräch in der März/April-Ausgabe lesen.


