In der aktuellen EMMA

Krieg gegen Frauenkörper

Ihre Videos werden millionenfach angeklickt: YouTube-Stars Valeria Lukyanova und Anastasiya Shpagina.
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Unser Körper ist ein Schlachtfeld. Es ist ein Krieg mit unerwarteten KontrahentInnen und ungewissem Ausgang. Das Terrain des Körpers verändert sich. Neue Entwicklungen und Erkenntnisse erfordern neues Denken – #MeToo, Künstliche Intelligenz, Epigenetik, die Trans-Bewegung, das Einfrieren von Eizellen, Schönheits-OP-Apps für Sechsjährige, Selfies, Snapchat-Dysmorphie, die Kardashians, das Spiegelneuronensystem, InfluencerInnen, Black Lives Matter, Vergewaltigung als Kriegswaffe, Leihmutterschaft, Implantate, Sexpuppen.

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Zwei Trends stoßen aufeinander: die Schwierigkeit, in unserem derzeitigen Körper mit seinen vielen Dilemmata zu leben, und die Verheißung einer problemlosen, nahezu körperlosen Existenz in einer Zukunft, die durch Algorithmen, KI-Chemie und synthetische Biologie bestimmt ist. Und dann ist da noch die Dystopie, die die New York Times kürzlich in einem Editorial entworfen hat: die Wahrscheinlichkeit, dass ein konservativer Supreme Court die Rechte des Fötus über die der Mutter stellt. Womöglich könnten auch Trinken und Rauchen während der Schwangerschaft strafrechtlich verfolgt werden. Eine Frau, die sich einer Brustkrebsoperation unterziehen musste, erfuhr, dass ihr die Krebsbehandlung verweigert würde, wäre sie schwanger, da die Rechte des Fötus Vorrang hätten.

Youtoube-Star Johnsons Verwandlung in Barbie wurde 35 Millionen mal angeklickt

Soziale Medien bestimmen neu, was Interaktion heißt und was es bedeutet, gesehen und gehört zu werden. In solchen Zeiten wird auch der Körper zum Austragungsort von Kämpfen.

YouTube-Star Anastasiya Shpagina (Foto oben) aus Odessa, deren Make-up-Tutorial, wie sie sich als Miley Cyrus schminkt, fünf Millionen Mal aufgerufen wurde, und Kandee Johnson aus Los Angeles, deren Verwandlung in Barbie es auf 35 Millionen Aufrufe bringt, zeigen minutiös, wie man sich das Aussehen nahezu jeder prominenten Person zulegen kann, indem man Kosmetika, Filler und Hairstyling-Techniken so raffiniert einsetzt wie die besten MaskenbildnerInnen Hollywoods.

Auch bei uns vermarkten InfluencerInnen – das heißt Individuen, die auf Instagram und anderen Plattformen über ein Publikum von 30.000 Followern aufwärts verfügen – sich selbst und ihre Schönheitsund Körpergestaltungspraktiken. Diese Art von Arbeit wird nicht als Schönheitsarbeit anerkannt, ist aber genau das. Unter dem Begriff der Schönheitsarbeit müssen wir nicht nur die Werbetätigkeit der BloggerInnen verstehen, sondern die Arbeit, die wir alle verrichten, wenn wir uns zurechtmachen. Schönheitsarbeit gilt zunehmend als unabdingbar für Mädchen, Frauen und Männer. Die Frage ist: Warum?

Den ganzen Artikel in der März/April-Ausgabe lesen.

Susie Orbach ist Psychoanalytikerin in London und seit den 1980er Jahren die wichtigste Theoretikerin der Körperpolitik. Bereits 1984 veröffentlichte sie das "Anti-Diät-Buch". Sie war u.a. die Therapeutin von Lady Di. Der Text ist ein Auszug aus ihrem gerade erschienenen "Bodies - im Kampf mit dem Körper" (Arche Verlag).

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