Humboldt-Uni cancelt Vortrag

Marie-Luise Vollbrecht hat ihren Vortrag doch noch gehalten, auf youtube.
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Wollte Marie-Luise Vollbrecht in ihrem Vortrag transsexuellen Menschen ihre Rechte absprechen? Wollte sie die Existenz von Transsexualität leugnen? Wollte sie gar zum Hass gegen Transmenschen aufrufen? Nein. Die Biologin, die gerade an der Humboldt-Universität zum Thema schwach-elektrische Fische promoviert, wollte in der „Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag über die Frage halten, „warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“. Doch das wurde verhindert. Zunächst.

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Der „arbeitskreis kritischer jurist*innen“ (akj) rief zu einem „Gegenprotest“ auf. Begründung: Die „Behauptung“, in der Biologie gäbe es nur zwei Geschlechter, sei „unwissenschaftlich“ und außerdem „menschenverachtend und queer- und trans*feindlich“.

Die „Behauptung“, in der Biologie gäbe es nur zwei Geschlechter, sei „transfeindlich“

Stellte sich nun die Humboldt-Uni vor ihre Doktorandin? Sorgte sie für Schutz? Stand sie dafür ein, dass Marie-Luise Vollbrecht ihren Vortrag halten konnte? Nein. Die Universität sagte den Vortrag ab: aus „Sicherheitsgründen“. Die Aktivist*innen haben ihr Ziel erreicht.

Was steckt hinter dem Protest gegen die Biologin? Marie-Luise Vollbrecht ist eine von fünf VerfasserInnen eines Aufrufs, in dem sie Ende Mai die einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien über das Thema Transsexualität kritisiert hatten. „Wir fordern eine Abkehr von der ideologischen Betrachtungsweise zum Thema Transsexualität und eine faktenbasierte Darstellung biologischer Sachverhalte nach dem Stand von Forschung und Wissenschaft“, hatten die AutorInnen erklärt.

Der Aufruf wurde von über 100 WissenschaftlerInnen u.a. aus Medizin, Biologie oder Sozialwissenschaften sowie PsychologInnen und PsychotherapeutInnen unterzeichnet. Der Aufschrei gegen das „transfeindliche Pamphlet“ ließ nicht lange auf sich warten.

Einschüchterungsversuche der trans Lobby häufen sich leider auch in Deutschland

Marie-Luise Vollbrecht ist nicht nur Biologin, sondern auch laut Eigendefinition „sehr links“ und Feministin. In einem Interview mit dem Autonomie-Magazin erklärte sie, warum sie den Aufruf unterzeichnet hatte. Frage: „Warum ist Zweigeschlechtlichkeit nicht egal?“ Antwort: „Warum ist es nicht egal, dass die Erde keine Scheibe ist? Weil Ideologie nichts in der Wissenschaft zu suchen hat. Weil es entscheidend für die medizinische Forschung ist. Weil es nötig ist, das politische Subjekt der Frau sichtbar zu machen, welches juristisch nicht mal 100 Jahre als gleicher Mensch gilt und in vielen Teilen der Welt immer noch nicht.“

Und Vollbrecht hatte erklärt: „Wenn eine Frau dagegen aufbegehrt, und sei es, dass sie nicht glaubt, dass Männer per Sprechakt zur Frau werden können, oder wenn sie darauf besteht, frauenzentrierten Aktionismus zu betreiben, dann ist sie nach queerfeministischem Verständnis menschenfeindlich. Die Ablehnung des Glaubensbekenntnisses ist die moralische Rechtfertigung einer Hexenjagd.“

Keine zwei Wochen nach Erscheinen des Interviews wird die Biologin selbst zum Opfer einer solchen Hexenjagd. Solche – oft erfolgreichen – Einschüchterungsversuche häufen sich leider auch in Deutschland.

Den Vortrag von Vollbrecht haben inzwischen über 77.000 Menschen gesehen

Und die Transaktivisten und ihre Allies sind nicht zimperlich. In Köln beschmierten sie den FrauenMediaTurm, den Sitz der EMMA-Redaktion, mit dem Spruch „EMMA-TERFs ins Klo“. In Halle besprühten sie das Frauenzentrum „Dornrosa“ mit dem Spruch „TERFs boxen“ und auf dem Kölner Dyke March boxten sie tatsächlich: Eine Gruppe Frauen hatte sich an einer Unterführung, unter der der Dyke March entlanglief, mit Plakaten postiert: „Lesbe = homosexuelle Person weiblichen Geschlechts“ stand dort und „Lesbe = homosexuell, nicht queer“. Eine Regenbogenfahne mit den Buchstaben „LGB“ (ohne T) sollte zum Ausdruck bringen, dass Homorechte und Transrechte nicht zwingend identisch sind.

Die Frauen wurden angegriffen, gestoßen und geschüttelt, ihre Transparente weggenommen. Plakate anderer Dyke March-Teilnehmerinnen, auf denen „Fuck TERFs“ stand, blieben hingegen unbehelligt. „Lesbenräume verschwinden – dafür steht auch der Dyke March als Paradebeispiel“, twitterten die Protestierenden von der Womens Declaration International (WDI).

Marie-Luise Vollbrechts Vortrag hat trotz aller Proteste doch noch stattgefunden – auf youtube. Inzwischen haben ihn über 77.000 Menschen gesehen. Wer seine Kenntnisse über die geschlechtliche Fortpflanzung von Pflanzen und Tieren, sein Wissen über diploide und haploide Keimzellen aus dem Biologieunterricht auffrischen möchte, der und die ist hier richtig. Auch die Frage, warum Kiwibäume und Seeigel zwar ein Geschlecht (sex), aber keine Geschlechtsidentität (gender identity) haben, wie zuweilen fälschlicherweise von Medien behauptet, erklärt die Biologin einleuchtend. Von Transsexualität ist im gesamten Vortrag übrigens nicht mit einem Wort die Rede. 

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