Filmtipp: Alles ist gut

Kenne Schwarz spielt Janne, die die Vergewaltigung vergessen will - und doch daran verzweifelt.
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Nein, gar nichts ist gut in dem Film von Eva Trobisch. Eigentlich hatte Janne (Aenne Schwarz) alles vergessen wollen, mehr noch: Sie hatte einfach nicht mehr daran gedacht. Dass der ihr fremde Mann vom Klassentreffen in der Nacht danach mit ihr geschlafen hatte. Sie waren beide betrunken. Und sie wollte nicht. Aber er wollte. Sie lässt es über sich ergehen. Und danach redet sie mit niemandem darüber, auch nicht mit ihrem Freund.

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Dann taucht der fremde Mann wieder auf, als Schwager ihres Chefs. Er versucht sogar, mit ihr zu reden. Aber sie will nicht. Sie ist schwanger. Von dem Fremden? Von ihrem Freund? Sie treibt ab. Ihr Freund, der immer noch nichts weiß, trennt sich von ihr. Und langsam gerät sie aus dem Tritt …

Eva Trobisch erhielt auf dem renommierten Locarno-Filmfestival den Preis für den besten Debütfilm.

„Alles ist gut“ läuft ab dem 27. September im Kino.

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Die Spanierinnen stehen auf!

8. März 2018 in Bilbao.
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Die Spanierinnen haben die Nase voll. Von der Gewalt gegen Frauen, von dem Machismo der Männer, von ungleicher Bezahlung, von Arbeitslosigkeit. Und ihr „Generalstreik“ am 8. März war erst der Anfang: In Bilbao erhoben zehntausende Frauen ihre Hände zum Vagina-Zeichen (Foto). In ganz Spanien legten über fünf Millionen Frauen die (Haus)Arbeit nieder. Motto: „Ohne uns steht die Welt still“. Seither sind ihre Proteste nicht mehr abgeebbt.

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Die Gewalt gegen Frauen in Spanien ist epidemisch

Vor allem nicht in Pamplona. Ein zu mildes Urteil in einem Vergewaltigungs-Prozess treibt die Menschen hier seit Monaten zu Zehntausenden auf die Straße. Die Diskussion darüber hat das ganze Land erfasst. Frauenrechtsorganisationen fordern eine Reform des Sexualstrafrechtes, vergleichbar mit der Reform, die es 2016 auch in Deutschland gegeben hat: Damit Nein endlich Nein heißt.

Denn von der laxen Rechtsprechung haben sie profitiert: Die fünf Männer, die sich auf WhatsApp „Das Wolfsrudel“ nannten. In dieser Gruppe hatten sie sich mit ihren sexuellen Eskapaden gebrüstet – und sich gegenseitig dazu angestachelt, Frauen auf Drogen zu setzen, um sie zu missbrauchen.

Am frühen Morgen des 7. Juli 2016, während der berüchtigten und testosterongeladenen Stierhatz in Pamplona, schritt das Wolfsrudel dann zur Tat. So sehen das zumindest die Spanierinnen, die ihre Wut inzwischen auf die Straße getragen haben. Der Vorwurf: Die Männer sollen eine damals 18-Jährige in einen Hauseingang gedrängt und neun Mal vergewaltigt haben, oral, vaginal und anal. Die schwer Verletzte ließen sie auf einer Bank liegen, vorher klauten sie noch ihr Handy. Mit dem Video der Tat brüsteten sie sich in ihrer WhatsApp-Gruppe. Eine Polizistin fand die 18-Jährige.

Die drei Richter verurteilten die 27- bis 29-jährigen Männer im April. Allerdings nicht wegen Vergewaltigung, sondern wegen sexuellem Missbrauch. Statt der geforderten 23 Jahre drohen ihnen nur neun Jahre Haft. Das begründen die Richter damit, dass sie keine „Gewalt oder Einschüchterung“ angewendet hätten, um den Sex zu erzwingen. Einer der Richter, so berichtet es eine spanische Richterin im Guardian, habe sogar von „einvernehmlichen Sex“ gesprochen.

Die Männer mussten die Frau - wie so oft - auch gar nicht prügeln, um sie gefügig zu machen. Sie sei in eine Schockstarre verfallen, sagt die Betroffene vor Gericht aus. Wen wundert das? Die Staatsanwaltschaft ging nach dem Urteil in Revision. Die fünf Männer sind vorerst auf Kaution frei. Trotz Urteil.

Die Frauen fordern eine Reform des Sexualstrafrechts

Am 7. Juli jährt sich die Tat zum dritten Mal. Und es steht nicht wieder nur die Stierhatz an, sondern auch erneute Demonstrationen. Eine Petition zur Absetzung der Richter hat inzwischen über 1,4 Millionen Unterschriften. Und Pamplona ist ja auch kein Einzelfall. Die Gewalt gegen Frauen in Spanien ist epidemisch.

Seit diesem Juni sind die Politikerinnen in Spaniens Regierung in der Mehrheit: Der neue Premier Sánchez hat elf Frauen und sechs Männer in sein Kabinett berufen. In keiner europäischen Regierung ist der Frauenanteil damit so hoch (fast 65 Prozent). Werden sie die Protestierenden erhören?

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