In der Männerrepublik?

Eine Frauenquote? Friedrich Merz: "Das wäre auch eine Diskriminierung der Männer". - Foto: imago images
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Dem männlichen Politiker fällt es nicht schwer, sich auf männliche Stimmen und Bilder der Vergangenheit zu beziehen; seit der Adenauer-Ära und bis heute gibt es ein maskulines Kontinuum in der politisch-parlamentarischen Rede und den dazugehörigen Medien. 

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Die mächtigste Politikerin des Landes mag eine Frau sein, aber dort, wo sich in den Ministerien die Macht ballt, bei den beamteten Staatssekretären, sitzen fast nur Männer. Und sie, die in der Hierarchie gleich nach der Ministerin oder dem Minister rangieren, sind die eigentlichen Herren im Haus: Sie setzen Themen, sie dirigieren die Verwaltung, sie vertreten die Minister, sie sind die gar nicht so heimlichen Chefs der Republik. Eine Recherche von Zeit online hat im Herbst 2018 zutage gefördert, dass in der Geschichte der Bundesrepublik von 692 beamteten Staatssekretären nur 19 Frauen waren. „Es gab also in 69 Jahren Bundesrepublik mehr Männer namens Hans in dieser wichtigen Funktion als Frauen.“

Schon ein flüchtiger Blick in den Berliner Bundestag und die Ministerien reicht aus, um festzustellen, dass ein Rückschritt jederzeit vorstellbar ist. Der Anteil der Parlamentarierinnen ist erstmals seit 1998 wieder deutlich gesunken, im 19. Bundestag sitzen seit 2017 nur noch 31 Prozent Frauen. Die ehemalige Bundesjustizministerin Katarina Barley bemerkte desillusioniert, sie sehe jetzt im Parlament ein „Meer von grauen Anzügen“. Es sind vor allem die Fraktionen der AfD, der CDU und der FDP, die den Frauenanteil senken.

8. Mai 1949. Der Parlamentarische Rat in Bonn beschließt das Grundgesetz. - Foto: Erna Wagner-Hehmke
8. Mai 1949. Der Parlamentarische Rat in Bonn beschließt das Grundgesetz. - Foto: Erna Wagner-Hehmke

Wie kann das sein? Ist die alte Bonner Männerrepublik nicht längst Geschichte? Ist aus Angela Merkel, die man zu Beginn ihrer Karriere despektierlich „Kohls Mädchen“ nannte, etwa nicht die „ewige Kanzlerin“ geworden? Haben Frauen nicht längst bewiesen, dass sie politikfähig sind, dass sie die Macht erobern und erhalten können? Hat das Herrenzimmer unter dem tapferen Bundes­adler in Bonn sich in Berlin nicht längst in ein bunt gesprenkeltes, Politikerinnen gegenüber sehr aufgeschlossenes Parlament verwandelt? Andrea Nahles stand bis zum 3. Juni 2019 an der Spitze der SPD, die CDU wird von Annegret Kramp-Karrenbauer geführt, Grüne und SPD im Mann/Frau-Duo. Frau an der Macht! Also was?

Warum fällt es bis heute vielen Männern und Frauen so schwer, die Leistungen von Politikerinnen anzuerkennen? Warum fehlt es angehenden Politikerinnen mitunter an weiblichen Vorbildern? Und warum gibt es immer noch zu wenige Frauen an den Schaltstellen der Macht?

Diesen Fragen geht Autor Torsten Körner in der aktuellen EMMA nach.

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Torsten Körner; "In der Männer-Republik. Wie Frauen die Politik eroberten" (KiWi, 22 €). Der Dokumentarfilm zum Buch startet unter dem Titel "Die Unbeugsamen" am 6. Mai in den Kinos.

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Schon das Wort ist ja verdächtig: Frauenanteil. Drückt es doch aus, dass die Gruppe, um die es geht, eine genuin männliche ist und Frauen daran einen – wie auch immer gearteten – „Anteil“ haben. Eine solche Gruppe ist auch der Deutsche Bundestag: eine Männergruppe mit Frauenanteil.

Eigentlich dachte man und vor allem frau, es ginge immerzu bergauf mit dem „Frauenanteil“ im deutschen Parlament. Doch spätestens seit der letzten Bundestagswahl wissen wir: Stimmt nicht. Es geht bergab. Vor den Wahlen im September 2017 waren 37 Prozent der Abgeordneten weiblich, jetzt sind es noch knapp 31 Prozent, so wenig waren es zuletzt vor 20 Jahren. In absoluten Zahlen heißt das: 218 Frauen stimmen in Berlin über Gesetze ab – und 491 Männer. Dagegen laufen Frauen jetzt Sturm. Politisch wie juristisch. Ihr Ziel: Parität in den Parlamenten!

„Beschämend“ findet zum Beispiel Justizministerin Katarina Barley (SPD) die geringe Frauen­repräsentanz im Bundestag und „ein fatales Signal für die Gleichstellung von Frauen in unserem Land“.

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