In der aktuellen EMMA

Epstein-Komplizin verhaftet!

Jeffrey Epstein und Gishlaine Maxwell. Sie spürte für ihn die Mädchen auf. - Foto: Joe Schildhorn/Patrick McMullan via Getty Images
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Endlich! Endlich stehen die Opfer in der Netflix-Serie „Jeffrey Epstein: Stinkreich“ im Mittelpunkt. Und obwohl der Täter schillernd und faszinierend ist, entscheidet die Dokumen­tation sich radikal für die Opfer. Auf sie richtet sich die Kamera, ihnen hört Regisseurin Lisa Bryant zu; diesen jungen Frauen, die von Epstein seit Jahrzehnten manchmal über Jahre missbraucht und gefangen gehalten wurden. Gefangen in einem System der Einschüchterung, Gewalt und Abhängigkeit.

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Gleichzeitig begibt die Dokumentation sich auf die Spuren dieses unheim­lichen Netzwerkes von Geld, Macht und Einfluss, von dem Jeffrey Epstein nur die Spitze eines Eisberges zu sein scheint.

Dass die Opfer gehört werden, ist neu – und ausschließlich dem von der MeToo-Bewegung geschaffenen Klima zu verdanken. Wir erleben die Frauen verletzt und stark zugleich. Schon vor etwa 15 Jahren hatten die Hauptprotagonistinnen erstmals gewagt, ihr Schweigen zu brechen. Mit dem Resultat, dass – nach zähem Ringen von Polizei und Opferanwälten – Ep­stein 2008 zwar für „Zuhälterei und Missbrauch Minderjähriger“ verurteilt wurde; doch für seine Taten, für die jeder andere zu „lebenslänglich“ verurteilt worden wäre, bekam er lediglich 18 Monate. Davon saß er nur 13 und hatte ab dem ersten Tag Freigang. Denn der Arm seiner Gönner war soviel länger als der der Justiz. Zurück in New York gab Epstein erstmal eine Riesenparty und alle, alle kamen.

Das gesellschaftliche Klima hatte sich
dank MeToo verändert

Als Epstein am 6. Juli 2019 aus seinem Privatjet von Paris nach New York ausstieg, verhaftete ihn – nein, nicht die New Yorker Polizei, sondern das FBI. Ohne das veränderte gesellschaftliche Klima, in dem Opfer endlich ernstgenommen werden, wäre es wohl nie zu dieser zweiten Anklage gekommen und Epstein bis heute ein Partylöwe. 

Da ist es keine Überraschung, dass Ronan Farrow, der mit seinen Recherchen über Weinstein die MeToo-Bewegung ausgelöst hat, gerade wieder angegriffen und – ohne jegliche Beweise! – als unglaubwürdig diskreditiert wird. Das Imperium schlägt zurück.

Jeffrey Epstein im Polizeiverhör. Standardantwort: "Ich verweigere die Aussage." - Screenshot Netflix
Jeffrey Epstein im Polizeiverhör. Standardantwort: "Ich verweigere die Aussage." - Screenshot Netflix

Epstein war schon lange ein Kandidat fürs Gefängnis, eigentlich von Anfang an. Aber er scheint sein System der Erpressung früh perfektioniert zu haben. Die ersten Millionen machte der junge Investmentbanker mit einem betrügerischen Banker, der dafür 20 Jahre ins Gefängnis kam. Epstein passierte nichts. Um die nächsten 46 Millionen Dollar betrog er einen Milliardär, der ihn nie anzeigte. Warum nicht? Weil er ein Verhältnis mit Epstein hatte, vermuten die Opferanwälte.

Ab Anfang der 1990er Jahre baute Ep­stein sein System des Missbrauchs und Verschacherns Minderjähriger aus – und damit auch sein System der Erpressung seiner „Kunden“. Es waren immer Mädchen aus schwierigen Verhältnissen, oft schon früh missbraucht, manchmal sogar von den Eltern verkauft. Wie in dem Fall der drei 12-Jährigen aus Frankreich, die ein Freund als „Geburtstags­geschenk“ für Epstein einfliegen ließ.

Welche Rolle spielte Epsteins Gefährtin Ghislaine Maxwell?

