Islamismus: „Ich habe sie geliebt“

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Mr. Smith ist Südafrikaner und Weißer. Wegen der Unruhen in seinem Land zog er vor einigen Jahren in die Bundesrepublik. Er fand sich hier nur schwer zurecht. In seinem Land war er reich und angesehen und hatte ein Haus voller Dienstboten. Hier aber blieb er der Ausländer, entwurzelt und allein. Umsorgt wurde er nur noch von seinem schwarzen Dienstboten, dem Boy John, den er mitgebracht hatte. John erhielt, wie es in Südafrika üblich ist, keinen Lohn.

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Nun mal Sitte
Wenn er etwas falsch machte, wurde er beschimpft und auch schon mal geschlagen. Mr. Smith, der inzwischen angefangen hatte zu trinken, war dennoch sehr auf John angewiesen, denn außer ihm hatte er kaum Kontakte. Als John eines Tages andeutete, er wolle seinen Herrn verlassen, sah Mr. Smith rot. Er beschimpfte John und drohte ihm, ihn umzubringen. Mr. Smith trug, ganz wie in seiner Heimat, immer eine geladene Pistole bei sich. John wandte sich in seiner Not an die Nachbarn, sagte ihnen, er habe Angst davor, dass Mr. Smith ihn töte. Die Nachbarn nahmen das nicht so recht ernst (obwohl sie schon öfter gehört hatten, dass Südafrikaner nicht gefügiges Dienstpersonal töten).

Mr. Smith erschoss John am 4. August 1985. In der Verhandlung im Juli ’86, in der sowohl der Richter als auch der Staatsanwalt und der Gutachter Schwarze waren, wurde Mr. Smith trotz der Umstände nicht wegen „Mordes“ zu lebenslänglich verurteilt, sondern – unter Berücksichtigung seiner „kulturellen Herkunft“ – lediglich wegen „Totschlags“ zu sechs Jahren Haft. Die linke Tageszeitung taz berichtete sehr einfühlsam über den Fall. Sie schilderte ausführlich den Seelenzustand von Mr. Smith, seine Prägung durch den nun mal landesüblichen Rassismus und bedauerte, dass der Weiße nicht geschickter verteidigt worden war. Auch dieser Artikel war von einem Schwarzen geschrieben worden.

So, genau so ist es passiert. In Frankfurt. Nein, nicht ganz so. Das Opfer war weder schwarz noch männlich, sondern eine Marokkanerin. Der Täter war kein Rassist, sondern ein Sexist. Es war der Vater des getöteten Mädchens. Der Staatsanwalt, der Richter, der Sachverständige und der Journalist waren keine Schwarzen, sondern Frauen.

Die taz berichtete, wie zahlreiche andere Tageszeitungen, im Juli ’86 über den Prozess gegen den 41-jährigen Abdeslam Ben Ayad, der am 4. August 1985 seine zwölfjährige Tochter Malika im Frankfurter Stadtwald durch drei Messerstiche ins Herz getötet hatte. Der berberische Teppichknüpfer Ben Ayad war 1971, also als 26-Jähriger, zum Broterwerb in die BRD gekommen. Seine Familie ließ er 1980 nachkommen. Seine Frau ist, wie die meisten Frauen seines Dorfes, Analphabetin. Die sechsjährige Malika aber lernte gerne. Sie wurde rasch zur Tüchtigsten der Familie, half der Mutter und übersetzte bei den Behörden.

Vater Ben Ayad hatte sich inzwischen offensichtlich eingelebt in der Bundesrepublik. Er befahl seiner Frau, ohne Kopftuch auf die Straße zu gehen und sich zu schminken, aß Schweinefleisch und trank Alkohol (schwerer Verstoß gegen islamisches Gesetz). Er verlor seine Stelle, trank immer mehr und warf die Familie schließlich aus der Wohnung (aus der er kurz darauf ganz ausziehen musste). Frau und Kinder finden Zuflucht im Frankfurter Frauenhaus. Im autonomen (also feministischen) Frauenhaus. Sie sehen den Vater regelmäßig. Mimouna Ben Ayad wäscht weiterhin für ihren Mann die Wäsche und kocht ihm das Essen. Im Frauenhaus.

