EMMA-Reporterin im Pascha

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Nur fünf, sechs Kilometer von der EMMA-Redaktion entfernt steht das nach eigenen Angaben „größte Bordell Europas“, das Pascha. Frauen haben keinen Zutritt. Es sei denn, sie mieten ein Zimmer und schaffen an. Als Jüngste (und Blondeste) in der Redaktion werde eines Nachmittags ausgerechnet ich genau dazu auserkoren: „Du bewirbst dich da einfach mal als Mieterin!“

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In Deutschland, wo selbst Frauenzeitschriften wie Brigitte die Prostitution zum Trendberuf erklären, zum „Reservat, in dem Sex mit Neugierde und Leichtigkeit erlebt werden kann wie kaum irgendwo sonst“, dürfte das doch eigentlich gar kein Problem sein, oder? Und Prostitution ist ja auch kein „Ausbildungsberuf“, wie das die Grünen tatsächlich mal gefordert haben. Ich könnte also durchaus … Und es hilft in der Tat auch kein Sträuben: Ich werde von den Kolleginnen schlicht dazu verdonnert.

Es kostet mich in den Tagen darauf eine gewisse Überwindung, bis ich an einem stillen Wochenende zuhause beherzt die Internetseite des Pascha anklicke: „Wir senken die Preise, nicht die Qualität!“, steht da. Für 30 Euro gibt es 15 Minuten Geschlechts- oder Oralverkehr im Express-Gang auf der ersten Etage. Von 9 bis 15 Uhr im Angebot: „Gratisnummern“. Außerdem: Gratiszugang für „Senioren“ ab 66, für Geburtstagskinder und Bräutigame auf Junggesellenabschied (für die aber nur freitags). Alle anderen müssen unter der Woche 30, am Wochenende 35 Euro Eintritt für den ­Pascha Nightclub zahlen. Inklusive Alkohol, Stripshow und allem Pipapo. Vom Nachtclub ist es nicht weit ins Laufhaus nebenan. Das kostet fünf Euro Eintritt. Oder bis zum „Club 11. Etage“, dem „Gentleman-Club“ im Pascha, der „FKK“-Etage. Die kostet 60 Euro Eintritt. 800 Freier kommen im Schnitt täglich ins Pascha, am Wochenende sind es oft über 1000 pro Tag.

Ich klicke weiter und sehe das Foto einer Frau im Handstand. Die Beine spreizt sie breit auseinander. Eine andere hockt dahinter und leckt ihr die Klitoris. Ich klicke auf Pascha Livecam und sehe sehr viele Frauen, die ihre Brüste in die Kamera halten. Titel: „Amateure live vor der Webcam“. Eigentlich sind es ausschließlich Amateurinnen, die hier dazu auffordern, im Chat die „versautesten Phantasien“ auszuleben. Ein Klick weiter, auf das Foto einer halb-nackten Frau mit Krankenschwester-Haube, die auf einem Gynäkologenstuhl kniet, ihr ragt ein Schlauch aus dem Hintern. Jetzt bloß nicht nervös werden. Ich klicke weiter auf die Seite „Für ­Mieterinnen“. Sieh an!

Das Pascha sichert mir „gut verdientes Geld“ im „sichersten Bordell Europas“ zu und umwirbt mich: „Du bist mindestens 18 Jahre alt. Du bist aufgeschlossen und hast keine Berührungsängste mit dem Rotlichtgewerbe. Deine Leidenschaft ist es, Männern zu Inspiration und Freude zu verhelfen. Bewirb dich bei uns über das Kontaktformular oder rufe uns gleich an und komm bald vorbei, um dich vorzustellen.“ Europas „erfolgreichstes Bordell“ mit mir per du.

Eine Woche später nimmt mein Alter Ego „Nicole“ Kontakt mit dem Pascha auf. Nicole ist 28 Jahre alt, also vier Jahre jünger als ich. Sie hat Germanistik studiert und Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Das Arbeitslosengeld reicht nicht aus, um Wohnung, Versicherungen, Essen und ein bisschen mehr zu finanzieren. Neuerdings bieten ihr auf Partys Typen schon mal Geld für Sex an. So kommt sie auf den Gedanken, es mal als Prostituierte zu probieren.