Eine zentrale Rolle in dem System Epstein spielte Ghislaine Maxwell, die Tochter des unter mysteriösen Umständen 1991 gestorbenen zwielichtigen britischen Medien-Tycoons Robert Maxwell. Ab 1993 scheint sie seine Gefährtin gewesen zu sein. Sie führte ihn in die feine Gesellschaft ein und meist war sie es, die die Mädchen aufspürte und anlockte.

Das Muster war immer gleich: Sie sollten Epstein angeblich für 200 Dollar die Füße massieren. Einmal in Epsteins Anwesen angekommen, fanden sie den Hausherrn in der Regel nackt auf dem Bauch liegend auf einer Massageliege vor. Sie begannen mit der Massage der Füße – plötzlich drehte er sich um. Manchmal fasste er sie an und masturbierte, manchmal vergewaltigte er sie, gern auf besonders brutale und perverse Art. Ghislaine war in der Regel dabei. Sie streichelte gleichzeitig die Mädchen und sagte ihnen, es sei nichts dabei: „Alles wird gut.“ Manche Mädchen wurden angestiftet, für eine Prämie von 200 Dollar ihre Freundinnen anzuschleppen – sie fühlen sich bis heute schuldig.

Michelle Licata (li) und Courtney Wild auf dem Weg zum Gericht in New York. - Screenshot Netflix
Michelle Licata (li) und Courtney Wild auf dem Weg zum Gericht in New York. - Screenshot Netflix

Viele wurden auf Epsteins einsame Privatinsel in der Karibik geflogen, bei Einheimischen „die Pädophilen-Insel“ genannt. Dort hatten sie Epstein und seinen Gästen zur Verfügung zu stehen; darunter Prinz Andrew, der Sohn von Queen Elizabeth. Auch Bill Clinton wurde auf der Insel gesehen. Der Ex-Präsident streitet ab, je dort gewesen zu sein – im Logbuch ist er jedoch mit 26 Flügen verzeichnet. Auch Harvey Weinstein, Donald Trump und Woody Allen verkehrten mit Epstein. Die ganze feine Gesellschaft.

Ghislaine Maxwell ist seit der Verhaftung von Epstein und seinem Tod verschwunden. Ihr Zeugnis könnte viele mächtige Männer stürzen. Lebt sie noch? 

Nach dem Tod Epsteins bleiben zentrale Fragen weiterhin offen

Epstein wurde am Morgen des 10. August 2019 in der Zelle des New Yorker Untersuchungsgefängnisses tot aufgefunden. „Selbstmord“ lautet der offizielle Befund. Der jedoch wird von vielen bezweifelt. Die beiden Gefängniswärter „schliefen“ zufällig und die Kamera war ausgeschaltet. Ein von Epsteins Bruder beauftragter renommierter Pathologe, Michael Baden, erklärte, die Art von Zungenhalsbruch, die Epstein aufwies, sei quasi undenkbar bei Selbstmord.

Seit Epsteins Tod stellen sich drei Fragen: 1. Was wird mit den 578 Millionen Dollar, die er hinterließ? 2. Wo sind die zahllosen Videobänder von seinen Kunden, die er heimlich filmte?  3. Werden die Mittäter jemals zur Rechenschaft gezogen werden?

Sarah Ronsome, Virginia Guiffre und Maria Farmer erheben ihre Stimmen. - Netflix
Sarah Ronsome, Virginia Guiffre und Maria Farmer erheben ihre Stimmen. - Netflix

Die zentralen Opfer, deren Aussagen Epstein zu Fall brachten, waren oft weit weg geflohen: in die Berge von Colorado, nach Spanien, bis Australien. Doch Ende August 2019 waren sie alle nach New York gekommen, um ihrem Peiniger in die Augen zu sehen. Über Epsteins Tod waren sie enttäuscht und wütend. 

Richter Richard Berman berief die Frauen für eine Zeuginnen-Vernehmung ein, obwohl der Angeklagte tot ist. Er wollte diesen „Überlebenden“, wie sie sich selber nennen, Gelegenheit zur Genugtuung verschaffen. Sie kamen alle: Virginia, Sarah, Chauntae, Courtney und die anderen. Und sie weinten vor Glück. Endlich. 

