In der aktuellen EMMA

An jedem 2. Tag wird eine Frau ermordet

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Laut BKA verging 2017 kein einziger Tag, an dem ein Mann nicht versuchte, seine Frau bzw. Ex-Frau zu töten. Mindestens 147 Frauen kamen ums Leben. Die Zahlen für 2018 werden Ende November vorgestellt. Rechnet man die unerkannten Fälle dazu (die im Nachhinein als „Haushaltsunfall“ oder Selbstmord getarnt werden), stirbt also jeden zweiten Tag eine Frau an Beziehungsgewalt. Kristina Wolff will das nicht mehr hinnehmen. Im Januar startete die 52-jährige Architektur-Professorin auf change.org ihre Online-­Petition „Stoppt das Töten von Frauen! #saveXX“ auf change.org

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Darin fordert sie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) auf, härter gegen töd­liche Gewalt gegen Frauen vorzugehen. „Weshalb wird der Missbrauch von Alkohol und Drogen als strafmaßreduzierender Entschuldigungsfaktor anerkannt?“, fragt sie. Und: „Was spricht dagegen, Kriterien für einen Straftatbestand ‚Machistische Gewalt‘ zu definieren, der auch zu Taten der Hooligan-, Autoraser- und Motorradgang-Szene passt?“ Gute Frage.

Als nächstes will Kristina Wolff das Anliegen über den Petitionsausschuss in den Bundestag bringen. Denn es besteht dringender Handlungsbedarf.

Was getan werden muss, um bedrohten Frauen zu helfen - das steht in der aktuellen November/Dezember-EMMA. Außerdem im Heft: Die erste EMMA-Kampagne gegen Frauenhass von 1992 - als Angela Merkel noch Frauenministerin war. Ein Interview mit Konfliktforscherin Birgitt Haller über die Morde in Kitzbühel und das neue Gewaltschutzgesetz in Österreich. Und die Schweizer Offensive der "Alliance F" gegen Sexismus und Hass im Netz. 

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Eine Liebe, die tödlich ist

Femen-Aktion auf dem Friedhof Montparnasse für die ermordeten Frauen. - Foto: Patrice Pierrot/dpa
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An einem verregneten Samstag Anfang Oktober ziehen 114 Frauen schweigend durch die nassen Straßen von Paris, bis zum Friedhof Montparnasse. Sie haben sich die nackten Oberkörper wie Leichen bemalt, Blumenkränze im Haar. Es ist ein symbolischer Todesmarsch. Sie ­setzen sich auf der Allee zwischen den Gräbern nieder. Jede der Frauen hält ein schwarzes Schild mit weißer Aufschrift vor sich, wie eine Grabtafel:

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Taïna, 20 Jahre, 3. Femizid
Michèle, 72 Jahre, 10. Femizid
Salomé, 21 Jahre, 100. Femizid

Es ist eine Aktion der Femen in Frankreich. Die 114 Aktivistinnen symbolisierten die 114 Todesopfer, genau die Zahl der Frauen, die in Frankreich seit Beginn dieses Jahres von ihren Männern bzw. Ex-Gefährten getötet wurden: erschlagen, erdrosselt, erschossen, erstochen, erstickt oder aus dem Fenster gestoßen. Dass man überhaupt weiß, wie viele es waren, ist einem Frauen-Kollektiv zu verdanken. Es führt genau Buch und wertet die Meldungen aus den vermischten Seiten der Regionalzeitungen aus. 114 Tote bis Anfang Oktober, das lässt vermuten, dass in diesem Jahr die Zahl der 121 ermordeten Frauen vom Vorjahr weit übertroffen wird. „Wir erleben ein regelrechtes Massaker“, sagt Sandrine Bouchait von der französischen „Vereinigung der Opferfamilien“, UNFF.

Frankreich hat die Problematik erkannt

Etwas ist in Bewegung geraten in Frankreich, ganz eindeutig. Denn die Zahl der Frauenmorde ist bei den Nachbarn nicht etwa höher als in Deutschland, nur: Das Thema wird nicht länger verschwiegen oder runtergespielt. Frauenmorde sind als gesellschaftspolitisches Problem erkannt worden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte schon bei Amtsantritt versprochen, die Gleichberechtigung zur „großen nationalen Angelegenheit“ seiner Amtszeit zu machen. Das Thema Männergewalt in Beziehungen gehört dazu.

Welche Maßnahmen Frankreich getroffen hat – und wie es um den Kampf gegen die tödliche BeziehungsGewalt in Deutschland, der Schweiz und in Österreich steht - das ist in der November/Dezember-EMMA zu lesen.

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