"Islamic Fashion" voll im Trend?

Selda Dasdan präsentiert ihre "modeste" Mode. Foto: Screenshot BR
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Es ist Sommer, in Deutschland tragen Frauen kurze Hosen und kurze Röcke. Der Bayerische Rundfunk, der zur öffentlich-rechtlichen ARD gehört, nimmt das zum Anlass, den "Gegentrend" zu zeigen: die "Modest Fashion", züchtige Mode. Zu Wort kommt in dem Beitrag eine islamistisch schwarz-verhüllte Betreiberin eines entsprechenden Shops in Nürnberg (Hier zur Reportage).

Kritische Fragen an die Inhaberin des Ladens - Fehlanzeige. Stattdessen darf Ehemann Ahmed Frauen mit Handy-Schutzhüllen vergleichen: „Eine Frau ist auch sehr wichtig mit allen Körperteilen und muss geschützt werden. Sie sollte kein Objekt für andere Männer sein.“ Dann spaziert ganz zufällig eine "aufgeschlossene" Nürnbergerin herein, die zwar keine "kulturelle Aneignung" betreiben möchte, aber "im Alter" nicht mehr so viel Haut zeigen möchte und sich freut, dass diese Mode auch für sie was sei… 

Zu guter Letzt deutet der Bayerische Rundfunk die Vollverschleierung als neue Emanzipation und freut sich, dass „Modest Fashion sich zu einem weltweiten Modetrend entwickelt hat.“ Die Rolle der Islamisten, die diese Scharia-konforme Kleidung für Frauen propagieren - Hidschabs, Kopftücher und körperverhüllende Gewänder – und die mörderische Repression der Frauen in Ländern wie Iran und Afghanistan wird ausgeblendet. 

Sich vor den islamistischen Karren spannen zu lassen, ist keine Neuheit. Superstars wie Rihanna und Madonna haben schon vor über zehn Jahren damit angefangen. 

Beim Kasse-Machen darf in der Mode schon mal auf Frauenrechte verzichtet werden

Inzwischen ist die "Modest" oder besser gesagt "Islamic Fashion" in der Mode-Industrie angekommen. Die großen Labels kennen schon lange kein Halten mehr bei der Vermarktung von hippen Kopftüchern, hippen Ganzkörperbadeanzügen oder hippen Tschadors.

Es war Rihanna, die im Oktober 2013 in den Vereinigten Arabischen Emiraten Stunden vor ihrem halbzüchtigen Auftritt am Abend (in Weiß und mit verrutschtem Schleier) im modischen Tschador posierte: in Abu Dhabi vor der Sheikh Zayed Moschee. Die ist mit 40.000 Plätzen eine der größten Moscheen der Welt und darf auch von „Nichtgläubigen“ besichtigt werden. Stolz postete Rihanna ihren halb koketten, halb politisch korrekten Schleier-Auftritt auf Instagram, wo sie auch sonst ihre – immer stark sexualisierten und meist masochistischen – Inszenierungen unter die Fans bringt. Die Reaktionen waren gemischt. Es gab Kritik von westlich Emanzipierten sowie östlich Frömmelnden. Aber es gab noch mehr Zustimmung. Zum Beispiel von dem Muslim, der postete: „Danke für den Respekt, den Sie unserer Religion erweisen. Die Fotos sind wunderbar.“

Drei Monate zuvor war Madonna, Rihannas großes Vorbild, vorangegangen. Die Vielgesichtige und Foreverjunge posierte für Harpers Bazar mit einer ­Gesichtsmaske, die kein reines Fantasieprodukt war. Diese metallenen Verriegelungen des Mundes heißen Batalu. Ultra-ultra-orthodoxe Musliminnen tragen sie zum Niqab, dem alles verhüllenden schwarzen Ganzkörper-Schleier, bei dem auch die Augen hinter einem Gitter verborgen bleiben. Hinzu kommt die metallene Verriegelung des Mundes, man weiß ja nie. In exklusiven Geschäften der europäischen Metropolen kann man diese in Stoff und Stahl gefangenen Frauen manchmal shoppen sehen.

Warum die so freie Madonna so etwas tut? Madonna ist nicht dumm, das ist bekannt. KritikerInnen erklärte sie, sie sei „für die Meinungsfreiheit im Besonderen und die Menschenrechte im Allgemeinen“ und verbäte sich darum jegliche ­Kritik an ihrem Auftritt. Wem das nicht passe, der brauche ihr einfach nicht zu folgen auf Instagram. Und außerdem, Achtung, sammle sie gerade für eine Schule in Pakistan – vermutlich eine Mädchenschule – und fange bald mit deren Bau an.

Na dann. Dann ist ja alles gut. In der Schule in Pakistan – einem in Sachen Gotteskrieger-Propaganda führenden Land – können die kleinen Pakistanerinnen dann ja auch gleich lernen, sich nicht länger trampelig, sondern schick zu verhüllen. Und seit Anbeginn sind die gewohnten Praktiken von Madonna ja nur die zwei ­Seiten ein und derselben Medaille: Entblößung und Verhüllung.

Elisabeth Badinter: "Islamophobie" ist eine Waffe der Islamo-Linken

Rihanna und Madonna werden gut mit ihrer Werbung verdient haben. Der Umsatz mit der Islamic Fashion wird in den kommenden Jahren auf jährlich eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. Da pfeift man gerne schon mal auf die Menschenrechte und die Emanzipation der Frauen. 

In Modemetropole Frankreich protestieren gegen die Islamic-Mode seit vielen Jahren nicht nur frauenbewegte Politikerinnen. Auch die für ihre androgyne Mode bei jungen Leuten sehr beliebte Agnès B. reagierte scharf. Sie erklärte: „Es hat etwas Obszönes, solche Sachen für reiche Frauen in Ländern zu entwerfen, wo andere vor Bomben fliehen.“ Und es sei inakzeptabel, ein Kleidungsstück wie den Schleier zu verharmlosen. Auch meldete sich die Philosophin Elisabeth Badinter zu Wort. Sie ist in Frankreich die führende Denkerin beim Kampf gegen den politisierten, agitierenden Islam und die Akzeptanz des Schleiers bis in die Schulen hinein. Die engagierte Feministin ist die Ehefrau des sozialistischen Ex-Justizministers Robert Badinter (der gegen viel Widerstand die Todesstrafe abschaffte). 

Madonna mit Gesichtsmaske. Ist das die neue Mode?
Madonna mit Gesichtsmaske. Eines der vielen Hijab-Models. Ist das die neue Mode?

Die als „islamophob“ geschmähte Badinter forderte schon vor zwölf Jahren zum „Boykott“ aller Firmen auf, die die Verschleierung der Frauen in ihre Kollektionen aufgenommen haben. Und sie fügte streitlustig hinzu: „Dass überhaupt jemand als ‚islamophob‘ bezeichnet wird, ist eine Schande. Diese Waffe haben die Islamo-Linken den radikalen Islamisten an die Hand gegeben.“ 

Badinter, eine konsequente Verfechterin der Laïzität, also der Trennung von Staat und Kirche, prägte für die VerfechterInnen des Kulturdifferenzialismus, wie der „Freiheit, das Kopftuch zu tragen“, den Begriff Islamo-Linke. Denn in der Tat wird – in Frankreich ganz wie in Deutschland – das „Recht auf das Kopftuch“ allen voran von Linken und Liberalen hochgehalten. Von dem Zwang zum Kopftuch, der in immer mehr Ländern für Millionen Frauen eine Frage auf Leben und Tod sein kann, ist in diesen Kreisen kaum die Rede.

Ob der BR davon überhaupt schon mal gehört hat?

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