Doch Nicole hat auch durchaus Tabus, wie die meisten Frauen. Sie will auf keinen Fall Analsex und auch keinen Sex ohne Gummi. Was sie will ist: Die Sache jetzt durchziehen. Für maximal ein Jahr. Bis sie einen Job hat. Mein Handy mit der Prepaidkarte liegt seit einer Stunde unangerührt auf dem Küchentisch, daneben der Zettel mit der Pascha-Nummer: 0221/17906100. Okay, ich tu’s! Ich ruf an …

Es meldet sich ein Mann. „Ich habe gehört, dass ihr Mieterinnen sucht“, sage ich. „Club oder Laufhaus?“ Auf diese Frage bin ich nicht vorbereitet. „Club“, antworte ich verunsichert. Klingt irgendwie besser. Ich werde durchgestellt, diesmal meldet sich eine Frau, die so aufgeräumt plappert wie Heidi Klum bei Germany’s next Top Model. „Oh, wenn du ein Zimmer willst, bist du hier falsch, da musst du ins Laufhaus!“

Was denn Club überhaupt bedeute, will ich wissen. „Also, im Club in der elften Etage stehen die Mädchen an der Bar und werden von den Männern angesprochen. Und wenn es dann zum … nun ja … kommt, gehen sie mit den Männern auf ein Zimmer, das frei ist. Im Laufhaus mieten sie ihr eigenes Zimmer und arbeiten selbstständig.“ – „Klingt irgendwie besser“, sage ich, diesmal entschlossen. Die Frau stellt mich auf Warteschleife.

Es meldet sich wieder der Mann, offenbar in Eile. „Hast du schon mal als Prostituierte gearbeitet?“ – „Ich hatte Angebote.“ – „Bist du über 18.“ – „Ja.“ – „Wo kommst du her?“ – „Aus dem Umland.“ – „Also pass auf, es läuft so: 150 Euro Kaution, 160 Euro Miete pro Tag. Die Miete muss täglich bis morgens um vier Uhr gezahlt sein. Bei Auszug stehen 40 Euro Reinigungskosten an.“

Einen Vertrag gebe es nicht, aber ich müsse meinen Ausweis vorzeigen. Der Auszug sei jederzeit möglich. Die Arbeit ginge auf eigene Verantwortung und auf eigene Rechnung. „Preisgestaltung ist deine Angelegenheit. In der Regel nehmen Frauen 50 Euro für eine normale Nummer“, sagt der Mann. „Kann ich mir das Haus mal anschauen?“ – „Klar, wir haben 24 Stunden geöffnet!"

160 Euro Miete? Das wären ja 4800 Euro im Monat. Für ein Zimmer. Bei einer Sieben-Tage-Woche wären das also mindestens drei „normale“ Nummern am Tag oder fünf „Express-Nummern“. Und dann habe ich noch nicht einmal was gegessen – von der Miete für eine Wohnung außerhalb der Bumsbude ganz zu schweigen.

Zur Einstimmung suche ich im Interne tnach Erfahrungsberichten von Mieterinnen. Über „Pascha + Bordell + Zimmer“ finde ich nur Freier, die sich in Online-Foren wiehuren24.info oder hurenforum.to gegenseitig informieren, ob jetzt die mit den „Mördermöpsen“ auf Zimmer 108 oder der „Optikfick“ auf Zimmer 521 geiler ist. Ausführlichere Tipps geben die Herren auch gerne:„Moin Mitficker. Was ist das Beste an einem Besuch in Köln? Ein Kurzbesuch in der Hornstraße. Also rüber ins Pascha. In Zimmer 406 habe ich Kim getroffen. Ein Kohleneimer wie er im Buche steht, weiße Fickmich-Stiefel an, weiße Dessous, ansonsten kohlrabenschwarz. Ach ja, dicke Titten und nen drallen Arsch hat sie ebenfalls. Sie fängt an zu blasen und ich widme mich ihren vorzüglichen Arschbacken (...). Dann ziehe ich sie in meine Richtung und setze mich auf meinen Arsch. Der Schwanz ist in ihrem Po und somit habe ich sie aufgepflockt. Endlich mal komplett im Negerarsch! Bezahlt habe ich 80 Euro.

Ich recherchiere: elf Stockwerke insgesamt. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger erläutert Pascha-Geschäftsführer Armin Lobscheid: Das Laufhaus habe 140 Zimmer auf sieben Etagen; sowie 70 Festangestellte, also Köche, Kellner und Reinigungspersonal. Plus 15 bis 30 „Tänzerinnen“ im Pascha Nightclub. Auf der Dachterrasse, die zum FKK-Club auf der elften Etage gehört, veranstaltet das Pascha schon mal Gang-Bang-Partys samt Amateur-Porno-Dreh. Der schwedische Filmemacher Svante Tidholm war für seine Dokumentation „Like a Pascha“dabei. Ein dutzend Freier in Bademäntelnund mit Masken umkreisen da transsexuelle Porno-Darstellerinnen und jeder durfte mal ran. Die Pascha-Kameraleute halten auf alles drauf. Also, da bewerbe ich mich lieber für's Laufhaus!

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