Die Chronik: Highlights aus 40 Jahren

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26. Januar 1977 Die EMMA erscheint. Die erste Auflage von 200.000 ist innerhalb weniger Tage vergriffen, ebenso die nachgedruckten 100.000 Exemplare. EMMA porträtiert in dieser ersten Ausgabe Hedwig Dohm ebenso wie Romy Schneider. Alice Schwarzer analysiert in ihrem Text „Männerjustiz“ (analog zur Klassenjustiz), dass Frauenmorde behandelt werden wie Kavaliersdelikte. EMMA wird in den folgenden Jahrzehnten immer wieder die Funktion „Politischer Prozesse“ entlarven – vom Abtreibungsprozess in Memmingen über den Gattinnen-Mörder Bubi Scholz bis hin zu Mutter Weimar. Erster „Pascha des Monats“ ist Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein.

März 1977 EMMA schreibt über Genitalverstümmelung, die damals noch verharmlosend „Beschneidung“ heißt. Entsetzte Leserinnen schicken Waschkörbe von Briefen. Von links gibt es Tadel: Die Beschneidung sei ein kultureller Brauch, Kritik daran westliche Arroganz. EMMA bleibt dran. – Seit 1. September 2013 ist Genitalverstümmelung in Deutschland ein eigener Straftatbestand.

Juli 1977 EMMA reicht Beschwerde beim Deutschen Presserat ein. Grund ist das Spiegel-Cover „Die verkauften Lolitas“. Der Spiegel hatte seine Titelgeschichte über Kinderpornografie mit einer nackten Zwölfjährigen in Strapsen illustriert. EMMA schreibt: „So wird plump auf Auflagensteigerung spekulierende Pornografie als kritische Berichterstattung verbrämt.“ Die Medien spotten, allen voran die Bunte: „Spätestens seit der Aufforderung von Alice Schwarzer, dem Spiegel eine Rüge zu erteilen, dürfte feststehen, dass der Deutsche Presserat natürlich auch für Witzbolde zuständig ist.“ Am 23. Juli 1977 rügt der Deutsche Presserat den Spiegel. Es ist die erste Rüge der deutschen Mediengeschichte wegen Sexismus. – Das Mädchen ist übrigens Eva Ionesco, die von ihrer Mutter, der Fotografin Irina Ionesco, als Nacktmodel vermarktet wurde. Sie wird ihre Mutter 2012 auf 200.000 Euro Schadenersatz und Herausgabe aller Nacktfotos verklagen.

April 1978 EMMA berichtet unter dem Titel „Das Verbrechen, über das niemand spricht“ über den sexuellen Missbrauch von Mädchen (und seltener: Jungen) durch die eigenen (Stief-)Väter. Eines dieser Mädchen, die 14-jährige Petra, erzählt von ihrem Missbrauch durch den eigenen Vater. EMMA startet einen Aufruf: „Wir bitten Mädchen, die betroffen sind, nicht länger zu schweigen!“ Keine Reaktion. Noch ist das Thema tabu.

EMMA Juni 1987

Juni 1978 Als erste öffentliche Stimme in Deutschland fordert Alice Schwarzer einen uneingeschränkten, freiwilligen Zugang von Frauen zur Bundeswehr inklusive Dienst an der Waffe. Begründet wird das Berufsverbot für Soldatinnen mit der „Natur“ und „Bestimmung“ der Frau. Die erklärte Pazifistin Schwarzer („Als Mann wäre ich Kriegsdienstverweigerer!“) kritisiert den Biologismus, der dem zugrunde liegt. Damit stellt sich EMMA gegen weite Teile der Frauenbewegung, die zu der Zeit noch von der „natürlichen Friedfertigkeit“ der Frau schwärmen. Schwarzer wird zum „Flintenweib“. – 22 Jahre später, am 11. Januar 2000, wird der Europäische Gerichtshof einer Klage der Elektronikerin Tanja Kreil stattgeben und das Berufsverbot von Frauen in der Bundeswehr als Verstoß gegen die EU Gleichbehandlungsrichtlinie verurteilen. Im Jahr 2016 tun 19.400 Soldatinnen Dienst in der Bundeswehr. Jeder neunte Soldat in Deutschland ist heute weiblich.