Das Flittchen
Malika wird immer selbstständiger, trifft sich zunehmend ungern mit dem Vater, der ihr den Vorwurf macht, sie sei ein ‚Flittchen’, weil sie mit ihren Freundinnen baden geht und sich auch schon mal schminkt. Die Spannung steigt. Malika, so werden die Sozialarbeiterinnen später im Prozess berichten, hat wochenlang jede Nacht Alpträume. Sie träumt „von einem fremden Mann, der an ihr Bett tritt und sie in einer unbekannten Sprache bedroht.“ Der Vater, der inzwischen wohnungslos ist und auf Parkbänken schläft, bedroht bei jeder Gelegenheit Frau und Tochter: „Ich schlachte euch ab!“

Am 2. August ’85 kommt es zu einer Szene auf der Straße, weil er Geld von seiner Frau will. An diesem Abend wirft die zwölfjährige Malika einen Brief in den Briefkasten des Frauenhauses. Darin steht: „Wenn ihr mich tot findet, kann es nur mein Vater gewesen sein.“

Am 3. August spricht eine Sozialarbeiterin des Hauses mit Malika. Vor Gericht sagt sie aus, über die Todesdrohung habe sie trotz des Briefes nicht mit ihr gesprochen. Die Berichterstatterin der taz, Heide Platen, beschreibt dies später als „Verfolgungsphantasien“ Malikas.

Die Phantasien
Am 4. August treffen Mutter und Kinder Abdeslam Ben Ayad in der Frankfurter Innenstadt. Der Vater beschimpft und bedroht erneut Malika. Sie läuft weg. Er holt sie zurück und zwingt sie, mit in den Stadtwald zu fahren. Dort ersticht er Malika mit dem Messer, das er immer im Schuh trägt. Sie hatte ihm gesagt, dass sie nicht nach Marokko zurück will. Zeugen, die ihn neben der Leiche finden, sagt er ruhig: „Ja, ich habe es getan. Das war gut so.“ Polizisten berichten, er habe „völlig unbeteiligt“ gewirkt. Kommentar der taz-Berichterstatterin: „apathisch eben“.

Die Sachverständige und Ethnologin Hannelore Schönig macht darauf aufmerksam, dass nach marokkanischer Sitte auch ein Fehlverhalten des Mannes die Frauen nicht von der Pflicht zum absoluten Gehorsam entbinde. Die Staatsanwältin Helga Goy-Fink kommt gar nicht erst darauf, auf Mord zu plädieren. Die Richterin Johanna Dirks beteuert bei der Urteilsverkündung, sie habe „die kulturelle Herkunft des Angeklagten ausdrücklich einbezogen.“ Und die Mutter, die den ungeheuren Mut hatte, als Nebenklägerin aufzutreten, sagt im Prozess: „Malika hat nichts Schlechtes getan. Du hast sie umsonst getötet.“

Der Verteidiger des Angeklagten versichert: „Als Berber stach er zu, um die Ehre seiner Tochter zu retten.“ Der Angeklagte selbst schließlich „flüstert“ vor Gericht: „Ich habe sie geliebt.“

Was ich noch vergaß zu sagen: Mr. Smith hing sehr an seinem Lieblingsboy John. Man darf auch nicht vergessen, dass er aus einer ganz anderen Kultur kommt. Aus einer Kultur, in der die Schwarzen nun mal Untermenschen sind. So wie im Islam die Frauen. Und in der es nun mal Sitte ist, ungehorsame Schwarze umzubringen.

Wir aber sind Gott sei Dank ein aufgeschlossenes Land. Wir plädieren inzwischen sogar für die Unterweisung ausländischer Kinder im Islamischen in bundesdeutschen Schulen. Wir dulden die Vielfalt der Kulturen nicht nur, wir schützen und fördern sie sogar. Zumindest, solange es sich um sexistische Kulturen handelt.

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