Sexroboter: Wie praktisch!

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Die „Gummi-Susi“, wie man sie in der Schweiz auch nennt, hat gegenüber echten Frauen so einige Vorteile. 1. Sie „macht garantiert alles mit!“ 2. Sie „stellt keine Erwartungen!“ Und 3. ist ihr „stilles Lächeln nach einem anstrengenden Tag“ ein ‚echter Segen‘. Und nicht nur das. Mann kann der Gummi-Susi, nachdem mann ihr in den Mund gewichst hat, auch einfach die Zunge rausnehmen, und den Schmand mit einem Wischlappen beseitigen. Wie praktisch.

Die Gummi-Susi – blonde Haare, große Brüste, blauen Augen – ist das beliebteste Modell des Schweizer „Escort-Service“ für Sexpuppen: Der Firma, die „Dolls for passion“ verkauft, sitzt in Kaltbrunn im Kanton St. Gallen. Ihre Sexpuppen haben Namen wie Carmen, Sai, Amara oder Alektra. Die Inhaber, Valentin Marjakaj und Valdrin Nikaj, haben zur Werbung für ihr Produkt einen kleinen Vergleich auf ihrer Webseite aufgestellt: Wer ist besser, Frau/Prostituierte oder Sexpuppe? Mit einem Pro für die Sexpuppe.

Wer eine dieser auf Fotos täuschend echt aussehenden Silikonpuppen mit „beweglichem Skelett aus Stahl“ einen Tag lang mieten will, zahlt 950 Franken. Die „RealDoll“ wird als Polizistin, Putzfrau oder Krankenschwester gekleidet „diskret“ nach Hause geliefert und auch wieder abgeholt. Wer die Sexpuppe kaufen will, zahlt rund 10.000 Franken. Das sei über die Jahre günstiger, als eine Prostituierte, rechnen die Doll-Händler Marjakaj & ­Nikaj vor. Außerdem: „Eine Liebespuppe wird nie Ihr Portemonnaie entwenden.“

Die „RealDolls“ kommen aus einer Fabrik in Kalifornien. Man kann sie nicht nur in St. Gallen, sondern auch in Berlin oder Barcelona bestellen wie eine Pizza. In Kalifornien hängen die Silikonkörper mit riesigen Brüsten, schmalen Taillen und ­gespreizten Beinen wie geschlachtete Schweine an Haken von der Decke. Bis sie jemand mietet oder erwirbt.

Ihr Schöpfer, der einstige Kunststudent Matt McMullen, hat vor über 20 Jahren damit angefangen, in seiner Garage Frauenkörper zu modellieren. Möglichst echt sollten sie wirken. Als er begann, diese Figuren im Internet auszustellen, kamen prompt die ersten Anfragen: Sind die auch für Sex zu gebrauchen? Heute exportiert McMullen mit seiner Firma „Abyss Creations“ Sexpuppen in die ganze Welt, nach eigenen Angaben mindestens zehn pro Woche. Kostenfaktor: zwischen 5.000 und 50.000 Dollar.

Die Kunden können sich „ihre Traumfrau“ online selbst zusammenstellen: von der Gesichtsform und den Lippen über die Augen-, Haar- und Nippelfarbe bis hin zu den Körpermaßen und zur Form und Größe der inneren Schamlippen. Maßanfertigungen nach Foto sind auch möglich – zum Beispiel der Ex-Freundin oder der Kollegin.

Aber das alles ist nur ein Zwischenschritt hin zu McMullens eigentlichem Vorhaben. Er möchte in nicht allzu weiter Ferne seine Puppen mit Hilfe der rasanten Entwicklung in Robotik und künstlicher Intelligenz zum Leben erwecken. Glaubt man dem modernen Frankenstein, ist er davon nur noch einen ganz kleinen Schritt entfernt. Und McMullen ist nicht der einzige, der an der Puppenfrau arbeitet. Der Guardian hat kürzlich vom „Wettlauf um den ersten Sexroboter“ berichtet – von Japan bis nach Kalifornien.