23. Juni 1978 Alice Schwarzer verklagt den Stern gemeinsam mit weiteren neun Frauen – darunter Margarethe von Trotta, Erika Pluhar und Inge Meysel – wegen seiner sexistischen Titelbilder. Die Klägerinnen fordern Stern-Herausgeber Henri Nannen auf, „zu unterlassen, die Klägerinnen dadurch zu beleidigen, dass auf den Titelseiten des Magazins Stern Frauen als bloßes Sexualobjekt dargestellt werden und dadurch beim männlichen Betrachter der Eindruck erweckt wird, der Mann könne über die Frau beliebig verfügen“. Zwar weist Richter Engelschall die Klage aus formalen Gründen ab, moralisch jedoch gibt er den Feministinnen recht: „Die Kammer verkennt nicht, dass es ein berechtigtes Anliegen sein kann, auf eine der wahren Stellung der Frau in der Gesellschaft angemessenen Darstellung des Bildes der Frau in der Öffentlichkeit und insbesondere in den Medien hinzuwirken“, erklärt er. Und weiter: „In 20 oder 30 Jahren werden die Klägerinnen vielleicht gewinnen können.“ – Im Mai 2016 legt Justizminister Heiko Maas (SPD) einen ersten Gesetzentwurf vor, der sexistische Werbung eindämmen soll. Nach medialer Schelte rudert er rasch wieder zurück.

Februar 1979 EMMA veröffentlicht einen ersten von vielen Artikeln gegen das Ehegattensplitting. – 38 Jahre später ist die staatlich mit Milliarden geförderte Subventionierung der Hausfrauenehe immer noch nicht abgeschafft. 

1991 Sonderband Krieg
1991 Sonderband Krieg

Mai 1979 Alice Schwarzer berichtet in ihrer Reportage „Die Betrogenen“ über ihren Besuch im Iran. Sie war, gemeinsam mit 17 Französinnen, dem Hilferuf iranischer Frauen gefolgt, die für die „islamische Revolution“ gekämpft hatten, jedoch am 8. März, dem Frauentag, aus den Büros und Universitäten vertrieben wurden mit der Order: „Verschleiert euch!“ Schwarzer schreibt: „Sie waren gut genug, für die Freiheit zu sterben. Sie werden nicht gut genug sein, in Freiheit zu leben.“ Für ihre kritische Haltung zu Khomeinis Islamismus wird Schwarzer von Linken als „Schahfreundin“ angefeindet. – EMMA bleibt über Jahrzehnte eine der wenigen, oft die einzige Stimme, die vor der Agitation der islamischen Fundamentalisten warnt. 1991 bringt EMMA eine Artikelsammlung im Sonderband „Krieg“ heraus, im Jahr 2002 erscheint das EMMA-Buch „Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz“, 2010 „Die große Verschleierung – für Integration, gegen Islamismus“.

September 1979 EMMA titelt mit dem Thema Elternzeit für Väter. Vater Ulrich Blaschke, der sich bis zum Verfassungsgericht durchklagen will, erklärt: „Ich will auch Mutterschaftsurlaub!“ Karlsruhe lehnt ab. – Am 1.1.2007 führt Familienministerin Ursula von der Leyen das Elterngeld inklusive „Vätermonate“ ein.

April 1980 In EMMA führt Alice Schwarzer unter dem Titel „Wie frei macht Pädophilie?“ ein Gespräch mit Günter Amendt, dem Autor von „Sexfront“, gegen ein ungeheuerliches Unterfangen: Die SPD/FDP-Regierung plant die Abschaffung des Pädophilie-Paragrafen. „Gewaltfreier“ Sex mit Kindern wäre dann straffrei gewesen. EMMA schafft es, das mit ihrer Berichterstattung zu verhindern.

