Kunstfreiheit oder Hasspropaganda?

Protest vor dem E-WerK: rechts Kabarettist Jürgen Becker, neben ihm der grüne Bürgermeister Andreas Wolters. Foto: Bettina Flitner
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„Keine Frauenhasser und Antisemiten in unserer Stadt!“, „Schäm dich, E-Werk!“, „Kollegen wie dich will niemand!“ – das skandierten Demonstrierende am Dienstagabend vor dem Kölner E-Werk. Anders als Rastatt hat es Köln nicht geschafft, das Konzert des Hassrappers Kollegah zu verhindern. Besser gesagt: Das E-Werk wollte dann doch lieber Kohle sehen statt Kante zeigen.

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Elfi Scho-Antwerpes: "Das ist keine Kunst, das ist der blanke Hass"

Das machten dafür zahlreiche BürgerInnen, PolitikerInnen, Queer-AktivistInnen und natürlich das EMMA-Team. Allen voran Angelika Mallmann, die den Preis in die Kameras von WDR & Co. hielt: die gemeine Stinkmorchel, Pilz des Jahres 2019. Darüber lachte auch Kabarettist Jürgen Becker: „Das ist doch mal ein angemessener Preis!“ Aber der Frontmann der „Mitternachtsspitzen“ fand auch ernste Worte: „Ich finde ja eigentlich, man darf solchen Menschen nicht so viel Präsenz geben, aber es einfach so hinnehmen, geht natürlich auch nicht. Deswegen bin ich ja hier.“

Auch Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) war empört: „Das ist keine Kunst, das ist der blanke Hass. Eine Stadt wie Köln darf Frauenhassern und Antisemiten keine Bühne bieten.“  Bürgermeister Andreas Wolter von den Grünen sieht das genauso: „Gegen Menschen wie Kollegah müssen wir alle zusammen ein Zeichen setzen. Das können wir nicht hinnehmen. Dieser offene Hass gegen Homosexuelle, Menschen jüdischen Glaubens und vor allem gegen Frauen darf nicht als Kunst toleriert werden!“

EMMA-Redakteurin Chantal Louis im Interview. - Foto Bettina Flitner
EMMA-Redakteurin Chantal Louis im Interview. - Foto Bettina Flitner

Und die Fans? „Ich steh jetzt auch nicht total dahinter, aber ich sehe das locker“, sagt einer von ihnen in die Fernsehkameras. „Kollegah meint das ja alles mehr so aus Spaß“, sagt ein anderer, ungefähr 16-jähriger Fan, auch das mit dem Holocaust, sei mehr nur aus einem „Battle“ entstanden. „Juden gibt’s doch eh nicht mehr in Deutschland“, glaubt er scherzen zu können. Und was sagt seine Freundin dazu? „Das Frauenbild von Kollegah ist schon echt ganz schön krass, aber das machen ja viele Rapper so, die wollen halt cool sein“.

Ein großes Rudel scheint das selbsterklärte Alpha-Männchen Kollegah zumindest nicht versammelt zu haben: Maximal 400 – zu 95 Prozent männliche - Konzertbesucher kamen ins E-Werk, das 2.000 Menschen fasst. Die meisten von ihnen sahen übrigens nicht wirklich „Alpha“ aus, wie ihr „Boss“ Kollegah, sondern wie ganz normale Jugendliche, denen man sagen möchte: „Mach mal die Jacke zu, ist kalt hier!“

Ob Kollegah und seine Fans ordentlich Spaß hatten beim Hassrappen über Frauen, Juden und Homosexuelle? Ob sie das lustig fanden? Nein, gar nichts ist lustig. Aus Worten werden Taten. Und da Kollegah nicht vor die Tür kommen wollte, steht sie nun hier, unsere Preisrede zum „Sexist Man Alive Award“ 2019:

Der EMMA-Award "Sexist Man Alive" 2019 an Kollegah.
Der EMMA-Award "Sexist Man Alive" geht in diesem Jahr an Kollegah.

Sehr geehrter Herr Blume alias Kollegah,

EMMA verleiht diesen „Sexist Man Award“ zum ersten Mal. Er ist eine Nachbildung – nein, nicht was Sie denken. Er ist eine Nachbildung der Stinkmorchel (die in diesem Jahr übrigens der „Pilz des Jahres“ ist).

Sie rappen „Leute verwechseln öfter meinen Genitalbereich mit der Frontansicht eines Elefantenbabys“. Tatsächlich? Uns scheint die Stinkmorchel Ihrer Realität doch etwas näher zu kommen.

Natürlich darf über all das auch gelacht werden. Gleichzeitig aber ist es ernst. Denn Sie bekommen diesen Award für den Hass, den Sie in Ihren Songs propagieren. Hass auf Frauen. Hass auf Juden. Hass auf Homosexuelle. Und das ist eine bitterernste Sache.

Ihre Fans, die Jugendlichen, sind in dem Alter leicht beeinflussbar. Und deren Eltern und Lehrer ahnen oft gar nicht, was Sie, Kollegah, ihren Jungs so reindrücken.

„Aus Worten werden Taten.“ Das hat der Bundespräsident apropos des Attentates in Halle gesagt. Auf Ihrer Spur gibt es keine Toten. Noch nicht. Aber in Ihren Songs ficken Sie Frauen zu Tode, hetzen die Hunde auf Homosexuelle und inszenieren einen “Holocaust“ auf dem nächsten Parkplatz. Schon Ihre Worte sind Taten.

EMMA überreicht Ihnen diesen Award also nicht als Ehrung, sondern als Mahnung. Als Mahnung gegen den Hass – und für die Menschlichkeit.

Die EMMAs

 

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