Wen wundert das. „Pornografie ist ein Motor für technologische Innovation“, schreibt schon Gail Dines in ihrem Buch „Pornland“ (siehe S. 52). Die Pornografie profitiert nicht nur von technologischer Entwicklung, sie hat auch gezielt dazu beigetragen, Technologien und Vermarktungsstrategien zu entwickeln. Um einen eigenen Porno-Markt zu schaffen. So bei der VHS-Videokassette und der DVD; bei Video-on-Demand-Angeboten für das Fernsehen und Video-Streaming auf dem PC oder dem Handy; bzw. bei Computerspielen inklusive der derzeit sehr angesagten Virtuellen Realität. Und nun also auch bei der Robotik und der Forschung zur künstlichen Intelligenz.

Zum Beispiel „Harmony“. So heißt Matt McMullens Schöpfung. Seine Sexroboterin hat den herkömmlichen Sexpuppen etwas voraus: Da, wo beim Menschen das Gehirn sitzt, sitzt bei Harmony ein kleiner Computer, der drahtlos mit einer Software auf dem Tablet oder dem Handy verbunden ist. Diese Software kann Gespräche führen und sich bestimmte Dinge merken, zum Beispiel ein Geburtsdatum.

Die Informationen, die Harmony mit der Zeit über ihren Besitzer lernt, sind in der Cloud in einer Datenbank abgespeichert. „Harmony weiß dann zum Beispiel auch, wie oft jemand Sex will und welche seine Lieblingspositionen sind“, schwärmt McMullen. Harmony klimpert dazu etwas unrhythmisch mit den Glasaugen, zieht hin und wieder skeptisch eine ihrer künstlichen Augenbrauen hoch und ruckelt mit ihrem Köpfchen.

So ein Sexroboter, erklärt McMullen, verfüge auch über verschiedene Persönlichkeitsmodi, die konfiguriert wie kombiniert werden können – von schüchtern bis lüstern. Bald soll der Silikonkörper auch ein Heizsystem kriegen, um Körperwärme zu simulieren. Und er wird mit Sensoren ausgestattet sein, damit Harmony auch dann reagiert, wenn ihr jemand an die riesigen Silikonbrüste packt. „Mit der richtigen Stimulation an den richtigen Sensoren kann Harmony dann sogar einen Roboter-Orgasmus haben, einen Robogasmus“, erläutert McMullen.

Laufen kann Harmony noch nicht – diese Technologie ist bisher zu teuer. Sie kann also auch nicht weglaufen. Aber sie kann einfache Gespräche führen. Wenn McMullen seine Sexroboterin fragt, was sie will, antwortet sie mit knarksiger Mädchenstimme: „Ich will nur dich!“ Und: „Meine Hauptaufgabe ist es, dich glücklich zu machen!“ Wie schön. Und wie beruhigend. Für die Käufer. In tausend Exemplaren soll Harmony bis Ende des Jahres auf den Markt kommen.

„Harmony wird für sehr, sehr viele Männer eine Leere füllen“, prophezeit McMullen. Zum Beispiel „für die Schüchternen, die unfähig sind, mit echten Frauen zu sprechen.“ Die RealDolls gibt es übrigens auch in männlicher Variante. Aber auch die werden quasi ausschließlich von Männern bestellt.

Die Sozialpsychologinnen Nicole Krämer und Jessica M. Szczuka von der Universität Duisburg-Essen haben kürzlich in einer der raren seriösen Studien zum ­Thema untersucht, ob und unter welchen persönlichen und sozialen Umständen Männer sich von einem Sexroboter angezogen fühlen. 122 der 229 von ihren nach dem Zufallsprinzip Befragten zwischen 18 und 67 Jahren lebten in einer Beziehung. Das Ergebnis: Fast jeder zweite Mann konnte sich durchaus vorstellen, sich „sofort“ oder „in den nächsten fünf Jahren“ eine Sexroboterin zu kaufen – und zwar unabhängig davon, ob er Single war oder nicht.