Oktober 1980 EMMA titelt mit der Frage: „Macht Prostitution frei?“ Wir reagieren damit auf Teile der Frauenbewegung, die Prostitution als „Frauenbefreiung“ verkaufen. Argument: Was die Ehefrau umsonst tut, macht die Prostituierte eben für Geld. EMMA entgegnet: „Aus der frühen feministischen Solidarität mit den Prostituierten wurde eine pseudoliberale Komplizität mit den Profiteuren.“

März 1983 EMMA berichtet über die schwierige Lage vieler Türkinnen in Deutschland. Über acht Seiten geht es um die „Verletzung der Männerehre“ und das Leben der Frauen hinter verschlossenen Türen. Die Türkin Sevim Türkoglu beschreibt die Lage der Ehefrauen und Töchter an der Seite der „Gastarbeiter“: „Sie sind die Sklavinnen der Sklaven.“

Januar 1984 EMMA titelt (auf der Rückseite): „Männer sprechen über ihr Glied“, und illustriert mit 20 besten Stücken. Das Ganze ist eine Satire auf den Stern-Titel „Frauen sprechen über ihre Brüste“, der unter pseudofeministischem Vorwand diesmal besonders viele nackte Brüste auf dem Cover platziert hatte. Die Medien sind in Aufruhr: „EMMA schaute Männern in die Hose“.

Im März 2003 antwortet EMMA auf das „Total verrückte Busenspiel“ in Bild mit dem „Total verrückten Pimmelspiel“, bei dem frau zwölf Gemächte ihren jeweiligen Besitzern zuordnen kann – von Dieter Bohlen bis Boris Becker.

Juli 1984 EMMA titelt: „Lesben-Ehe?“ und berichtet über ein Frauenpaar, das – wider die Kirchenordnung – von einem Hamburger Pfarrer getraut wurde. Das Fragezeichen zeigt, dass die Forderung nach der Homo-Ehe auch unter Feministinnen keineswegs populär ist. Gilt die Ehe doch als patriarchales Unterdrückungsinstrument. Schwarzer kommentiert: „Mir scheint die Sehnsucht nach der Ehe gerade in einer homosexuellen Liebe individuell gesehen zwar durchaus konform, strukturell gesehen aber gleichzeitig glatt revolutionär: In einer zwangsheterosexuellen Welt wie der unseren ist und bleibt es eine Unerhörtheit, die homosexuelle Liebe so ernst zu nehmen wie die heterosexuelle.“ – Am 1. August 2001 tritt die Homo-Ehe in Kraft. Die ersten Frauen- und Männerpaare dürfen sich trauen. Auf dem Kölner Standesamt ist EMMA dabei und berichtet über die ersten Homo-Hochzeiten in Köln.

1984 Sonderband "Dich & Dünn"
1984 Sonderband "Dich & Dünn"

Oktober 1984 EMMA veröffentlicht den Sonderband „Durch dick und dünn“. Wir analysieren den grassierenden Magerwahn als Politikum und Reaktion auf die Emanzipation: „Während Männer Raum ein- nehmen, machen Frauen sich dünne“, schreibt Alice Schwarzer. Und die Therapeutin Susie Orbach, die mit ihrem Buch „Fat is a Feminist Issue“ den Zusammenhang zwischen Essstörungen und Frauenrolle analysiert, erklärt: „Das hyperdünne Schönheitsideal fällt so präzise mit dem Erstarken der feministischen Bewegung zusammen, dass Misstrauen geboten ist. Es fällt schwer, in dieser ‚Ästhetik der Dürre‘ nicht einen Versuch zu sehen, auf die Forderungen von Frauen nach mehr Raum in der Welt zu kontern.“ –Mitte der 1980er Jahre gründen sich erste Beratungszentren für Frauen und Mädchen mit Essstörungen.