Alice Schwarzer

 

 

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"Epstein wurde ermordet"

Mikro und Kamera liefen noch, als Robach sprach. Die Aufnahme wurde der Internet-Enthüllungsplattform "Project Veritas" zugespielt.
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Amy Robach ist die Anchor-Woman des amerikanischen TV-Senders ABC News. Sie macht gerade Furore mit einer Sendung, die von ihr eigentlich gar nicht gewollt war. Robach sprach nach einer Live-Sendung mit einer anderen Person über den Fall Jeffrey Epstein in dem Glauben, das Mikro sei abgeschaltet. War es aber nicht. Das Band wurde der Internet-Enthüllungsplattform "Project Veritas" zugespielt – und die packen jetzt aus.

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Amy Robach sagt darin, sie hätte den Fall Epstein schon vor drei Jahren voll recherchiert und sei stinksauer („very pissed“), dass man sie gehindert habe, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Wer hat sie gehindert? Das englische Königshaus und weitere gutplatzierte Kräfte. Warum? Weil das, was Robach weiß, sehr, sehr unangenehm werden könnte für so manchen.

"Wir hatten Clinton,
wir hatten alles..."

Robach hatte eine Zeugin, Virginia Roberts (heute Guiffre), aufgetan, die zwölf Jahre lang untergetaucht war; eines der von Epstein missbrauchten und verkauften Mädchen. „Sie hatte Bilder, sie hatte alles, zwölf Jahre lang hatte sie sich versteckt. Wir haben sie überzeugt, rauszukommen und mit uns zu reden. Was wir hatten, war unglaublich. Wir hatten Clinton, wir hatten alles… Dann fand das Königshaus heraus, dass wir Anschuldigungen gegen Prinz Andrew hatten, und bedrohte und auf mannigfaltige Weise.“

Robach weiter: „Epstein war der schlimmste Pädophile, den Amerika je hatte.“ Und er hat bei seinem Geschäft, dem Schachern mit Minderjährigen, seine Kunden nicht nur zahlen lassen, sondern sie dann auch damit erpresst. Robach: „Sein Leben war auf Erpressung aufgebaut.“

Von einem in der Ausstrahlung unsichtbaren Gesprächspartner befragt, antwortet die in den USA sehr bekannte Journalistin: „Ich gehe zu 100 Prozent davon aus, dass Epstein ermordet wurde!“

Das deckt sich mit der Information, die jüngst durch die Medien ging. Der bekannte Pathologe Michael Baden widersprach dem Ergebnis der offiziellen Obduktion des am 10. August 2019 in seiner Gefängniszelle tot aufgefundenen Untersuchungshäftlings. Der 85-jährige Mediziner, der einst auch an den Untersuchungen der Attentate auf Kennedy und Martin Luther King beteiligt war, verwies auf die Knochenbrüche auf beiden Seiten von Epsteins Hals, die typisch für Erwürgen seien. „‘In den vergangenen 50 Jahren habe ich solche Brüche kein einziges Mal bei einem Suizid gesehen‘, sagte Baden, der mehr als 20.000 Obduktionen leitete“, berichtet die FAZ.

Pathologe Baden fand Hinweise auf Erwürgen

Amy Robach spricht auch über Epsteins Freundin Ghislaine Maxwell. „Sie weiß alles“, sagt sie und müsse sich warm anziehen. „Sie ist in Lebensgefahr.“

In den USA sind Robachs Enthüllungen seit dem 5. November Breaking News. Das Projekt Veritas macht daraus jetzt eine regelrechte Kampagne und fordert seine Zuschauer auf, sich zu melden, wenn sie mehr wüssten: Wer hat verhindert, dass die Informationen von Amy Robach an die Öffentlichkeit kamen? Wer hatte einen Nutzen davon? fragt der Sender. Gute Frage.

Die gilt auch für das bisherige Schweigen in Deutschland, wo bisher nur wenige kleine Blätter berichteten.

Wer hat ein Interesse daran, dass Robach schweigen musste? Und wer, dass Epstein nicht mehr reden kann?

 

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