In der aktuellen EMMA

AKK: Mein Mann war der Star der Krabbelgruppe

Foto: Thomas Koehler/Photothek/Getty Images
Artikel teilen

Das letzte Mal war ich im August 2005 im CDU-Haus. Damals hatte ich Angela Merkel als Kanzlerkandidatin interviewt (am 18. September wurde sie dann tatsächlich gewählt – aber es sollte noch zwei Monate dauern, bis sie auch Kanzlerin werden durfte). Diesmal bin ich im CDU-Hauptquartier, um mit Annegret Kramp-Karrenbauer, der neuen Parteivorsitzenden zu reden, die (noch?) nicht Kanzlerkandidatin ist, aber es werden will. Sie residiert nicht im sechsten Stock, wie einst ihre Vorgängerin, sondern im fünften. Da war sie schon als CDU-Generalsekretärin. „Und hier will ich auch bleiben“, sagt sie. „Ich will nicht so über allen thronen.“ Okay, Frau Kramp-Karrenbauer, legen wir los.

Anzeige

Alice Schwarzer: Frau Kramp-Karrenbauer, es fällt auf, dass Sie mit den Frauenrechten in die Offensive gehen. Das macht Sinn. Aber haben Sie bei dem Thema auch eine ganz persönliche Motivation?
Ja, sehr persönlich. Darum bin ich ja in die Politik gegangen! Der Frauenparteitag 1985, organisiert von Generalsekretär Geißler, war etwas ganz Faszinierendes für mich. Ich hatte drei Jahre vorher Abitur gemacht und war der festen Überzeugung, mir steht die Welt offen. Aber als ich dann mit 22 geheiratet habe, habe ich sehr schnell gemerkt, dass sich die Frage Studium oder Beruf und Familie für mich nochmal ganz anders stellt als für meine Kommilitonen. Das fand ich im Höchstmaß ungerecht. Frauenrechte sind mir also ein echtes Herzensanliegen.

Sie haben es gewagt, das umgekehrte Modell zu leben. Ihr Mann, ein Bergwerksingenieur, ist, als Sie durchgestartet sind, erst Hausmann geworden und hat später Teilzeit gearbeitet, um sich um die Kinder kümmern zu können.
Ja, ab 1998, als ich in den Bundestag ging. Er war der Held in jeder Krabbelgruppe. Das hat ihm Spaß gemacht, denn er ist wirklich ein Familienmensch. (...)

 

Thema Flüchtlinge. Da ist ja einiges schiefgelaufen. Wenn Sie heute zurückblicken auf das Ereignis Silvester 2015 in Köln, wie schätzen Sie das ein?
Wir hatten zwei Ereignisse, die ein tiefer Einschnitt waren. Das erste, im September 2015, wo die Bereitschaft in der Bevölkerung sehr groß war zu helfen, und uns Vorwürfe gemacht wurden, zu engherzig zu sein. Silvester in Köln war dann wenige Monate später der entscheidende Moment, in dem sich dieses Klima gedreht hat. Denn was da passiert ist, war ein wirklicher Schock. Ich persönlich habe das auch als Angriff auf alle Frauen empfunden, nicht nur auf die, die dort waren. Und auch ein Angriff auf unsere offene Art zu leben. Köln hat sehr viel ­verändert.

Und welche Schlüsse ziehen Sie daraus? Wie lauten Ihre neuen Antworten?
Wir haben die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen hart errungen. Und wir müssen dafür sorgen, dass der Respekt vor Frauen eingehalten wird. Ich habe als Ministerpräsidentin in dem Ankerzentrum im Saarland auch solche Diskussionen mit Flüchtlingen gehabt. Manche haben gesagt: Wenn eine Frau das Essen ausgibt, nehmen wir das nicht an. Unsere Antwort war klar: Dann gibt es eben kein Essen.(...)

Das ganze Gespräch steht in der März/April EMMA 2019. Ausgabe bestellen

Artikel teilen
 
Zur Startseite