Januar 1985 EMMA schreibt: „Seit Beginn der Frauenbewegung ist die seit Jahrhunderten totgeschwiegene und zur Privatsache erklärte Vergewaltigung nicht länger ein Tabu.“ Wir stellen die Forderungen zusammen, die feministische Juristinnen sowie Mitarbeiterinnen der Frauennotrufe und -beratungsstellen erheben, damit Vergewaltigungsopfer von der Justiz endlich angemessen behandelt werden und mehr Vergewaltigungen verurteilt werden können. Dazu gehört die Schulung von PolizeibeamtInnen und die Einrichtung von Sonderdezernaten bei den Staatsanwaltschaften. Anales und orales Eindringen in den Körper soll der vaginalen Vergewaltigung strafrechtlich gleichgestellt werden. Die Opferzeuginnen sollen das Recht auf Nebenklage haben, Fragen nach dem „Intimleben“ des Opfers sollen begrenzt werden. Die Vergewaltigung in der Ehe soll unter Strafe gestellt werden. – Am 7. Juli 2016 verabschiedet der Bundestag einstimmig eine weitere Reform. Ab jetzt gilt im Sexualstrafrecht endlich das Prinzip „Nein heißt Nein!“

26. Januar 1987 EMMA feiert ihren 10. Geburtstag mit einem Fest am 12. Juni in der Kölner Flora. Es kommen 6.000 Frauen. Sie tanzen bis morgens um fünf.

Oktober 1987 EMMA startet die PorNOKampagne. Wir erklären: Bei Pornografie geht es nicht um Nacktheit oder Sex, sondern „um die Verknüpfung von sexueller Lust mit Erniedrigung und Gewalt“. EMMA präsentiert einen Gesetzentwurf, der Pornografie nicht länger als Verstoß gegen die guten Sitten definiert, sondern als Verstoß gegen die Menschenwürde. PorNO stößt eine breite gesellschaftliche Debatte an. Die SPD initiiert ein Hearing zum Thema. – Drei Jahrzehnte später ist das Thema, dank Internet und flächendeckender Pornografisierung, brennender denn je. Wissenschaftler sprechen von einem „gigantischen Menschenversuch“.

August 1989 Titel: „Uschi – Schuss in alle Frauenherzen“. Die deutschen Fußballerinnen haben zum ersten Mal die EM und das berühmt-berüchtigte Kaffeeservice gewonnen! Stürmerin Ursula (Uschi) Lohn hatte das Siegtor geschossen. Neun Jahre später, im Januar 1998 wird EMMA die Frauenfußball-Kampagne „Die Hälfte vom Ball für die Frauen“ starten. Gemeinsam mit Fußballerinnen, Fußball-FunktionärInnen, SportjournalistInnen und Forscherinnen fordern wir: mehr Medienpräsenz des Frauenfußballs und bessere Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs. – 2003 und 2007 werden die deutschen Fußballfrauen Weltmeisterinnen, Millionen fiebern vor den Fernsehern mit. 2011 findet die Frauen-WM in Deutschland statt – in vollen Stadien.

Der "Unabhängige Frauenverband" 1989
1989 Frauen in der (Ex)DDR

9. November 1989 Die Mauer fällt. Schon ein Jahr zuvor war EMMA die erste westdeutsche Zeitschrift gewesen, die in der DDR vertrieben wurde. EMMA berichtet breit über die Lage der Frauen in der (Ex-)DDR, ruft die Leserinnen zu Solidaritäts-Abos auf. Hier feiern 1989 die Frauen vom „Unabhängigen Frauenverband“ ihre neue Freiheit.

6. Oktober 1991 Knapp hundert Meter von der EMMA-Redaktion entfernt wird Angelika Bayer ermordet. Es ist die Zeit der Lichterketten gegen „Fremdenhass“. Im Oktober 1992 startet EMMA die Kampagne „Frauenhass“. Denn der ist, im Gegensatz zum Fremdenhass, keine politische Kategorie, obwohl jährlich rund 300 Frauen von Männern, meist den eigenen, getötet werden. EMMA fordert: „Auch die Aufstachelung zum Frauenhass muss gesetzlich geahndet werden!“ In den USA gelten Verbrechen aus Frauenhass seit 2010 als „Hate Crime“. In Deutschland ist das kein Thema.

