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Brigitte Bardot: Die Tierrechtlerin

Mit ihrer Fondation Brigitte Bardot kämpft die BB für Tierrechte. - © Christophe Morin/IP3/dpa
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Als der beliebte Umweltminister Nicolas Hulot jüngst überraschend zurücktrat, interviewte die Tageszeitung Le Parisien am nächsten Tag Brigitte Bardot. Denn die ist in Frankreich eine anerkannte Tierrechtlerin. Wenige Wochen zuvor hatte Ministerpräsident Macron sie in dieser Eigenschaft im Elysée-Palast empfangen.

Worauf Bardot im Nachhinein nicht besonders stolz ist. Denn der letzte Tropfen für den empörten Abgang des Ministers war ein Auftritt des Präsidenten vor der nationalen Vereinigung der Jäger. Die hatte Macron kräftig gelobt für ihre „große französische Tradition“ (eine Million potenzieller Wähler) und ihnen ganz persönlich die Hälfte der jährlichen Jagdgebühren erlassen.

„Ich weiß, was es heißt, gejagt zu werden“, schreibt Brigitte Bardot in ihrem gerade erschienenen Buch „Tränen des Kampfes“. „Ich kenne das Gefühl des ohne Unterlass gehetzten Wildes; das der im vollen Flug abgeknallten Taube; das des in einen Käfig gesperrten Löwen; das des Elefanten, der zum Amüsement der Kinder auf einem Ball balanciert.“ In der Tat ist kaum jemand so gehetzt worden wie Bardot. Die Fans drohten sie bei öffentlichen Auftritten regelrecht totzudrücken.

Brigitte war mit 15 ein bekanntes Model und mit 20 ein berühmter Filmstar, mehr noch: ein weltweites Sexsymbol, das, ganz wie Marilyn, in allen Spinden hing. Marilyn ist, zu Tode gejagt, mit 36 gestorben. Brigitte ist mit 39 aus dem Filmgeschäft ausgestiegen. Sie hat ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben.

1986 gründete B.B. die Fondation Brigitte Bardot, FBB, die heute rund hundert MitarbeiterInnen hat sowie 75.000 SpenderInnen in 70 Ländern. Die FBB setzt sich weltweit für Tierschutz und Tierrechte ein, für ausgesetzte Tiere und gequältes Schlachtvieh ebenso wie für vom Aussterben bedrohte Arten – und gegen Praktiken, die die Würde und Schmerzfähigkeit von Tieren missachten; darunter auch gegen das tierquälerische Schächten bei vollem Bewusstsein der Tiere, in jüdischen wie muslimischen Riten.

Letzteres hat Bardot den Ruf des „Rassismus“ und der „Islamophobie“ eingebracht. Verschärfend kommt hinzu, dass ihr Ehemann Bernard d’Ormale, mit dem sie seit 25 Jahren verheiratet ist, ein Freund der rechtspopulistischen Politikerfamilie Le Pen ist und daraus kein Geheimnis macht. Hauptberuflich kümmert er sich seit langem um ihre Stiftung. Bardot deshalb als „rechts“ zu bezeichnen, wäre falsch. Sie ist konservativ, immer gewesen. Im Mai 1968 war sie nicht auf den Barrikaden, sondern marschierte neben General de Gaulle in der Gegen-Demonstration.

Brigitte Bardot ist 1934 in einer Lothringer Indus­triellenfamilie geboren und in Paris aufgewachsen. Sie war von klein an extrem naturverbunden, ein Wildfang. Vielleicht auch in Reaktion auf eine bemerkenswert kalte Mutter. Als Brigitte im Alter von sieben zusammen mit ihrer kleinen Schwester versehentlich eine chinesische Statue kaputtmachte, erklärte die Mutter: „Von nun an seid ihr nicht mehr meine Töchter. Ihr seid Fremde und habt mich zu siezen.“ Diese Episode erzählt Bardot seit Jahrzehnten in allen Texten, die sie über ihr Leben geschrieben hat.

Später wird Brigitte Bardot zwar viel geliebt, aber auch viel gehasst werden. „Man hat mich angesehen, aber man hat mich nicht angehört“, sagt sie heute. Und: „Dieser Persönlichkeitskult hat mich erstickt. Erst in meiner zweiten Lebenshälfte habe ich mich befreit – und mit den Tieren meinem Leben einen Sinn gegeben.“

Und da ist noch etwas, was Sinn macht. Brigitte Bardot, die als BB zum weltweiten Sexsymbol wurde, ist im Alter zum Rolemodel für Frauen ü50 geworden. Die einst „begehrteste Frau der Welt“ wird in ihrem geliebten Haus am Meer, La Madrague bei Saint Tropez, in aller Gelassenheit alt. Bardot versucht weder, mit 80 einen Körper wie 18 zu haben, noch macht sie Schönheits-OPs oder spritzt Botox. Sie versteckt sich auch nicht. „Wie alles, was natürlich ist, akzeptiere ich auch das Alter“, sagt sie. „Nur meine Seele ist kindlich geblieben. Ich bin sehr naiv. Man kann mich leicht reinlegen.“

So ganz leicht allerdings nicht mehr. Zumindest in Bezug auf die Tiere weiß die 84-Jährige schon lange genau, was sie will.

 

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