In der aktuellen EMMA

1992: 1. EMMA-Kampagne gegen Frauenhass

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Am 7. Oktober 1991 wird in Köln, gerade mal 100 Meter entfernt von der EMMA-Redaktion, in einem Gebüsch die Leiche einer Frau gefunden. Es ist die 37-jährige Angelika Bayer, die nach einem Kneipenbesuch von einem Serientäter vergewaltigt und erwürgt wurde. Sieben Tage später wird nur ein paar Hundert Meter entfernt eine 24-jährige Frau in ihren Hausflur gedrängt und vergewaltigt. Wiederum zehn Tage später wird eine 16-Jährige in Köln-Poll vergewaltigt und ermordet.

Die EMMAs sind erschüttert. Nicht nur über die Gewalt, die den Frauen angetan wurde, sondern auch über das Schweigen. Während Tausende gegen den wachsenden Ausländerhass in Hoyerswerda und anderswo auf die Straße gehen – auch das vor der Türe von EMMA – bleiben ermordete Frauen Privatsache. Besonders, wenn sie dem eigenen Mann zum Opfer fallen.

Anno 1991 kennt man noch nicht einmal die Zahlen, denn die verschwinden in den Statistiken unter „Körperverletzung“, „Totschlag“ oder anderen geschlechtslosen Begriffen. Dabei haben alle diese Verbrechen ein Motiv: Frauenhass.

Im Dezember 1991 lanciert EMMA die Kam­pagne „Stoppt Frauenhass!“ und erklärt: „Frauenmorde sind politische Morde! Ihr Ziel ist – ganz wie beim Fremdenhass – die Entwürdigung und Einschüchterung einer bestimmten Menschengruppe, nämlich aller weiblichen Menschen.“

EMMA fordert ihre Leserinnen auf: „Schickt uns alle Presseberichte über Sexualgewalt und Frauenmorde!“ Hunderte Zeitungsausschnitte treffen ein, EMMA veröffentlicht von nun an in jeder Ausgabe eine Liste mit den getöteten Frauen. Forderungen der Kampagne: 1. Eine Kriminalstatistik, die das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen zeigt. 2. Fortbildung der Polizei. 3. Sonderdezernate bei den Staatsanwaltschaften. 4. Bessere Schutzmaßnahmen. 5. Eine Medienberichterstattung, die die Opfer ernst nimmt. Und natürlich: Die Anerkennung von Frauenhass als Politikum.

EMMA fordert Stellungnahmen von Politik und Polizei, von Frauenverbänden und Gewerkschaften. Einige reagieren irritiert bis ablehnend, viele stimmen zu. Auch die damalige Bundesfrauenministerin erklärt: „Frauenhass findet sich nahezu überall, sowohl in versteckter als auch in offener Form.“ Die Ministerin heißt Angela Merkel.

Ein Vierteljahrhundert später gibt es das Wegweisungsgesetz, das bundesweite Hilfetelefon gegen Gewalt gegen Frauen und verkündet die Bundesfrauenministerin alljährlich die Zahl der Frauen, die von ihren (Ex)Männern verprügelt und ermordet werden. Sie sind immer noch erschütternd.

EMMA.DE
Gewalt in Beziehungen (3/14),
Vergewaltigung – das straflose Verbrechen (4/10),
Hate Crimes (1/10),
Ein Tag im Frauenhaus (1/10),
Peng, peng, jetzt ist die Mama tot (3/04),
Der Täter muss gehen, die Opfer können bleiben (3/02),
Ein Tag im Haus für geschlagene Frauen (2/77)

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