April 1992 EMMA veröffentlicht das erste Interview mit Angela Merkel. Anlass: Die Häme über die damalige Frauenministerin, die gerade ein Gesetz gegen sexuelle Belästigung durchgesetzt hatte. Ein Jahr später bespricht Merkel für EMMA das Buch „Backlash“ von Susan Faludi. Die spätere Kanzlerin schrieb: „Wir Frauen müssen weitergehen auf dem Marsch durch die Institutionen und teilhaben an der öffentlichen Macht!“

1993 Sextourismus in Thailand
1993 Sextourismus in Thailand

März 1993 EMMA-Redakteurin Cornelia Filter und EMMA-Fotografin Bettina Flitner fliegen undercover nach Thailand. Sie wohnen zwei Wochen lang in einem Sextouristen-Hotel. EMMA zeigt als erste Zeitschrift Freier, ohne diese unkenntlich zu machen, und erregt damit weltweit Aufsehen.

November 1993 In einer Bildanalyse entlarvt Alice Schwarzer die Fotos von Helmut Newton als „sexistisch und rassistisch“ sowie als „faschistoide Propaganda“. Schwarzers Demontage des KultFotografen wird in den Medien breit diskutiert. Der Newton-Verlag Schirmer & Mosel verklagt daraufhin EMMA – wegen „unerlaubten Nachdrucks“ von 19 Fotos. Das Gericht bestätigt Schwarzer, dass sie zum Beleg ihrer „wissenschaftlichen Thesen“ beispielhafte Fotos zitieren durfte, allerdings nur elf – warum auch immer. Dank des spektakulären Prozesses bekommt die Debatte um die Definition von Pornografie neuen Aufschwung.

Januar 1994 EMMA titelt mit einer schwarzen Katze und fordert „Ein Recht für Tiere!“ Es geht um Massentierhaltung und Tierversuche, aber auch um die historischen Parallelen zwischen Frauen und Tieren als Besitz des Patriarchen. Der Spiegel spöttelt: „Alice‘ Spleen ist zur Zeit der Tierrechtskampf – das Frauenmagazin, so scheint es, will sich zum Fachblatt für Kurioses wandeln.“ – Als EMMA in der Ausgabe 4/16 zum dritten Mal mit den Tieren titelt, sind die Tierrechtsbewegung und vegane Restaurants selbstverständlich.

November 1994 Der Spiegel ruft in einer so genannten Trendstory die „Girlie“-Welle aus. „Sie tragen Blümchenrock und Kampfstiefel, wollen wild und feminin sein, freizügig und egoistisch.“ Und, besonders wichtig: „Girlies leiden nicht am Unterschied der Geschlechter – sie feiern und genießen ihn.“ Daraufhin porträtiert EMMA Vorzeige-„Girlies“: die Sängerin Luci van Org („Ich bin so froh, dass ich ‘n Mädchen bin“) und Techno-DJane Marusha und titelt mit „Tank-Girl“. Alle so genannten Girlies verwahren sich entschieden dagegen, als solche bezeichnet zu werden. Das Phänomen ist alsbald wieder von der Bildfläche verschwunden.

Januar 1995 Die Blondinenwitze sind Mode, EMMA ruft zum Gegenschlag auf: Männerwitze! Die Leserinnen senden so massenhaft Witze ein, dass EMMA vier (!) Jahre lang in jeder Ausgabe einen Männerwitz veröffentlicht. Kostprobe: „Was macht eine Frau, wenn ihr Mann beim Kartoffelholen die Treppe runterfällt? – Nudeln.“ Die Männerwitze sorgen für anhaltende Erregung in den Männermedien.