Was die Forscherinnen noch herausfanden: Das Gefühl von Einsamkeit, der Wunsch nach sozialen Kontakten oder ein Interaktionsdefizit im Umgang mit echten Menschen spielten für den Traum von der Sexroboterin keine Rolle. Oder um es mit ihren Worten zu formulieren: „Die typische Vorstellung des einsamen Nutzers, der nicht fähig ist, eine Beziehung zu anderen Menschen einzugehen und sich stattdessen eine Sexpuppe oder einen ­Roboter zulegt, konnte empirisch nicht untermauert werden.“

Es ist inzwischen zehn Jahre her, dass der Schachweltmeister, Computerexperte und Prostitutionsbefürworter David Levy, 72, in seinem viel diskutierten Buch „Love and Sex with Robots“ prophezeite, dass in rund 50 Jahren „Beziehungen“ mit Robotern zum Alltag gehören würden. „Ganz wie Beziehungen mit echten Menschen“. Levy traut den Robotern dank enormer Fortschritte im Bereich der künstlichen ­Intelligenz sogar eine größere Empathie-­Fähigkeit zu „als dem durchschnittlichen amerikanischen Mann.“

Zum dritten Mal findet im Dezember die von Levys Buch inspirierte Konferenz „Love and Sex with Robots“ im Swinging-London statt. Wie auch schon im Vorjahr. Eigentlich war das Treffen 2016 in ­Malaysia angesetzt. Aber der streng-islamische Staat verbot die Konferenz. Die renommierte Goldsmith University sprang ein und öffnete den Roboter-Apologeten ihre Pforten.

Auf David Levy sind die meisten – kühnen – Thesen zurückzuführen, die derzeit über Liebe und Sex mit Robotern durch die Medien und durch die Wissenschaft gaukeln. Sie lauten: 1. Sexroboter sind, ähnlich dem Vibrator, eine aufregende ­Erweiterung des Sexuallebens. 2. Männer haben sexuelle Phantasien, die sie mit ­(lebendigen) Frauen nicht ausleben können – deswegen brauchen sie dafür einen (leblosen) Sexroboter. 3. Dank der Sexroboter werden in der Zukunft Vergewaltigungen und Zwangsprostitution abnehmen.

In der Tat: In der Altstadt von Barcelona hat kürzlich das erste Bordell mit Sexpuppen eröffnet (die Roboter sind ja noch nicht fertig). Der Trend aus Japan und China ist also auch in Europa angekommen. Allerdings musste das Haus nach Protesten direkt wieder schließen. Proteste unter anderem von den alteingesessenen Prostituierten im Viertel. Eine klagte: „Das ist eine weitere Strategie, uns als ­Objekte ohne Seele zu verkaufen“. 

Zu einem ganz ähnlichen Schluss kommt auch die Anthropologin Kathleen Richardson. Sie forscht an der De Montfort University im britischen Leicester unter anderem zur „Ethik in der Robotik“. Und sie warnt: Sexroboter sind eine Bedrohung für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen – und eine Fortführung der Prostitution mit anderen Mitteln. Deswegen hat sie 2015 zusammen mit dem Informatiker Erik Billing von der University of Skövde in Schweden eine „Kampagne gegen Sexroboter“ ins ­Leben gerufen. Tenor: „Wir sind überzeugt, dass die Entwicklung von Sexrobotern zu der weiteren Objektifizierung von Frauen und Kindern beitragen wird.“

Richardson und ihre MitstreiterInnen fordern die Entwickler in der Computer-Technologie und Robotik dazu auf, endlich ethische Standards zu definieren, die sowohl die Menschenwürde als auch die Freiheit einzelner wahren. Über einen Trend sind die ExpertInnen besonders entsetzt: der internationale Markt für Kindersexpuppen wächst.

Alexandra Eul

 

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Die Porno-Industrie expandiert

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Andrew Edmond, früher Unternehmer eines 20-Millionen-Dollar schweren Online-Porno-Portals namens „Flying Crocodile“, erklärte schon im Jahr 2000 lakonisch: „Viele sind scheinbar zu verwirrt von dem ­Geschäftsmodell Sex. Dabei ist dieses ­Geschäft genauso raffiniert und vielschichtig wie jeder andere Markt auch. Wir funktionieren ganz wie ein Fortune 500 Unternehmen.“

