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Bienen: Weg mit dem Gift!

Am Weltbienentag ließ der BUND in Berlin Häkel-Bienen fliegen und übergab 180.000 Protest-Unterschriften. - Foto: Jörg Farys
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Landwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) und Umweltministerin Schulze (SPD) haben Ende April in Brüssel gemeinsam für das Verbot dreier so genannter Neonicotinoide, also bienengefährlicher Insektengifte, gestimmt. Im letzten Jahr war ein Verbot des Pflanzengiftes Glyphosat noch an Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) gescheitert. Läutet die neue Regierung eine Wende ein?
Die Notwendigkeit, die Bienen und überhaupt Bestäuber und Insekten zu schützen, ist definitiv in der Politik angekommen.  Auch im Koalitionsvertrag ist verankert, dass man einen „Insekten-Aktionsplan“ auf den Weg bringen will, um den dringend notwendigen Insektenschutz voranzubringen. Das Verbot der drei Neonicotinoide im Freiland ist ein Anfang, reicht aber bei weitem nicht aus. Es gibt beispielsweise noch  andere Neonicotinoide. Und die Bunderegierung muss sich jetzt im nächsten Schritt dafür einsetzen, dass auch diese Insektengifte verboten werden.

Wie genau funktionieren diese Neonicotinoide eigentlich?
Das sind Insektizide, die beispielsweise als Saatgut-Beize eingesetzt werden, um das Saatgut vor Schädlingsbefall zu schützen. Sie sind aber auch für andere Insekten schädlich, besonders für Bienen.  Unmittelbar tödlich sind diese Wirkstoffe zwar nur bei sehr hohen Mengen, als Nervengifte ­haben sie aber schon in geringen Mengen einen Einfluss auf Lernvermögen und Orientierungssinn der Bienen. Sie verhindern zum Beispiel, dass die Bienen zu ihrem Stock zurückfinden. Wir fordern deshalb, dass bei der Zulassung von Insektiziden und Pestiziden nicht länger nur die tödliche Wirkung eines Wirkstoffes berücksichtigt wird, sondern auch so genannte subletale Effekte.

Und das Verbot von Glyphosat?
Glyphosat ist ein so genanntes Total-Herbizid. Das heißt, es tötet jede Pflanze. Es wird vor der Aussaat ausgebracht, so dass anschließend nur noch die ausgesäte Pflanze dort wächst. Die Auswirkungen auf die Ackerflora und damit die Ackerfauna sind enorm: Insekten sind  auf eine Pflanzenvielfalt angewiesen. Weniger Wildpflanzen auf und neben dem Acker bedeuten, dass sie keine Nahrung und keinen Lebensraum mehr finden. Der Rückgang von Insekten wirkt sich negativ auf Vögel und andere Tiere, die Insekten fressen, aus. Deshalb muss die Regierung zumindest auf nationaler Ebene den Ausstieg aus Glyphosat einläuten, wie sie es im Koalitionsvertrag auch angekündigt hat. In Natur- und Wasserschutzgebieten, für den Privatgebrauch und auf kommunalen Flächen muss Glyphosat unverzüglich verboten werden.

Es gibt BienenforscherInnen wie die Parasitologin Pia Aumeier, die sagen: Das Hauptproblem für die Honigbiene ist nicht die Chemie, sondern die Varroa-Milbe.
Natürlich ist auch die Varroa-Milbe ein Problem. Die Imker, mit denen wir zusammen den Bienen-Aktionsplan erstellt haben, sagen aber auch: Die Pestizide schwächen die Bienen zusätzlich. Zudem geht es beim Bienensterben nicht nur um die Honig­biene. Wir haben einen massiven Rückgang der Wildbienen-Population. Von den 560 in Deutschland vorkommenden Arten sind 220 gefährdet und 32 vom Aussterben bedroht. Da sind Pestizide eine Ursache, eine andere ist, dass die Lebensräume für die Tiere wegen größerer Felder, Monokulturen und fehlenden Hecken, Brachflächen oder Grünstreifen mehr und mehr verschwinden.

In Ihrem „Nationalen Bienenaktionsplan“ fordern Sie auch, dass Landwirte gefördert werden, damit sie blühende Randstreifen und Brachflächen anlegen und weniger Pestizide einsetzen. Aber solche Förderprogramme gibt es ja schon.
Ja. Aber das Problem ist, dass von den sechs Milliarden Euro EU-Geldern, mit denen in Deutschland die Landwirtschaft jährlich subventioniert wird, nur ein Bruchteil in Programme geht, die die Artenvielfalt fördern. 80 Prozent der Subventionen fördert die Intensivierung der Landwirtschaft. Und wenn man aus dem viel größeren Geldsack eine Landwirtschaft unterstützt, die Artenvielfalt, Klima, Böden und Grundwasser belastet, dann hilft es wenig, wenn man auf der anderen Seite mit ein bisschen Geld versucht, das wieder in Ordnung zu bringen. Deshalb fordern wir, dass die Agrarsubventionen dafür genutzt werden, um Landwirte für Natur- und ­Klimaschutz oder Tierschutz besser zu ­honorieren. Alle umweltschädlichen Subventionen müssen beendet werden.

Und was halten die Landwirte davon?
Wir sehen, dass viele durchaus den Wunsch haben, etwas anders zu machen. Für uns ist keineswegs der Landwirt der Böse, der alles falsch macht. Falsch sind die politischen Rahmenbedingungen.

Aber der Bauernverband hat ja gegen das Verbot der Neonicotinoide protestiert.
Der Bauernverband hat auch eine Verantwortung der Landwirtschaft abgestritten, als 2017 die große Studie von Krefelder Insektenkundlern veröffentlich wurde, dass der Insektenbestand in den letzten 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist. Allerdings spricht der Bauernverband meiner Erfahrung nach keineswegs für alle Landwirte. Da gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Funktionären und den Landwirten an der Basis.

Was bekommt denn so ein Landwirt, wenn er einen Blühstreifen an seinem Maisfeld anlegt?
Er bekommt seinen Ertragsausfall ausgeglichen und den Mehraufwand erstattet. Wir fordern aber, dass der Landwirt diese Maßnahme für den Naturschutz wirklich honoriert bekommt, also damit ein Plus macht.

Gibt es Städte, die in Sachen Bienenschutz Vorbild sind?
Ja, die gibt es. Wir haben ein Projekt namens „Pestizidfreie Kommune“, bei dem schon über 200 Städte mitmachen. Und es werden immer mehr. Die Städte setzen auf ihren stadteigenen Flächen keine Pestizide ein und pflanzen insektenfreundliche Blumen. Sofern sie Flächen an Landwirte verpachten, schreiben manche in den ­Verträgen fest, dass zum Beispiel kein ­Glyphosat eingesetzt werden darf.

Und was kann man als Bürgerin und Bürger für die Bienen tun?
Wenn man einen Balkon oder Garten hat, kann man bienenfreundliche Blumen setzen oder aussäen. Man sollte zudem selbst auf Pestizide verzichten. Mit Insekten­hotels kann man dafür sorgen, dass Insekten Nistplätze finden. Und beim Einkauf von Lebensmitteln sollte man zu Ökoprodukten greifen, bei denen die Hersteller auf Chemie verzichtet haben.

Im Netz:
www.bund.net

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