Oktober 1996 EMMA startet eine Kampagne gegen Brustkrebs. Früherkennung und Behandlung sind in Deutschland auf so kläglichem Niveau, dass EMMA erklärt: „Brustkrebs ist mehr als eine Krankheit – er ist ein Politikum!“ Das Dossier bringt den internationalen – und hier vor allem amerikanischen – Stand der Erkenntnisse zur Frauenkrankheit Nr. 1, an der jährlich 18.000 Frauen sterben, nach Deutschland. Die EMMA-Berichterstattung gibt den zahlreichen Brustkrebs-Initiativen, die jetzt entstehen, Rückendeckung und ist ein handfestes Argument für PolitikerInnen, die durchsetzen wollen, was in anderen Ländern längst Standard ist. – Im Jahr 2005 werden Screening und Brustzentren flächendeckend eingeführt.

Januar 1997 20 Jahre EMMA. Eine Allensbach-Umfrage, die EMMA in Auftrag gibt, ergibt: JedeR zweite Mensch in Deutschland kennt EMMA, drei von vier kennen Alice Schwarzer. EMMA ruft zur Gründung von EMMA-Clubs auf, zwecks Vernetzung und gemeinsamen Aktionen. Die Resonanz ist groß. Am 16. Januar 1999 kommen 176 Frauen (von fast 1.800) aus 111 EMMA-Clubs nach Köln, um sich und die EMMAMacherinnen kennenzulernen.

Januar 1998 EMMA titelt: „Männer lieben EMMA“. Coverboys sind Männer, die für EMMA (freiwillig und umsonst) Abo-Werbung gemacht hatten, darunter Götz George, Thomas Gottschalk, Til Schweiger, Norbert Blüm und Udo Lindenberg.

3. April 1998 Mit einer Pressekonferenz in Bonn tritt der von Alice Schwarzer initiierte Spitzenpolitikerinnen-Kreis an die Öffentlichkeit. Die 15 Frauenpolitikerinnen, die allen Parteien angehören (darunter Rita Süßmuth/CDU, Christine Bergmann/SPD, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger/FDP und Rita Grießhaber/Grüne) erklären u.a.: „Pornografie ist sexualisierter Frauenhass“.

27. September 1998 Rot-Grün gewinnt die Bundestagswahl. Auf Papa Kohl folgt nun das smarte Duo Schröder/Fischer. Politikerinnen, die auf mehr Partizipation und eine fortschrittliche Frauenpolitik gehofft hatten, werden vom Macho-Duo beiseitegedrängt. Am 13. Oktober treffen sich Spitzenpolitikerinnen und beraten Gegenstrategien. EMMA titelt mit dem „Aufstand der Frauen“. Aber die Frauen bleiben für die rot-grünen Alphamänner „Gedöns“ (Schröder).

18. Dezember 1998 Die Medien titeln: „Schröder gibt Signal für Abtreibungspille!“ Dieses Signal, das den Weg für die RU 468 freimacht, gibt der Kanzler in einem Brief an EMMA. Die Pille, die als schonendste Abtreibungs-Methode in anderen Ländern längst freigegeben ist, wurde in Deutschland jahrelang von Kirchen und Konservativen verhindert. Schröder: „Die Bundesregierung würde es begrüßen, wenn auch Ärzten und Frauen in Deutschland die Möglichkeit eröffnet würde, zwischen chirurgischen und medikamentösen Methoden wählen zu können.“ Damit kann die Pille, die Frauen einen Schwangerschaftsabbruch per Ausschabung erspart, auch in Deutschland vertrieben werden.

März 1999 EMMA berichtet über eine coole Idee aus den USA: den „Take Our Daughters to Work Day“. Immer am letzten Donnerstag im April nehmen Väter, manchmal auch Mütter, ihre Töchter mit zur Arbeit. Sie sollen sehen, dass sie alles werden können: Pilotin, Physikerin oder Professorin; Architektin, Ärztin oder Astronautin. EMMA trägt die Idee an PolitikerInnen, LehrerInnen und Gewerkschaften heran. Am 26. April 2001 startet Hamburg mit dem „GirlsDay“. 5 000 Mädchen machen mit. Der GirlsDay nimmt Fahrt auf. Heute sind fast 10 000  Unternehmen und rund 1,7 Millionen Mädchen beim GirlsDay dabei.