Seither ist die Porno-Industrie noch raffinierter und noch vielschichtiger geworden. „Die Kommerzialisierung der Pornografie im großen Stil ist nichts, was in der Zukunft passieren wird – sie ist schon passiert“, schrieb der Journalist und Porno-Experte Steven Yagielowicz im Jahr 2009. „Die unabhängigen Produzenten, die geschäftstüchtigen Kleinunternehmer und auch die zwielichtigen Gangster sind schon lange beiseite gedrängt worden von Mega-Konzernen, die immer effektivere Strategien entwickeln und hartnäckig genug sind, um ein ganz neues Erfolgs-Level zu erklimmen.“

Das immense Ausmaß des Porno-Geschäfts hat weitreichende Auswirkungen. Die Unterhaltungs-Industrie beeinflusst uns nicht nur; sie prägt unsere Kultur, unsere Identität, unsere Vorstellung von der Welt und unsere Werte. Deswegen ist das Ausmaß auch so besorgniserregend. Sehen wir uns die Inhaltsanalyse der herkömmlichen Pornografie einmal genauer an, so wie es die Psychologin Ana J. Bridges und ihr Team von der University of Arkansas getan haben. Die Mehrzahl der Szenen aus den 50 am häufigsten ausgeliehenen Porno-Filmen enthalten physische und verbale Gewalt gegen die Darstellerinnen. Schläge, Ohrfeigen und Knebeln kamen in mehr als 88 Prozent der Szenen vor; verbale Erniedrigungen wie die Beschimpfung der Frauen als „Huren“ oder „Schlampen“ in 48 Prozent.

Wesentlich für das enorme Wachstum des Porno-Marktes in den letzten Jahren ist die Entwicklung von Technologien, die es dem Nutzer erlauben, Pornos im Privaten und auf jedem Gerät anzuschauen, das über einen Bildschirm verfügt. Keine peinlichen Ausflüge in zwielichtige Läden oder Videotheken mehr. Pornografie kann heute an jedem Ort und zu jeder Zeit konsumiert werden.

Aber die Pornografie profitiert nicht nur von solchen neuen Technologien, sie treibt die Entwicklung dieser Technologien selbst voran. Dazu zählen Videokassetten und DVDs, File-Sharing-Plattformen und Video-on-Demand-Angebote für Kabelfernsehen, Videostreaming via Internet und Videos auf tragbaren Endgeräten, also auf Smartphones und Tablets.

Solche Videos verbrauchen große Mengen an Datenvolumen, und so hat die steigende Nachfrage nach Pornografie auch die Entwicklung von plattformübergreifenden Kerntechnologien zur Daten-Kompression und zur Übertragung vorangetrieben. Die Porno-Industrie war auch Pionierin für Geschäftsmodelle, die Videos im Netz profitabel gemacht haben. Damit hat sie auch der kommerziellen Nutzung von YouTube oder dem Download von Fernsehserien auf Smartphones oder Tablets den Weg geebnet.

Viele Marketing-Maßnahmen der Porno-Industrie werden heute auch in anderen Bereichen des Internets angewandt. Wie die kostenlosen „Supersites“, die Traffic generieren, NutzerInnen über Querverlinkung auf weitere Anbieter verteilen und mit Pay-Per-Click-Werbung Geld einnehmen. Die Porno-Industrie war auch Vorreiterin in der internetbasierten Abonnenten-Verwaltung, für Micro-Payment-Systeme und für die Entwicklung von Systemen zum Schutz vor Online-Betrug.

Der Porno-Industrie ist es also gelungen, die lange kaum regulierten Geschäftsmöglichkeiten des Internets vollständig auszuschöpfen. Das hat es gerade kleinen Unternehmen sehr leicht gemacht, ohne viel Kapital auf diesen Markt vorzudringen. Und weil es so einfach war, in der rechtlichen Grauzone Internet Steuern und Regularien zu umgehen, konnte die Porno-Industrie ihre Strategien für einen internationalen Markt weiter ausbauen.

Die Pornografie ist heute ein mächtiger Industriezweig, der Geschäftsaktivitäten verfolgt wie jede andere Industrie auch. Sie beschafft Kapital, sie wirbt Manager und Buchhalter an, sie unterliegt Fusionen und Übernahmen, sie organisiert Fachmessen und sie entwickelt gemeinsame Marketingmaßnahmen mit anderen Unternehmen. Mit der 1991 gegründeten „Free Speech Coalition“ (FSC) hat sie ihre eigene Lobby geschaffen. Die FSC arbeitet weltweit aktiv daran, Gesetze zu verändern, PR-Kampagnen in den Medien zu fahren – und sich als ein Leuchtturm für den Schutz von Meinungsfreiheit und freier Rede zu inszenieren.

