„Little Women“: Großes Kino!

Drei der vier Schwestern, Mitte: Saiorse Ronan als rebellische Jo. - Foto: Wilson Webb/ 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland
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Ja, dies ist die siebte Verfilmung des berühmten Buches von Louisa May Alcott. Stimmt, selbst wenn man keine davon gesehen hat, weiß man grob, worum es geht: Vier Schwestern, deren Vater im amerikanischen Bürgerkrieg kämpft, werden - ohne Mann im Haus - erwachsen. Das klingt nach einem mäßig spannendenden Kinoabend? Von wegen! Hier kommen sieben Gründe, warum man dennoch unbedingt in „Little Women“ von Greta Gerwig gehen sollte:

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1. Dieser Film verhandelt ein brandaktuelles Thema: die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Josephine, genannt Jo, wird schließlich die einzige der vier March-Schwestern sein, die eigenes Geld verdient: als Schriftstellerin. Meg (Emma Watson), die älteste, die einen schlecht verdienenden Hauslehrer heiratet, entscheidet sich damit für ein Leben in Armut. Die Szene, in der sie ihren Mann um Geld für ein neues Kleid bitten muss, ist eine der berührendsten des Films.

Und Greta Gerwig weiß, dass dieses Problem auch 150 Jahre später weit davon entfernt ist, gelöst zu sein. „Ich höre immer, ihr Frauen habt doch jetzt so viel erreicht. Ja, das stimmt“, sagt die Regisseurin, die auch das Drehbuch schrieb. „Aber was wirtschaftliche Macht betrifft, sind uns die Männer immer noch um sieben Jahrhunderte voraus.“ Als sie „Little Women“ vor einigen Jahren noch einmal gelesen habe, sagt Gerwig, „war ich fast erschrocken darüber, wie modern es ist“. Leider hat sie recht.

Greta Gerwig macht Filme über eigenwillige Frauen.
Regisseurin Greta Gerwig

2. Greta Gerwig. Die 37-Jährige kommt aus der Independent-Szene und hat als Drehbuchautorin und Schauspielerin mit eigenwilligen Filmen („Greenberg“,„Frances H“) über eigenwillige Frauen schon immer gemacht, was sie wollte. Und das so gut, dass sie jetzt in der A-Liga spielt - und jetzt erst recht mit eigenwilligen, feministischen Statements auffällt.

3. Die Frauen. Was für ein quirliger, (meist) gut gelaunter Frauenhaufen im Hause March! Eine rein weibliche Community, die sich aneinander freut und auf Gedeih und Verderb zusammenhält. Wann sieht frau das schonmal auf der großen Leinwand?

4. Die Männer. Alles Frauenversteher, die die Schwestern ermutigen, ihren Talenten (schreiben, malen, Klavierspielen) zu folgen. Dass das nicht klappt, liegt am Patriarchat, aber nicht an diesen netten Jungs. „Es ist ja nicht so, dass das Patriarchat nur toll für Männer wäre“, sagt Gerwig - und zeigt uns solidarische Männer. Das freut das Feministinnenherz.

5. Das Ensemble. Allen voran die wunderbare Saiorse Ronan (dank Ellen DeGeneres wissen wir: Dieser irische Name spricht sich „Sörscha“), die für ihre Rolle als rebellische Jo absolut zurecht für den Oscar nominiert ist. Aber auch Emma Watson (Achtung: Titelgeschichte in der nächsten EMMA!) als Meg, Laura Dern als Mutter und natürlich Meryl Streep als grantelnde Tante sind eine wahre Freude.

6. Die Regie. Schwer zu glauben, dass dies erst Greta Gerwigs zweiter Film als Regisseurin ist. Gleich Gerwigs Erstling war 2019 für die Beste Regie oscarnominiert. „Ladybird“ war eine kleine, aber feine Coming-of-age-Geschichte. „Little Women“ ist mit seinen wilden Kamerafahrten, den verschachtelten Erzählebenen und der opulenten Ausstattung richtig großes Kino.

7. Der Oscar. Dennoch ist „Little Women“ nicht für die Beste Regie nominiert (es wäre die sechste Nominierung eines weiblichen Regisseurs in der Geschichte der Oscars gewesen). Doch immerhin sechs Mal in anderen Kategorien, unter anderem als bester Film. Man muss aber nicht besonders pessimistisch, sondern nur realistisch sein, um zu prophezeien: „Litte Women“ wird leer ausgehen. Denn zwar geht es in der Geschichte der March-Schwestern um absolut Existenzielles, allerdings leider nur um Frauenleben. Dagegen treten an: Männer im Ersten Weltkrieg, Männer in der Mafia, Männer als verzweifelte Mörder.

Die Feministin Greta Gerwig ist klug genug, das zu wissen. Sie hat es als Szene in ihren Film eingebaut. „Wen soll denn unser Leben schon interessieren?“ fragt Jo ihre Schwestern. Amy antwortet: „Vielleicht wird es wichtig, wenn es jemand aufschreibt.“

„Little Women“ wurde zu einem der meistgelesenen Bücher in den USA. Und jetzt hat Greta Gerwig die Geschichte der March-Schwestern noch einmal verfilmt. Weil sie wichtig ist.

Also: reingehen!

 

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