28. Juni 2001 Alice Schwarzer und Verona Feldbusch treffen bei Kerner zum „Fernsehduell“ aufeinander. „Kopf gegen Körper“ schreiben die Medien. 3,6 Millionen ZuschauerInnen sehen zu, bei EMMA treffen Tausende Mails, Faxe und Briefe ein. Noch jahrelang wird heftig diskutiert, wer gesiegt hatte: Alice oder Verona?

September 2001 EMMA startet – ein Jahr vor der Bundestagswahl - eine Kampagne für Ganztagsschulen und -kindergärten. Wir berichten über Beispiele aus Frankreich und Skandinavien und versuchen, das Klischee von der Ganztagsbetreuung als „sozialistische Verwahranstalten“ zu widerlegen. EMMA holt LehrerInnen und PolitikerInnen ins Boot. Die Stimmung kippt. Im Wahlkampf verspricht Kanzler Schröder schließlich vier Milliarden Euro für den Ausbau von Ganztagsschulen.

11. September 2001 Der islamistische Terrorismus erschüttert die Welt. Die USA marschieren in Afghanistan ein. In ihrer November/Dezember-Ausgabe titelt EMMA mit Osama bin Laden und George W. Bush. In einer weiteren Titelgeschichte („Die neuen Helden“) beklagt EMMA das Wiedererstarken von Männerwahn und Militarismus. Schwarzer kritisiert in aller Schärfe den Interventionskrieg der USA im Irak.

19. Oktober 2001 Die rot-grüne Koalition verabschiedet das Prostitutionsgesetz. Es hebt die „Sittenwidrigkeit“ der Prostitution auf und soll Prostitution zum „Beruf wie jeder andere“ machen. EMMA hatte im Vorlauf vielfach gewarnt: „Das Gesetz wird nur den Zuhältern und Frauenhändlern nutzen!“ Vergebens. Hier stoßen auf das zuhälterfreundliche rot-grüne Gesetz an: Frauenministerin Bergmann (SPD), Bordellbetreiberin Weigmann und Kerstin Müller (Grüne).

1. Januar 2002 Das „Gewaltschutzgesetz“ tritt in Kraft. Ab jetzt werden prügelnde Männer von der Polizei der Wohnung verwiesen. EMMA, die ein so genanntes „Wegweisungsgesetz“ nach österreichischem Vorbild schon lange gefordert hatte, berichtet in einer ausführlichen Reportage.

26. Januar 2002 EMMA wird 25. Eine Allensbach-Umfrage anlässlich des Geburtstags ergibt: Würde Alice Schwarzer eine Partei gründen, würden 20 Prozent sie „bestimmt“ oder „vielleicht“ wählen, darunter 29 Prozent der befragten Frauen.

September 2005 In der Ausgabe zur Bundestagswahl fragt Alice Schwarzer die Noch-Nicht-Kanzlerin im Interview: „Warum sollten wir Sie wählen, Frau Merkel?“ In derselben Ausgabe kritisieren Frauenpolitikerinnen der Union (darunter Rita Süßmuth und Ursula Männle) das eigene Wahlprogramm, u.a. das Ehegattensplitting. Nach dem halluzinanten Auftritt des Wahlverlierers Schröder in der Elefantenrunde, in der er die Kanzlerschaft trotz Niederlage für sich beansprucht (Schwarzer: „Ein Mann sieht rot.“), beginnt ein wochenlanger Wahl-Krimi. Am 22. November 2005 wird Merkel schließlich doch noch als Bundeskanzlerin vereidigt.