Neuerdings ist dennoch häufig die Rede davon, dass das Geschäft mit der Pornografie zurückgeht. Aber wir haben es nicht mit einer sterbenden Industrie zu tun, sondern mit einer ausgereiften; mit einer Industrie, die sich von ihrem Hinterzimmer-Charakter hin zu einem Main­stream-Geschäft entwickelt hat. Charakterisiert durch harten Wettkampf und steigende Konzentration in der Hand ­weniger großer Firmen.

Manche mögen bei Porno immer noch an Playboy und Penthouse denken – aber die einflussreichste Firma trägt heute einen Namen, den viele außerhalb der Branche noch nie gehört haben. Die Rede ist von einer Firma mit Sitz in Luxemburg, die ursprünglich mal Manwin hieß und seit 2013 in MindGeek umbenannt wurde – nachdem der ehemalige Geschäftsführer Fabian Thylmann wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung festgenommen worden war.

Laut Firmenwebseite „treibt MindGeek den Stand der Technik voran und entwickelt branchenführende Lösungen zur schnelleren, effizienteren Bereitstellung von Inhalten – jede Sekunde, für Millionen von Kunden weltweit.“ Es ist nicht möglich, auf den ersten Blick zu erkennen, dass es sich bei MindGeek um den größten Porno-Lieferanten der Welt handelt (Anm. d. Red.: Zu dem unter anderem YouPorn und PornHub zählen).

MindGeek hat viele der kleineren Player aus dem Markt gedrängt. Die Firma besitzt die acht Top-Webseiten für Gratis-Pornografie, so genannte „Tube Sites“. Die liefern Unmenge an Gratis-Pornos, die sich über Werbung für Bezahl-Porno-Seiten, Live-­Web­cam-Seiten, Penis-Pumpen oder Escort-­Services finanzieren.

Der amerikanische Journalist David Auerbach berichtet darüber hinaus auf ­slate.com, dass diese Seiten vor allem Piraterie betreiben; und MindGeek berüchtig sei, es den eigentlichen Produzenten schwer zu machen, das Material zu entfernen. Hinzu kommt, dass viele Produzenten und bekannte Darsteller in einer geschäftlichen Beziehung mit MindGeek stehen. Sie sind also in der paradoxen ­Situation, dass ihre Filme von einer Firma geklaut werden, die sie gleichzeitig bezahlt. Und deswegen schweigen sie.

Das Geschäftsmodell von MindGeek ist clever: Sie wandeln die freie Pornografie durch Werbung in bares Geld um. Und die Gratis-Pornos funktionieren als Teaser, um die Konsumenten auf Bezahlseiten umzuleiten. Anstatt die Porno-Industrie zu zerstören, hat die Gratis-Pornografie die Nachfrage also noch erhöht.

All diese Entwicklungen zeigen, dass Pornografie heute Mainstream ist, ein legales Geschäft, das sowohl von der Wall Street als auch von den Medien und dem politischen Establishment hingenommen wird. Das Porno-Geschäft ist heute eingebettet in eine komplexe Wertschöpfungskette, die nicht nur Filmproduzenten und Händler verbindet, sondern auch Software-Produzenten, Internet-Provider, Kabelnetzbetreiber oder Hotelketten. Auch Banken machen mit der Porno-Industrie Geld, da die Umsätze aus der Porno-Industrie in Aktien, Anleihen oder Anlagefonds investiert werden. Jedes Glied in dieser Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Konsumenten – ist also ein Komplize.

Gail Dines

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Der Text ist ein Auszug aus dem Sammelband "The Sexualized Body and the Medical Authority of Pornography: Performing Sexual Liberation". Hg. Heather Brunskell-Evans (Cambridge Scholars Publishing)

Information
Pornocrazy: Die digitale Revolution der Pornobranche, auf DVD

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