„Bring Back Our Girls ist nicht genug!“

UN Photo/Manuel Elias
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Es war eine ergreifende Rede, die Amina Mohammed gestern vor dem UN-Sicherheitsrat hielt. Sie sprach von den „Horrorgeschichten der Jesidinnen, die vom IS gefangen gehalten wurden“. Von den „nigerianischen Mädchen, die vor Boko Haram geflohen sind“. Von den „Berichten somalischer Frauen, die aus den Fängen der Al Shabaab befreit wurden“. Und von den „Frauen, die in Nord-Mali unter der extremistischen Ansar Eddine-Miliz leben müssen“.

Sexuelle Gewalt  - ideologisches Herzstück extremistischer Gruppen

Mohammed, die seit dem 1. Januar 2017 stellvertretende Generalsekretärin der Vereinten Nationen ist, stammt selbst aus Nigeria. Als sie nun den jährlichen UN-Bericht über „Sexuelle Gewalt in Konflikten“ vorstellte, fand sie klare Worte für das, was Frauen und Mädchen nicht nur ihrem Heimatland zustößt: „Sexuelle Gewalt wird immer öfter als Taktik des Terrorismus eingesetzt - von Extremisten in Ländern wie Irak, Syrien, Jemen, Somalia, Nigeria oder Mali - um ihre militärischen, ökonomischen und ideologischen Ziele zu verwirklichen.“

Sexuelle Gewalt in Kriegen und Konflikten ist ein uraltes Phänomen. Aber das, was islamistische Terrorbanden Frauen und Mädchen antun, hat laut UN-Bericht eine neue Qualität: „Sexuelle Gewalt ist ein Herzstück der Ideologie und der Operationen extremistischer Gruppen wie IS, Boko Haram oder der Nusrah Front geworden.“

Die Terroristen nutzten den Handel mit versklavten Frauen als wichtige Einkommensquelle und um neue Kämpfer zu rekrutieren, denen sie „Sexsklavinnen“ und „Ehefrauen“ versprächen. Die Kinder, die aus diesen Vergewaltigungen entstehen, seien ebenfalls Teil der terroristischen Strategie, denn die Extremisten „haben das Ziel, ihre Ideologie an die nächste Generation weiterzugeben“. Außerdem zerstöre die sexuelle Gewalt „existierende Familien- und Gemeinschafts-Strukturen“.

Denn, so beklagte Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed, „die Täter wissen, dass ihr Verbrechen Opfer in Outcasts verwandelt“. Die Opfer müssten „häufig mit der Schande leben, vergewaltigt worden zu sein, und werden von ihren Familien und Communitys ausgestoßen“.

Neuen Kämpfern werden "Sexsklavinnen" und "Ehefrauen" versprochen

Eine Aufgabe der Vereinten Nationen sei es deshalb, die Opfer besser zu unterstützen: „‘Bring Back Our Girls‘ ist nicht genug“, mahnte Mohammed in ihrer Rede. „Wir müssen sie mit Würde und Respekt zurückbringen, in eine Umgebung, in der sie Rückhalt finden und die Chance bekommen, wieder am Leben teilzunehmen. Wir müssen sicherstellen, dass sie psychologische Unterstützung bekommen“. Und, auch das fordert der UN-Bericht ausdrücklich, die Möglichkeit, eine Schwangerschaft unter sicheren und hygienischen Bedingungen abzubrechen.

„Alle unsere Reden, Gesetze und Resolutionen werden absolut gar nichts nützen“, erklärte die Vize-Generalsekretärin, „wenn Vergewaltigungen ungestraft bleiben – und wenn wir in unserer heiligen Pflicht versagen, für die Überlebenden zu sorgen.“

 

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Kosovo: „Ich denke an dich!“

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"Ich denke an dich", heißt die Installation der Londoner Künstlerin Alketa Xhafa-Mripa. Sie hat selbst kosovarischen Wurzeln. Und sie hat die 5.000 Kleider eingesammelt, auf der ganzen Welt. Von Überlebenden selbst, ihren Nachkommen, aber auch von Politikerinnen. Und sie dann aufgehängt; an einem Ort, der wie kein anderer „a man’s world“ symbolisiert, sagt sie: das größte Fußballstadion des Landes.

Lange war sexuelle Gewalt als Kriegswaffe ein Tabu-Thema. Nicht nur im Kosovo. Endlich wird darüber gesprochen. 

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