Dezember 2006 Das „Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ soll nur der männlichen Homosexuellen gedenken. Der Film im Inneren des Betonkubus zeigt ausschließlich küssende Männer. EMMA startet eine Kampagne gegen die historisch falsche Entscheidung der Jury. 1 500 MitstreiterInnen, von Ulrike Folkerts bis Ralf König, unterschreiben den Appell für die Präsenz auch von homosexuellen Frauen im Homomahnmal. Der Protest hat Erfolg: Am 26. Januar 2012 weihen Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Verfassungsrichterin Susanne Baer den neuen Film ein. Er zeigt jetzt fünf küssende Paare – darunter zwei Frauenpaare. 

Kein Homo-Mahnmal ohne Lesben!
Kein Homo-Mahnmal ohne Lesben!

Dezember 2007 Gesundheitsministerin Ulla Schmidt startet, gemeinsam mit EMMA, die Kampagne „Leben hat Gewicht“. Die nimmt vor allem die lebensgefährlich dürren (Vor-)Bilder in Mode und Werbung ins Visier. Am 11. Juli 2008 unterzeichnen die deutschen Mode-Dachverbände einen „Kodex gegen den Schlankheitswahn“: Sie verpflichten sich, das „gesundheitsschädigende Körperbild“, das Magermodels vermitteln, zu „korrigieren“.

Dezember 2008 Zum 90-jährigen Jahrestag des Frauenwahlrechts in Deutschland gibt EMMA das Buch „Damenwahl“ heraus. Darin erzählt EMMA-Redakteurin Chantal Louis die aufregende Geschichte des internationalen Kampfes der Suffragetten für das Frauen-Stimmrecht. Kanzlerin Merkel veranstaltet einen offiziellen Festakt zu 90 Jahre Frauenwahlrecht im Kanzlerinnenamt. Alice Schwarzer feiert in der ersten Reihe mit. Daraufhin tritt ein Mann aus Protest aus der CDU aus.

Oktober 2013 EMMA startet den Appell „Prostitution abschaffen!“ Wir fordern: Endlich eine Reform des Prostitutionsgesetzes, die Frauen in der Prostitution tatsächlich schützt! 90  ErstunterzeichnerInnen aus Politik, Wissenschaft und Kultur sind dabei, 12 000 weitere UnterzeichnerInnen folgen. Die Medien berichten breit, eine gesellschaftliche Debatte beginnt. Die schwarz-rote Koalition nimmt die Reform des Prostitutionsgesetzes in den Koalitionsvertag auf. Der Berg kreißt lange – und gebiert eine Maus. Die SPD hat, unter dem Einfluss der Prostitutionslobby, eine echte Reform verhindert. Auf Kosten von Hunderttausenden Armutsprostituierten. Aber der Blick auf die Prostitution ist ein anderer geworden.

März 2015 Am 7. Januar 2015 überfallen islamistische Attentäter die Redaktion von Charlie Hebdo und ermorden elf Menschen. Ein weiterer Attentäter nimmt Geiseln in einem jüdischen Supermarkt. EMMA titelt mit muslimischen Frauen und Männern. Sie fordern: „Wir wollen einen fortschrittlichen und aufgeklärten Islam!“

März 2015 EMMA schreibt als erstes Medium in Deutschland über sexuelle Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingsunterkünften und fordert mehr Schutz für Mädchen und Frauen. Uns wird deswegen, vor allem aus der Linken, „Rassismus“ vorgeworfen.

März 2016 EMMA titelt mit dem Protest der Frauen gegen die kollektive Gewalt in der Silvesternacht. Bereits ab dem 4. Januar hatte EMMA online berichtet. Über die Fakten: dass die Täter vor allem „arabisch aussehende Männer“ waren und die Parallelen zur öffentlichen Gewalt gegen Frauen in islamischen Ländern. Daraufhin wurde uns „Rassismus“ vorgeworfen. Inzwischen hat sich unsere Analyse bestätigt: Es waren Männer, die, die Frauen mit sexueller Gewalt aus dem öffentlichen Raum verjagen wollen. Alice Schwarzer gab im Mai dazu das Buch „Der Schock“ heraus.

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